Glaube, eine erstaunliche Lebensreise
Hallo DU,
ist Glaube eine Berg- und Talbahn? Leider ja!
So lange wir noch hier unten auf der Erde leben, sind wir von Zweifeln und Glaubenskämpfen nicht frei.
Jesus sagt: Ihr seid von hier unten, ich bin von oben. Ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt. (Joh 8,23; NGÜ)
Wir bleiben Suchende:
Bittet Gott, und er wird euch geben! Sucht, und ihr werdet finden! Klopft an, und euch wird die Tür geöffnet! Denn wer bittet, der bekommt. Wer sucht, der findet. Und wer anklopft, dem wird geöffnet. (Lk 11,10; NGÜ)
Der einzige Vorteil für gläubige Christen ist: Die Höhenunterschiede nehmen ab und die Häufigkeit lässt nach. Wir können dazulernen.
Richtet euch nicht länger nach den Maßstäben dieser Welt, sondern lernt, in einer neuen Weise zu denken, damit ihr verändert werdet und beurteilen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob Gott Freude daran hat und ob es vollkommen ist. (Röm 12,2; NGÜ)
Meine Glaubens-Abenteuerreise fing mit Bitten an:
Gott, wenn es dich wirklich gibt,
dann mache …,
dann füge …,
dann schenke, …,
dann gebe …,
dann ermögliche …,
dann verhelfe mir zu …,
Immer und immer wieder: dann!
Ich wollte viel und bekam wenig.
Das war frustrierend, herausfordernd, lehrreich, einseitig.
Wie war das? Gott gibt gerne!
Ich versuchte es dann mit: Weniger ist Mehr:
Lass es nachher nicht regnen.
Mach, dass ich pünktlich bin.
Halte mich von Schokolade fern!
Verschone mich vor weiterem Haarausfall.
Ein Parkplatz wäre jetzt schön.
Das funktionierte besser.
Manchmal klappte es und manchmal nicht.
Vielleicht sollte ich beim Beten auch bitten?
Bitte Herr, höre endlich mein Flehen.
Bitte Gott mach, was ich mir wünsche.
Bitte Jesus, mache mich reich.
Bitte Vater, schenke mir den Hauptgewinn im Lotto.
Bitte Allmächtiger, lasse den toten Vogel weder lebendig werden.
Zuhause hatte das Zauberwörtchen ‚Bitte‘ manchmal geholfen.
Trotzdem: Der Erfolg war bescheiden.
Ist Gott vielleicht schwerhörig.
Ich habe dazugelernt:
Er ist es nicht!
Er hört auch nicht weg.
Er überhört auch nichts.
Er hört nur sehr genau zu und ergründet dabei unsere Motivation.
Vielleicht liegt es ja an meiner zaghaften Zuversicht?
In Hebr 11,1; L heißt es: Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.
Ich wähle meine Worte gut:
Danke Herr, dass du mich von keiner roten Ampeln aufhältst.
Danke, dass du meine Gebete erhörst.
Danke, dass du mich liebhast und barmherzig bist.
Danke, dass du meine Gedanken zum Erfolg führst.
Huch, danke ich, damit ich etwas bekomme oder weil ich bereits etwas bekommen habe?
Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, Gott zu beeindrucken. Meine Erfahrung: Versucht es erst gar nicht. Das ist verlorene Zeit. Wenn Gott nicht will, dann will er nicht. Er will etwas anderes von uns! Beispielsweise Liebe, Treue, Besinnung, Aufrichtigkeit, Nächstenliebe, Demut und Reinheit.
Am besten gefällt Gott, wenn ich ihm erzähle wie es mir geht, wie ich mich fühle, weshalb ich um etwas bitte und wozu ich das Erbetene brauche.
Es gefällt ihm auch, wenn ich ihn darum bitte, immer bei mir zu sein, wenn ich ihn um Rat frage, wenn ich auf ihn höre und wenn ich alles mit ihm abspreche. Er findet es super, wenn ich ein gelehriger Schüler und Nachfolger bin.
Aber die vielen ‚Wenn’s‘ sind nicht seine Bedingungen. Unsere Liebe zu ihm tut das alles von ganz alleine. Der einfachste und erfolgreichste Weg ist: Ich vertraue ihm und lasse ihn mit mir machen, was er für gut und richtig hält. Das macht gelassen und geduldig, das entspannt und spart Kraft.
Auf meinem früheren Lebens-Hindernislauf hatte ich mir viele abenteuerliche Wege ausgedacht, um mir Gott geneigt zu machen und er hatte viel Geduld mit mir. Manchmal habe ich ihn im Geist über meinen Erfindungsreichtum väterlich und ermutigend schmunzeln gesehen.
Auf all meinen Irrwegen, Umwegen, Nebenwegen, Holzwege und in den vielen Sackgassen habe ich dazugelernt, Gott besser kennen gelernt und sein Wort intensiv gelesen und in mir aufgenommen. Meinen derzeitigen geistlichen Zwischenstand finde ich O.K. Er bestimmt das Tempo und er weiß genau, wann ich was brauche und verdauen kann.
Und selbst wenn ich wüsste, was alles er noch für mich in der Hinterhand hält und mir geben möchte, es würde mir nicht weiterhelfen. Mein „Ich will“ ist stark geschrumpft. Ich weiß, ich müsste ihn nicht um etwas bitten, weil er mich liebt und in seiner Liebe sowieso ‚just in time‘ gibt.
Nun, im gesetzten Alter, erkenne ich, dass jedes Bitten immer nur punktuell und willkürlich ist. Gott aber ist allumfassend und allwissend. Je mehr ich überzeugt und zuversichtlich ins Gottvertrauen hineinwachse, desto leichter fällt es mir, ihm schlicht zu sagen: „Ich liebe dich. Dein Wille geschehe! In Jesu Namen. Amen‘.
Und natürlich bedanke ich mich immer wieder für seine, nicht selbstverständliche und selbstlos Gunst, Führung und Unterstützung. Er berührt mich. Er ergreift mich. Tiefe Dankbarkeit durchströmt mich, wärmt mich und fließt aus mir heraus. Ich kann nicht anders. Ich kann nicht anders, als auch anderen von seiner Liebe zu erzählen.
Gott ist groß. Gott ist gut. Gott hat unendlich viel Geduld. Verständnisvoll schmunzelte er über unsere tapsige Hilflosigkeit und reicht uns wohlwollend seine Hand, damit wir sie ergreifen.
Amen.

