Etwas Besseres sein wollen
Hallo Du,
es gibt viele Menschen, die glauben, sie seien etwas Besseres.
Sie glauben das, aufgrund ihrer schönen Figur, Beine oder Haare,
ihrer Kleidung, ihrer Lebenseinstellung oder Herkunft;
aufgrund ihres Lebensmutes ihrer Erfahrung oder ihres
Einkommens, ihres Ranges, ihrer Kraft, Intelligenz, Bildung
oder Einbildung.
Wer glaubt, er sei etwas Besseres, glaubt auch, die anderen seien
etwas Schlechteres. Das ist hochmütig und überheblich;
anmaßend und abwertend, selbstgerecht und egozentrisch.
Leider aber auch sehr menschlich. Wir suchen Sinn, Bestätigung
und Erfüllung im Leben und damit geben wir es uns selbst.
Jetzt sollte man doch meinen, dass Christen es besser wüssten.
Doch auch unter ihnen gibt es welche, die sich für besser, frommer,
gehorsamer, demütiger oder auserwählter halten.
Und die die es besser wissen, haben es zwar im Kopf, aber noch
lange nicht im Herzen. Ihr Wissen wirkt sich noch nicht in ihrem
Denken, in ihren Einstellungen und ihrem Verhalten aus.
Auch sie sind nur Menschen, auch wenn sie manchmal glauben,
bessere Menschen zu sein und das zeigen zu müssen.
Da gingen Jakobus und Johannes, die Söhne von Zebedäus,
zu Jesus hin und sagten zu ihm: »Lehrer, wir möchten, dass
du uns eine Bitte erfüllst!« »Was möchtet ihr denn?«,
fragte sie Jesus. »Was soll ich für euch tun?« Sie sagten:
»Wir möchten, dass du uns rechts und links neben dir
sitzen lässt, wenn du deine Herrschaft angetreten hast!«
Jesus sagte zu ihnen: »Ihr wisst nicht, was ihr da verlangt!
Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke? Könnt ihr die
Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?«
»Das können wir!«, sagten sie. Jesus erwiderte:
»Ihr werdet tatsächlich den gleichen Kelch trinken wie ich
und mit der Taufe getauft werden, die mir bevorsteht.
Aber ich kann nicht darüber verfügen, wer rechts und links
neben mir sitzen wird. Auf diesen Plätzen werden die sitzen,
die Gott dafür bestimmt hat.« (Mk 10, 35-40)
Wir glauben gerne, wir hätten uns selbst zu etwas gemacht
oder gebracht, aber alles was wir haben und sind, kommt von Gott.
Es ist eine Leihgabe, ein Geschenk für die Lebenszeit, vergänglich.
Ohne das, was er uns gegeben hat, könnten wir nichts, wir würden
nicht einmal leben.
Wir glauben gerne, wir hätten mit ‚unseren Gaben‘ einen Freibrief‘,
es stünde uns frei, damit zu tun oder zu lassen, was uns beliebt und
das tun wir auch oft genug. Doch in jeder Gabe liegt eine Aufgabe
und in der Aufgabe eine Verantwortung.
Wir bekommen die Gabe, die Begabung, als Basis für unseren
individuellen Lebenszweck und Lebenssinn für unsere Bestimmung.
Die Verantwortung liegt darin, diese Begabung, ob sie uns gefällt
oder nicht, zu entwickeln und zu vervollkommnen,
zum Lebensunterhalt, zur Freude und zum Wohle aller.
Das ist nicht immer einfach. Die eigene Gabe führt leicht zur
Überheblichkeit, die Gabe der anderen, weckt in uns leicht
Unzufriedenheit und Neid, besonders, wenn wir die eigene Gabe
noch nicht kennen oder wenn uns der Wert und die Bedeutung
der eigenen Gabe nicht bewusst ist.
Wir glauben auch gerne, dass unsere Gabe uns auszeichnet,
dass sie uns Ehre oder Ansehen gibt. Nein, sie zeichnet nicht
uns aus, sondern Gott. Uns zeigt sie seine Liebe für uns,
doch sie weist auf ihn, auf die Güte und Gnade des Gebers
und Schöpfers. Im Einsetzen der Gabe zeigt er sich.
Es kommt der Tag, an dem der Hochmut der Menschen ein
Ende hat und ihr Stolz gebrochen wird. Dann wird nur einer
groß sein: der HERR! (Jes 2,11; HfA)

