Es kommt darauf an, was alles man glaubt!
Hallo Du,
eines meiner Schäfchen leidet (noch) unter extremen
seelischen Berg- und Talfahrten
(die ich von früher selbst kenne).
Kürzlich schilderte sie mir ihre Verzweiflung, in der ihr
Widerspruch deutlich wurde.
Hoffend sagte sie den kurzen Glaubenssatz: „Ich schaffe das!“,
aber jammernd zeigte sie den Glaubenssatz: „Ich schaffe
das nicht mehr“!
Daran wurde mir wieder einmal deutlich, wie eng unser
Glauben, Reden und Denken verbunden sind und dass
diese Verbindung stimmig sein sollte, denn alles was wir
glauben, alles was wir still denken oder laut sagen, hat
für uns Folgen. Es ist nicht nur eine momentane Regung,
sondern es richtet uns auch aus!
Ihr Widerspruch erinnert mich an Mk 9,23-24, wo ein
liebender Vater Jesus um Heilung für seinen epileptischen
Sohn bittet und seine Bitte zweifelnd beginnt mit
„Wenn du kannst“, „Wenn es dir möglich ist“.
Jesus aber antwortet ihm:
„Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt“.
Und der Vater weiß nicht, ob Jesus sich oder ihn meint.
In seiner Seelennot zwischen Hoffen und Bangen ruft der
Vater dann: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“
Das bedeutet für mich:
‚Bitte helfe meinem Sohn und auch meinem Unglauben.
Der Vater bittet Jesus um Glauben; darum, dass er Jesus
vertrauen kann.
Und Jesus überzeugt ihn durch die Heilung seines Sohnes.
Ihr Widerspruch führt mich auch zu dem aufgebrachten,
fast zornigen Jesus in Mt 21, wo er sich seinem Wesen nach,
scheinbar widersprüchlich verhält. Und ich verstehe den
Text beim Lesen plötzlich anders:
‚Als Jesus am nächsten Morgen nach Jerusalem zurückkehrte,
hatte er das Bedürfnis, seinen Jüngern das zuvor Geschehene
anschaulich zu verdeutlichen. Am Wegrand sah er einen
unsicheren, feigen Menschen. Er ging hin, fand aber nichts
als Zweifel und Irrglauben an ihm. Da sagte Jesus zu ihm:
»Du wirst in Zukunft nie wieder glücklich sein!«
Im selben Augenblick fühlte sich der arme Mensch erkannt
und bestätigt und er brach vollends zusammen.
Als die Jünger das sahen, fragten sie erstaunt:
»Wie kommt es, dass dieser Mensch so plötzlich jegliche
Hoffnung und Haltung verloren hat?« Jesus erwiderte:
»Ich versichere euch: Wenn ihr Gott vertraut und nicht
zweifelt, könnt ihr viel mehr erreichen als dieser.
Ihr könnt sogar zu den Bergen in euch und vor euch sagen:
›Hebe dich weg und stürze dich ins Meer!‹, und es wird
geschehen. Ihr werdet alles bekommen, wenn ihr Gott
im Glauben (vertrauensvoll und zuversichtlich)
darum bittet‘.
(Nach Mt 21,18-22; HfA – Originaltext siehe Ende)
Es kommt also nicht nur darauf an, ob wir glauben und wem
wir glauben, sondern auch darauf, was wir glauben, wovon
wir überzeugt sind, welche viele gelernte, übernommene
oder selbstgefundene Glaubenssätze uns leiten.
Das ist deswegen so wichtig, weil solche Glaubenssätze
uns aus dem Unterbewusstsein lenken, hemmen oder
befähigen. Sie bestimmen unsere ‚Denk-Wirklichkeit‘ und
unsere ‚Erlebens-Realität‘ und damit auch unseren Lebensweg,
unsere Werte und Ziele.
Sie beeinflussen unser Wahrnehmen und Handeln.
Sie entscheiden, wie wir die Geschehnisse in der Welt
und unsere Mitmenschen sehen. Sie entscheiden auch
darüber, wie wir leben und fühlen, wie wir mit
Herausforderungen umgehen und wie wir uns verhalten.
Kurz gesagt:
An was wir glauben, gestaltet unsere Gegenwart
und Zukunft und damit unser Leben!
Unsere vielen Glaubenssätze gestalten uns, unsere
Gegenwart und Zukunft.
Diese Glaubenssätze sind unsere Lebensregeln.
Es sind kurze Sätze mit prägendem Inhalt.
Es sind individualisierte Leitlinien.
Es sind verinnerlichte Erinnerungs- und Merkregeln,
Setzungen, fürs eigene Denken, Fühlen, Verhalten und Tun.
Sie stammen aus eigener oder fremder Lebenserfahrung.
Sie bestehen aus für richtig befundenen Weisheiten.
Sie dienen uns zum Halt und zur Wegweisung.
Damit ähneln sie allgemeingültigen, volkstümlichen
und belehrenden Sprichwörtern, wie beispielsweise:
Aus Fehlern lernt man.
Ein gebranntes Kind scheut das Feuer.
Lügen haben kurze Beine.
Ehrlich währt am längsten.
Hochmut kommt vor dem Fall.
Des Menschen Wille ist sein Himmelreich!
Angriff ist die beste Verteidigung.
Jeder ist seines Glückes Schmied.
Der frühe Vogel fängt den Wurm.
Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist.
Eine Hand wäscht die andere.
Aus nichts wird nichts.
Lieber stumm als dumm!
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold!
Morgen, morgen nur nicht heute, sagen alle faulen Leute.
Glaubenssätze
Wir glauben an Logik; daran, dass jede Ursache eine
Wirkung hat; daran, dass jedes Erlebnis irgendeine
(bleibende) Wirkung auf uns hat und wir glauben auch,
dass wir uns mehr schöne Momente schaffen oder uns
vor heiklen Ereignissen bewahren können, wenn wir den
Zusammenhang erkennen, wenn wir aus dem Geschehen
etwas lernen, für die Zukunft einen Merksatz, einen
Glaubenssatz, eine Lebensregel speichern.
Beispielsweise:
Ich habe mir wieder einmal den Kopf angestoßen.
Die Merkregel könnte sein: Ich muss mehr aufpassen!
Oder: Wäre ich nicht zu der Party gegangen, hätte ich mich
nicht betrunken.
Der Merksatz könnte sein: Partys sind nicht gut für mich!
Oder: Ich wurde bestraft, weil ich die Wahrheit gesagt habe.
Die Lebensregel könnte sein: Es ist besser, den Mund zu halten!
Und weil wir oft nicht zwischen richtig oder falsch
bzw. zwischen gut oder schlecht unterscheiden können,
sammeln sich in unserem Achtungs-Gedächtnisspeicher
positive und negative Glaubenssätze an.
Auch ist dem Gehirn egal, ob ein Merksatz, ein Glaubensvorsatz
aus Fremderfahrung oder aus eigener Erfahrung kommt
oder ob er nur eine eigene Absichtserklärung ist.
In der Praxis wird sich dann ja zeigen, wie sinnvoll die
gesetzte Lebensregel ist.
Negative Glaubenssätze, also Lebensregeln,
Überzeugungen, Einstellungen und Meinungen, richten
uns langfristig falsch aus und schränken uns ein.
Beispiele dafür sind u.a.:
Die Welt ist schlecht!
Es gibt keinen Gott!
Das kann ich nicht!
Niemand liebt mich!
Ich kann nicht anders.
Ich habe zwei linke Hände!
Ich bin an allem schuld.
Glaube ist Unwissen!
Ich gebe auf!
Was ich anfasse geht schief!
Ich zuerst!
Nach mir die Sintflut!
Positive Glaubenssätze, also Lebensregeln, Überzeugungen,
Einstellungen und Meinungen, entstehen in Glücksmomenten,
beim Gelingen, Bestätigung finden oder Gelobt werden.
Sie weiten, ermutigen und stärken uns.
Beispiele dafür sind u.a.:
Ich bin mutig und stark!
Das traue ich mir zu!
Das kann ich lernen!
Hilfe ist nah!
Das Leben hat auch schönen Seiten!
Freude kräftigt!
Lachen ist gesund!
Spaß muss sein!
Jammern bringt nichts!
Aufstehen und Weitergehen!
Konzentration ist Kraftbündelung!
Gott ist nur ein Gebet weit entfernt!
Das Leben geht weiter!
Wehre den Anfängen!
Beten hilft! Gott ist gerecht!
Gott liebt mich! Gott ist immer da!
Für den, der glaubt, ist alles möglich!
Mit Gottes Hilfe kann ich Berge versetzen!
Wie ist unsere Sichtweise?
Wir sehen die Welt durch die Brille der Ansichten, die wir
uns zugelegt haben. Sehen wir in ihr das Positive, dann ist
unsere Denk-Welt überwiegend positiv. Sehen wir das
Negative, dann ist unsere Denk-Welt überwiegend negativ.
Die Erfahrung, dass einige unserer Lebensregeln uns in
Schwierigkeiten bringen lehrt uns, dass unsere Glaubens-
sätze sehr subjektiv sind und deswegen auch falsch sein können.
Das ermöglicht uns umzulernen, uns neue, bessere Lebensregeln
zuzulegen, reifer zu werden.
Weil es im Leben vorrangig um unseren Schutz und um unser
Bestehen in einer schwer zu durchschauenden Welt geht,
sind Bücher zur Lebenshilfe oder als Lebensratgeber
sehr gefragt.
Wir ‚glauben‘, sie enthalten abgesicherte und erprobte
Lebenserfahrungen. Einige davon habe ich früher auch
gelesen, doch rückwirkend gesehen, waren sie wenig
hilfreich.
Sie gingen nicht an die Wurzel meiner Schwierigkeiten
und sie hatten nicht die Autorität, mich davon dauerhaft
zu befreien und zu verändern. Sie enttarnten nicht falsche
Lebensgrundsätze, unreflektierte Lebenseinstellungen,
schräge Glaubenssätze, schöngemalte Wunschvorstellungen,
Wunschwerte und Wunschziele oder die verfestigte
Persönlichkeit.
Als Jesus mich zu sich rief und ich mehr über ihn erfahren
wollte, begann ich in der Bibel zu lesen, im Buch der
Lebensweisheiten. In ihr fand ich neue, wirksame, völlig
andersartige Glaubenssätze und Lebensregeln.
Durch sie wurde ich ein anderer Mensch. In ihr fand ich
wahre Weisheiten, gute Glaubenssätze und aus ihnen
Selbsterkenntnis, Veränderung, Liebesfähigkeit,
Ausgeglichenheit und Frieden.
Das ‚Vater unser‘ und das Glaubensbekenntnis enthält
viele einzelne Glaubensätze. Die zehn Gebote sind
Glaubenssätze pur. Sie enthalten drei Kernelemente:
1. Es gibt jemanden über uns, nämlich Gott,
dem wir Rechenschaft schuldig sind!
2. Achte und liebe deine Mitmenschen!
3. Tue nichts Unrechtes!
Diese Glaubenssätze werden noch verdeutlicht:
Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen,
mit ganzer Hingabe, mit aller deiner Kraft und mit deinem
ganzen Verstand! Und: Du sollst deine Mitmenschen lieben
wie dich selbst! (Lk 10,27; NGÜ)
Was Liebe beinhaltet, wird u.a. in den Glaubensätzen
von 1.Kor 13 und Gal 5,22 gesagt:
Liebe ist geduldig, Liebe ist freundlich.
Sie kennt keinen Neid, sie spielt sich nicht auf,
sie ist nicht eingebildet. Sie verhält sich nicht taktlos,
sie sucht nicht den eigenen Vorteil,
sie verliert nicht die Beherrschung,
sie trägt keinem etwas nach.
Sie freut sich nicht, wenn Unrecht geschieht, aber
wo die Wahrheit siegt, freut sie sich mit.
Alles erträgt sie, in jeder Lage glaubt sie,
immer hofft sie, allem hält sie stand.
(1. Kor 13,4-7; NGÜ)
Die Frucht, die der Geist Gottes hervorbringt,
besteht in Liebe, Freude, Frieden, Geduld,
Freundlichkeit, Güte, Treue, Rücksichtnahme
und Selbstbeherrschung. (Gal 5,22; NGÜ)
Behandele die Menschen stets so, wie du von ihnen
behandelt werden möchtest. (Mt 7,12;HfA)
Das meint: Was du nicht willst, das man dir tut,
das füg auch keinem andern zu!
Daraus ist meine oberste Lebensregel entstanden,
an der ich mich orientiere:
Messe alles was du denkst, sagst und tust
am Maßstab der Liebe! – Amen.
Mehr zu Mt 21
Jesus zieht unter dem Jubel der Menschen in Jerusalem ein.
Viele Leute breiteten ihre Kleider als Teppich vor ihm aus,
andere rissen Zweige von den Bäumen und legten sie auf
den Weg. Vor und hinter ihm drängten sich die Menschen
und riefen: »Gelobt sei der Sohn Davids, ja, gepriesen sei,
der im Auftrag des Herrn kommt! Gelobt sei Gott hoch
im Himmel!«
Das war Anerkennung und Anbetung pur.
Aber nicht alle glaubten so.
Dann ging Jesus in den Tempel, jagte alle Händler und Käufer
hinaus, stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände
der Taubenverkäufer um und rief ihnen zu: »Ihr wisst doch,
was Gott in der Heiligen Schrift sagt:
›Mein Haus soll ein Ort des Gebets sein‹, ihr aber macht eine
Räuberhöhle daraus!«
Er prangert die falschen Glaubenssätze die Tempelhändler an,
deren Sinnen allein auf den Mammon, auf Geld und Gewinn
ausgerichtet ist. Ihre Einstellung ist: Ich bin clever.
Sünder hoffen auf Vergebung und zahlen auch mehr.
Das nutze ich zu meinem Vorteil.
Noch während Jesus im Tempel war, kamen Blinde und
Gelähmte zu ihm, und er heilte sie.
Jesus zeigt: Gottes Hilfe ist kostenlos.
Niemand wird übervorteilt. Wer ihn, Jesus, um etwas bittet,
dem wird tatsächlich geholfen. Die Bittsteller erhalten,
um was sie bitten, was ihnen wirklich wichtig ist,
nämlich Befreiung von ihrer Last, körperliche, seelische
und geistige Heilung und damit verbunden, Bestätigung ihrer
Hoffnung, Belohnung ihres Glaubens, neues Gottvertrauen,
erneuerte Gottverbundenheit sowie kräftigenden inneren
Frieden. Sie lernen: Jesus hat Erbarmen!
Wer ihn bittet, dem wird gegeben! Wer bei ihm anklopft,
der ist willkommen! Das alles sind Glaubenssätze.
Jesu Liebe, macht nicht nur dankbar, sondern sie ermöglicht
wieder eigene Liebe, eigene Freude und Freundlichkeit,
Geduld mit anderen und sich selbst, gütiges Verhalten,
treue Verbundenheit, rücksichtsvolle Aufmerksamkeit
und Selbstbeherrschung dafür etwas zu sagen oder zu tun,
was schädlich ist. Das ist eigene Erfahrung.
Als Jesus am nächsten Morgen nach Jerusalem zurückkehrte,
hatte er Hunger. Am Wegrand sah er einen Feigenbaum.
Er ging hin, fand aber nichts als Blätter an ihm. Da sagte
Jesus zu dem Baum:
»Du sollst in Zukunft nie wieder Feigen tragen!« Im selben
Augenblick verdorrte der Baum. Als die Jünger das sahen,
fragten sie erstaunt: »Wie kommt es, dass der Feigenbaum
so plötzlich vertrocknet ist?«
Jesus erwiderte: »Ich versichere euch: Wenn ihr Gott vertraut
und nicht zweifelt, könnt ihr noch mehr als das tun. Ihr könnt
sogar zu diesem Berg sagen: ›Hebe dich von der Stelle und
stürze dich ins Meer!‹, und es wird geschehen. Ihr werdet alles
bekommen, wenn ihr Gott im Glauben darum bittet.«
(Mt 21,18-22; HfA)
Am Beispiel des Feigenbaums verdeutlicht Jesus seinen
Jüngern und uns, dass Unfruchtbarkeit, also Unglaube
und falsche Glaubenssätze und Glaubensleitlinien bekämpft
und vernichtet werden müssen.
Der Baum soll zur Verdeutlichung verdorren, damit durch
dessen Absterben Menschen aufgerüttelt werden;
damit sie ihre überzogene Selbstbezogenheit und
Selbstherrlichkeit aufgeben und sich Gott zuwenden;
damit sie auf ihn und seine Hilfe bauen und ihre Hoffnung
und ihren Glauben auf ihn richten, der allein die Kraft
und Macht hat, der Glauben verleiht, der Unmögliches
möglich macht, der uns Berge versetzen lässt.
