Ein Zuschauer bei der Kreuzigung Jesu
Hallo Du, Jesus,
als mir andere nur Gutes von dir erzählten, wollte ich dich unbedingt kennenlernen. Ich bin weit gegangen, um dich zu finden, dich zu sehen und dir zuzuhören.
Weil ich geistlich arm bin, hoffe ich auf dein Himmelreich. Mich hungert und dürstet nach deinem Wort und nach deiner vergebenden Gerechtigkeit. Von dir habe ich Brot und Wasser erhalten; Zuwendung, Wegweisung und Hoffnung. Dein liebevolles Wesen hat mich angesprochen und überzeugt.
Als ich hörte, dass du ein Gotteslästerer sein sollst, konnte ich das nicht glauben.
Und als ich hörte, dass du gekreuzigt werden sollst, habe ich mich gleich aufgemacht, um dir in deinen letzten Stunden nahe zu sein.
Ich bin tief betrübt über das, was mit dir geschieht. Du wirst von meinem Volk verkannt, missachtet und angeklagt. Sie wissen genau, was sie wollen. Sie wollen dich diffamieren. Sie wollen dich bespucken, demütigen, quälen, peinigen und verhöhnen. Sie wollen dich loswerden, um ihre Macht und ihren Einfluss zu erhalten. Sie denken nur an sich und nicht an unsere Erlösung. Deshalb haben sie dich verurteilt und den Kreuzigern ausgeliefert.
Nun stehe ich hier auf dem Berg Golgaha vor deinem Kreuz, etwas im Hintergrund, um nicht aufzufallen und bin erschüttert über die Engstirnigkeit und Boshaftigkeit von Menschen.
Bin ich frei davon?
Es empört mich, wenn ich sehe, wie sie mit dir umgehen, wie sie dir Nägel durch Hände und Füße treiben, wie sie sich über dich erheben und dich grausam töten und ich frage mich, was ich tun kann.
Es zerreißt mich wenn ich sehe, wie du stumm leidest. Jesus, wahrlich, ich leide mit dir. Mir fehlen die Worte. Dennoch erscheinst du mir sehr gefasst.
Das beruhigt mich.
Beschämt stehe ich vor dir, denn du hast nichts Unrechtes getan. Ich aber bin ein Sünder und ich habe Strafe verdient.
Halte ich alle Gebote Gottes? Nein! – Bekenne ich mich offen zu dir? Nein! – Jesus, ich bin schwach und hoffe auf dich.
Es schmerzt mich, hier nur ohnmächtig zusehen zu können. Dennoch bin ich froh, hier zu sein und Anteil zu nehmen. Am liebsten würde ich neben dir hängen und dich auch bitten, an mich zu denken, wenn du in dein Reich kommst.
Weshalb wird es plötzlich überall finster? Schrecken und Angst durchrieselte mich. Es ist so weit: Du gehst.
Was wird nun aus meiner Hoffnung? Was aus deiner Liebe?
Ich schaue mich um und sehe auch bei den anderen tiefe Betroffenheit.
Jetzt möchte ich alleine sein. Traurig, verlassen und stumm gehe ich nach Hause.
Ein Jünger bei der Kreuzigung
Jesus, mein Rabbi und Meister,
auf dem Weg aus der Stadt nach Golgatha dachte ich daran, als du mich als Jünger berufen hast. Ich war noch sehr jung und saß mit meinem Bruder Jakobus im Boot, um Netze zu flicken. Da kamst du vorbei und sagtest uns, wir sollen mit dir kommen. Ich wusste nicht warum, aber ich tat es. Etwas zog mich zu dir.
Danach sind wir viel rumgekommen und haben von dir gelernt. Du hast uns Gott gezeigt, wie wir ihn noch nicht kannten. Du hast uns stärker mit ihm verbunden als manche Priester oder Prediger das sind. Du hast uns sein Wort mit Weisheit und Vollmacht ausgelegt, damit wir seine Liebe, Gnade und Güte erkennen.
Doch dann fingst du an, von deinem Tod zu sprechen und das hat mir gar nicht gefallen. Viel lieber wäre ich noch lange mit dir durchs Land gezogen um den Menschen von Gott zu erzählen.
Aber du hattest recht. Viele Menschen haben sich gegen dich gewandt. Sie haben von dir erwartet, dass du deine göttliche Kraft dazu benutzt, die Römer aus dem Land zu werfen und Israel wieder groß und wohlhabend zu machen. Du aber sagtest, dass dein Königreich nicht von dieser Welt ist, dass du Gott groß in ihnen machen willst.
Nun stehe ich hier mit deiner Mutter und mit Maria auf Golgatha und weine. Die Soldaten behandeln dich schäbig und verspotten dich. Du aber sagst dazu nichts.
Du sagst aber uns, dass es sein muss. Dennoch ist es schwer, das zu ertragen.
Herr, du weißt, dass ich dich liebe und verehre und es schmerzt mich, nichts weiter tun zu können, als hier zu sein.
Jeder Hammerschlag auf die Nägel, die dir durch Hände und Füße getrieben werden, geht mir ans Herz und ich leide mit dir.
Herr, wohin gehst du?
Hatte unser Werben für Gott keinen Erfolg? Haben deine Worte und Wunder nichts in den Menschen bewirkt? Du bist doch der Sohn Gottes, wie kann das alles sein?
In deinem Leiden bist du stark und ich habe verstanden, dass du deinen Weg bis zum Ende gehen musst. Was gesagt werden musste, wurde gesagt. Nun sprechen die Fakten.
Ich baue darauf, dass du das letzte Wort haben wirst. Ich glaube daran, dass Liebe und Güte größer sind als Hass und Intrige.
Ich hoffe, dass du uns nicht alleine lässt und natürlich:
Ich werde mich um deine Mutter kümmern als wäre sie meine eigene.
Wir waren doch immer eine Familie!
Auch wenn du jetzt gehen musst, meine Liebe zu dir wird weiterbestehen wie deine zu mir.
Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. (Röm 5,5; L)

