Ein Liebeslied zum Advent (Ps 28,7)
Es waren einmal vier Geschwister, die hießen Hans,
Franz, Sophie und Marie. Ihre Eltern waren begeisterte
Straßenmusiker. Gemeinsam sangen sie aus Freude
und zum Lebensunterhalt für andere. Und die Stimmen
der Kinder waren himmlisch schön, ein wahres Geschenk
Gottes.
Hans, der Älteste sang Bass; Franz, Tenor; Sophie Alt
und Marie, die Jüngste, Sopran. Als Gesangsquartett
hätten sie richtig gut sein können, doch wie es manchmal
bei großen Talenten ist, wollte sich jede Stimme Geltung
verschaffen und im Vordergrund stehen.
Es fehlte ihnen an geschwisterlicher Harmonie.
Doch solange Mutter und Vater den Takt und den
Rhythmus vorgaben, war ihr gemeinsames
Einkommen einigermaßen gesichert.
Doch eine dunkle Wolke zog über ihre Stadt, über das
Land und sogar auf der gesamten Erde wurde es Finster.
Eine böse Krankheit in pandemischer Stärke erschütterte
den Weltenlauf und beeinflussten das Leben. Quarantäne
und Kontaktverbote, Ausgangssperre und Abstandsregeln
verhinderten ihre Auftritte. Ohne Einkünfte waren sie auf
die Speisen von der Tafel ihrer Gemeinde angewiesen.
Und ohne ihre Auftritte, hatten sie auch kein gemeinsames
Ziel mehr. Ihre Freude und ihre Kraft schwanden
zunehmend.
Und ein Unglück kommt selten allein.
Die Mutter, die Seele und der Kitt der Familie, von der
Not geschwächt, steckte sich beim Einkaufen mit dem
Virus an und verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit.
In der Trauer um die Mutter gewann schließlich ihre
Liebe weder die Oberhand. Für die kommende
Trauerfeier schrieb jedes Kind eine eigene Liedstrophe
als ein bescheidenes Liebeslicht. Und der Vater dazu
einen umspannenden Refrain.
Marie schrieb als 1. Kerze:
Mama, warum gingst du?
Ich hab dich doch lieb!
Wie, soll‘s weitergehen,
ohne deine Lieb?
Franz schrieb als 2. Kerze:
Mutter, liebe Mutter,
Ich vermisse dich!
Dich möchte ich heut ehren,
denn du, liebtest mich.
Sophie schrieb als dritte Kerze:
Wir sind deine Kinder,
lasse uns nicht los.
In unsren Gedanken
bleibst du, unser Schoß.
Und Hans schrieb als 4. Kerze:
Mama, liebste Mutter,
du brachst uns zur Welt
und auch in der Zukunft,
deine Güt uns hält.
Und der Vater schrieb als Refrain:
Du bist unsre Hoffnung,
unsre Zuversicht.
Deine große Liebe,
sei uns Weg und Licht!
Und aus dem Rhythmus ihrer Gedichte ergab sich
ihnen die Melodie. Sie sangen ihre Reime leise vor
sich hin, aus Liebe und zum Trost, dann, zunehmen
freier und lauter.
Und sie hörten einander.
Aus gemeinsamer Trauer erstand starke Liebe, wieder
gemeinsame Freude an der Musik und am Leben.
Die Trauerfeier auf dem Friedhof fand dann im Freien statt.
Einige Nachbarn waren auch da, in größerem Abstand.
Liebe verbindet. Liebe tröstet. Liebe stärkt.
Und jedes Kind sang mit der ihm eigenen, himmlischer
Stimme, jede und jeder für sich,
doch verbunden im Refrain des Vaters,
das eigene Liebeslied für die Mutter,
laut und deutlich, klar und rein,
inbrünstig und in enger Verbundenheit.
Dann, ein Wunder geschah!
Sie sangen noch einmal,
nun zusammen,
in göttlichem Einklang
gen Himmel.
Alle waren tief ergriffen –
und Gott lächelte.
Seitdem
singen diese Fünf ihr Lied,
aus Freude und zum Dank,
in der Adventszeit zusammen,
in leicht abgewandelter Form,
im Gedenken an Jesus
und in Erwartung seiner Ankunft
in den Herzen aller.
Jesus, warum gingst du?
Ich hab dich doch lieb!
Wie, soll‘s weitergehen,
ohne deine Lieb?
R: Jesus, liebster Jesus,
du brachst uns zum HERRN.
Freude, Frieden, Hoffnung,
sei des Lebens Kern!
Jesus, lieber Jesus,
Wir vermissen dich!
Dich möchten wir ehren.
Liebe, spricht für sich!
R: Jesus, liebster Jesus,
du brachst uns zum HERRN.
Freude, Frieden, Hoffnung,
sei des Lebens Kern!
Wir sind deine Kinder,
lasse uns nicht los.
In unsren Gedanken,
gibst du uns – Anstoß.
R: Du bist unsre Hoffnung,
unsre Zuversicht.
Deine große Liebe,
sei uns Weg und Licht!
Jesus, liebster Jesus,
du kamst in die Welt.
Nun, in aller Zukunft,
deine Güt uns hält.
R: Du bist unsre Hoffnung,
unsre Zuversicht.
Deine große Liebe,
sei uns Weg und Licht!
Auch vor Weihnachten sind ihre Zuhörer berührt
und ergriffen. Und Gott lächelte. Liebe heilt.
Der HERR ist meine Stärke und mein Schild;
auf ihn traut mein Herz und mir ist geholfen.
Nun ist mein Herz fröhlich,
und ich will ihm danken mit meinem Lied.
(Ps 28,7; L)
