Die Lebensaufgabe – deine Bestimmung ruft !   (Lk 1,31-32)

 

Hallo Du,

hast du deine Lebensaufgabe schon entdeckt? Tust du, was dir gefällt und Sinn gibt, was dich erfüllt und aus dir fließen möchte, was dir leichtfällt? – Oder suchst du noch?

Ich habe meine wahre Aufgabe erst sehr spät entdeckt. Umso größer ist meine Freude und meine Dankbarkeit dafür.

Jeder Mensch hat eine Lebensaufgabe, aber die wenigsten kennen sie. Viele spüren nur ein leises Ziehen, ein inneres Flüstern, das ihnen sagt: „Es gibt mehr für dich!“ Diejenigen aber, die ihrem Herzen folgen – manchmal zögerlich, manchmal mutig –, bemerken bald, dass ihnen diese Aufgabe nicht zufällig zugeschrieben wurde, sondern zur Beschäftigung und Ausführung. Und je mehr sie sich darauf einlassen, desto stärker werden sie bevollmächtigt, befähigt und getragen – nicht zu ihrer eigenen Ehre, sondern zur Ehre des Gebers, zur Verherrlichung Gottes, des allmächtigen und allumfassenden Schöpfers von allem.

·    Eine hochsensible Frau entdeckt, dass diese Fähigkeit keine Last ist, sondern dass genau diese Sensibilität sie befähigt, anderen ins Herz zu schauen und ihnen Orientierung zu geben.

·    Ein Mann, der jahrelang seine Arbeitskraft pflichtbewusst und rastlos für den Arbeitgeber einsetzte erkennt, dass seine eigentliche Aufgabe darin liegt, in jungen Menschen wieder die Freude am Entdecken zu wecken.

·    Eine Mutter, die sich unscheinbar fühlt, erkennt, dass ihre Geduld und Fürsorge für ihre Kinder sich auf auch in den folgenden Generationen auswirken.

 

Indem wir Gott vertrauen, uns ihm zuwenden, ihn aus der Bibel oder den Erfahrungen gestandener Christen immer besser kennenlernen, desto mehr wachsen wir mit seinem Wesen sowie seinen Werten und Zielen zusammen. Das geschieht nicht über Nacht, sondern wie ein Baum, der langsam, aber unaufhaltsam seine Wurzeln vertieft. Und Gott macht es uns sogar leicht: Er begleitet uns, er öffnet unser Verständnis, er spricht durch Worte, Menschen, Situationen – manchmal leise, manchmal überraschend klar. Das kann

·    ein Bibelvers sein, den man schon hundertmal gelesen hat, und der plötzlich mitten ins Herz trifft.

·    ein Gespräch mit einem erfahrenen Christen sein, das Licht in eine Frage bringt, die man lange mit sich herumgetragen hat.

·    eine Predigt oder ein anderer Impuls sein, die genau auf die eigene Lebenssituation zugeschnitten zu sein scheinen.

 

Gott kommt zu uns und wir zu ihm. Er wohnt in unserem Gedächtnis, in unseren Herzen und in unseren wohltätigen Händen. Sein Geist befruchtet unseren Geist – wie ein frischer Wind, der alte Gedankenmuster wegweht und neue Klarheit bringt. Seine Liebe, Güte, Kraft, Weisheit und Realität werden uns zur Wahrheit. Und wir bemerken das an seiner Führung und Bewahrung, an unserem veränderten Denken und Fühlen, an unseren neuen Werten und Zielen, an unserem gesamten Verhalten und Sein.

·    Man reagiert plötzlich geduldiger, wo man früher explodiert wäre.

·    Man empfindet Mitgefühl für Menschen, die man früher verurteilt hätte.

·    Man spürt Frieden in Situationen, die früher Angst ausgelöst hätten.

·    Man trifft Entscheidungen, die nicht aus Ego, sondern aus Nächstenliebe geboren sind.

 

Es geschehen Dinge, die wir nicht verstehen, die uns aber zeigen, dass Er da ist und mit uns ist. Kleine Zeichen, stille Wunder, unscheinbare Fügungen – und manchmal große Eingriffe, die uns sprachlos machen.

·    Ein Problem löst sich auf eine Weise, die man selbst nie hätte planen können.

·    Eine Begegnung kommt genau im richtigen Moment.

·    Ein Gedanke, ein Impuls, ein innerer Frieden führt zu einer Entscheidung, die sich später als genau richtig erweist.

·    Eine Gefahr, die man nicht einmal bemerkt hat, wird unbemerkt abgewehrt.

 

Und in all dem – in meinem Suchen, meinem Wachsen und meinem Staunen – erinnert mich Weihnachten daran, woher diese Kraft kommt. Daran, dass alles, was mich verwandelt, nicht aus mir selbst entspringt, sondern aus dem Kind, das in einer einfachen Krippe lag. Ein Kind, das keine Macht zur Schau stellte und doch die Quelle aller Kraft ist. Ein Kind, das arm geboren wurde und doch unendlichen inneren Reichtum brachte und bringt. Ein Kind, das uns verdeutlicht, dass Gott nicht fern ist, sondern in ihm Mensch wird, damit wir ihn besser erkennen und verstehen können. Ein Kind, das seine Lebensaufgabe kannte und seinen Weg ging.

Wenn ich dieses Kind betrachte, begreife ich immer wieder neu, was das Leben wirklich möchte, nicht nur Mühe und Last sein, sondern hauptsächlich Freude, Entdecken, Staunen und Danken. Auch Liebe, die nicht fordert, sondern schenkt und Hoffnung, die in Dunkelheit leuchtet.

Jedes Jahr spüre ich wieder: Dieses Kind, Jesus, ist gekommen, um bei uns zu sein. Um in uns zu wohnen. Um uns zu erneuern. Um unser Leben liebevoll und lebenswert zu gestalten.

Das Kind in der Krippe ist klein, damit ich es nicht fürchten muss. Es ist verletzlich wie ich, damit ich mich ihm anvertrauen kann. Es kommt mit Erleuchtung, damit ich meinen Weg finde. Und es bringt Farbe in den Alltag, lässt und aufblühen.

Uns allen ruft es an Weihnachten immer wieder still zu: Fürchte dich nicht. Erinnere dich. Öffne dich. Lasse dich beschenken und veredeln – immer mehr, zum Wohl aller.

 

 

Du wirst und einen Sohn zur Welt bringen. Jesus soll er heißen. Er wird mächtig sein, und man wird ihn Sohn des Höchsten nennen. (nach Lk 1,31-32)

 

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