Die Lampe – Mutterliebe   (Tim 3, 2-3)

 

Hallo Du,

ich liege noch im Bett. Gerade habe ich die Tageslosung gelesen lasse dieses Bibelwort noch auf mich wirken. Die Zeit der Stille und Besinnung ist mir wichtig, denn dann ist mein Geist offen und bereit zu finden, was heute zu finden ist.

Meine Augen blicken in Richtung der Decke, nehmen sie aber nicht wahr. Ich schaue in die Weite, ins Innere, achte auf mein Fühlen und Denken. Ich sehe und sehe doch nicht. Die Gedanken und Gefühle versuchen, sich zu ordnen, zusammenzufinden. Sie führen mich zurück ins Zimmer, ins Hier und Jetzt. Nun erkenne ich die alte Deckenlampe, die unsere Mutter mir vor ihrem Tod zum Abschied schenkte.

 

Ich denke an sie. Sie starb im Alter von 57 Jahren. Ursache für ihren viel zu frühen Tod war ein Sturz im Baumarkt. Sie stolperte über ein herumliegendes Verpackungsband aus Stahl. Dabei erlitt sie einen Oberschenkelbruch und der löste eine spontane Amyloidose aus. Das ist eine üble und schmerzhafte Krankheit, bei der Organe nach und nach versagen. Damals war diese Krankheit noch völlig unerforscht. Sie lebte noch ein Jahr.

 

Ich erinnere mich an ihre anfänglichen Ängste, ihren Schmerz und ihre Tränen. Aber auch an ihr beharrliches, leider aussichtsloses Hoffen. Irgendwann akzeptierte sie das Unvermeidliche und sie wurde bewundernswert ruhig und gefasst. Ihre leuchtende Mutterliebe kam wieder zum Vorschein.

Von der Krankheit fast schon zermürbt, wollte sie ihren 5 Kindern etwas von sich hinterlassen. Deswegen bastelte sie ,individuell für jedes Kind, liebevoll Gegenstände, die sie uns dann noch schenkte.

 

Diese Deckenlampe, habe ich ins Schlafzimmer gehängt. Ihr warmes Licht erinnert mich immer wieder an die Warmherzigkeit unserer Mutter und ich erkenne dieses Licht in meinem Herzen. Ich greife zum Lichtschalter hinter mir und lasse diese Lampe wieder aufleuchten. Danke Mama.

 

Mein Blick weitet sich. Ich sehe hinter und neben der Lampe das Bild. Ich erkenne die optische Verknüpfung von Lampe und Bild. Mutter liebte Orchideen. Ich liebe sie auch. Hingebungsvoll hatte ich diese Orchideenblüten vor einigen Jahren gemalt. Wir sind nicht nur in Gefühlen und Gedanken verbunden.

 

Mein Sehen weitet sich. Die Erinnerung an die selbstlose, aufopfernde und geduldige Liebe unserer Mutter führt mich zu den Müttern dieser Welt.
Wird auch deren stützende, führende und selbstlose Liebe gesehen und gewürdigt?

 

Es ist schön, mit ‚Mama‘ noch in den Erinnerungen, Gedanken und Gefühlen verbunden zu sein. Doch viel schöner wäre es, wenn ich ihr noch sagen und zeigen könnte, dass ich das Licht ihrer Liebe und Herzenswärme erkannt habe, ihr für dieses Licht in mir danke und sie mit einem Küsschen auf die Stirn würdige.

 

 

Die Menschen werden selbstsüchtig sein, geldgierig, großtuerisch und arrogant. Sie werden ihre Mitmenschen beleidigen, ihren Eltern nicht gehorchen, undankbar sein und weder Ehrfurcht noch Mitgefühl kennen.   (Tim 3, 2-3; NGÜ)

 

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