Die gerettete Wespe (Joh 8,12)
Hallo Du,
die folgende Begebenheit ist unglaublich, aber wahr. Sie ist überraschend, einzigartig und ergreifend. Deswegen wird sie heute, nach über 20 Jahren, schriftlich festgehalten. Zum Dank und zur Ehre Gottes.
Damals, noch am Anfang meines Glaubensweges, hatte ich einen sehr großen Hunger auf das mir weitgehend unbekannte Wort Gottes. Deshalb besuchte immer wieder Bibelseminare. Bei einem Seminar geschah Folgendes:
Es war ein schöner Sommertag und wir, eine kleine Gruppe von sieben Leuten, gingen in der Mittagspause spazieren. Etwas zu früh kamen wir zum Konferenzraum zurück. Die zweiflügelige, verglaste Eingangstür war noch verschlossen. Also warteten wir vor dieser Glastür darauf, dass sie von ihnen geöffnet werden würde.
Dabei unterhielten wir uns ganz allgemein über Gott und die Welt, bis wir von einer Wespe davon abgelenkt wurden. Sie kam von hinten angeflogen und steuerte auf die im Glas reflektierte Sonne zu.
Es geschah, was wir alle kennen: Direkt vor unseren Augen flog sie immer wieder gegen die Scheibe und war in ihrem Irrtum gefangen, dass diese Richtung der Weg in die Freiheit ist.
Jetzt wurde das Gespräch spannend:
Die junge Frau neben mir sagte, dass sie Angst habe und gegen Stiche allergisch sei. Daraufhin fragte ein junger Mann neben ihr: „Bist du einverstanden, dass ich sie totschlage?“ – Sie: „Aber dann sticht sie dich!“ – Er: „Nein! Ich kenn eine Technik, bei der die Wespe mich nicht stechen kann. Ich schlage einfach mit der flachen Hand fest drauf.“ – Sie: „Lieber nicht, das ist zu gefährlich!“ – Er: “Ich kenne auch noch andere Techniken. Ich könnte …“ Es folgte eine Reihe von anderen Tötungsmöglichkeiten, die er entwickelt hatte. Irgendwie gefiel er sich in der Rolle ihres Beschützers und stark bei diesem Reden.
Mir aber tat die Wespe leid. Ich erklärte ich ihm, dass auch die Wespe ein Geschöpf Gottes sei und in der Natur eine Aufgabe habe. Und der jungen Frau sagte ich, dass die Wespen nicht die Absicht habe, sie zu stechen. Vielmehr sei sie ja offensichtlich intensiv bemüht, davonzufliegen.
Und überhaupt seien wir bei einem Bibelseminar, bei dem es ja auch um liebevolles Verhalten geht und damit auch um unsere Einstellung gegenüber anderen und der Natur.
Der junge Mann, immer noch in der Beschützerrolle, meinte, die Angst der jungen Frau sei mir gleichgültig und steigerte sich immer weiter in seine Tötungsabsicht hinein, um diese junge Frau endlich von ihrer Angst zu befreien. Schließlich war er kurz davor einfach zuzuschlagen, um disee unangenehme Situation zu beenden.
Meine Liebe und mein Verständnis für diese hilflose Wespe drängten mich, etwas zu tun. Große Wärme durchflutete mich und bevor er zuschlagen konnte folgte ich spontan einem inneren Impuls. Ich streckte meine Hand in Richtung der Wespe aus.
(Ich kannte mich selbst nicht. So etwas hatte ich vorher noch nie gemacht.)
Und jetzt geschah, zur Überraschung aller, das Unglaubliche und Unerklärliche. Die Wespe flog von der Glasscheibe weg und wie schutzsuchend auf meine Hand.
Das war angenehm und ich hatte überhaupt keine Angst.
Hatte sie die Bedrohung und die Spannung um sie herum wahrgenommen? Kam sie bewusst? Hatte sie Vertrauen zu mir? Waren es der Geruch oder die Wärme der Liebe, die sie anlockte?
Behutsam führte ich meine Hand und die Wespe von der Scheibe weg ins Licht der echten Sonne hinter uns und entließ sie freudig in die Freiheit. Dann dankte ich Gott für diese Lösung, unsere neue Erfahrung und das kleine Wunder, das eine gute Lehre für uns alle war.
„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh 8,12; L)

