Blind, Zauberer, Karikatur

 

 

Der blinde Fleck

 

Hallo Du,

der blinde Fleck ist eine Region auf der Netzhaut

im hinteren Auge, in der man nichts sieht. 

An dieser Stelle sind wir blind.

 

Immer wieder erkenne ich, dass andere etwas sehen,

was ich nicht sehe. Und wenn sie es mir dann erklären,

höre ich es zwar, aber ich sehe und verstehe es

trotzdem nicht.

In diesen Bereichen bin ich richtig blind.

Nun frage ich mich natürlich, wie das sein kann.

 

Sehen und hören wir nicht alle das Gleiche?

Wohl nicht.

Ich erkenne nur, was ich kenne.

Ich nehme überwiegend wahr,

was mich interessiert.

Und: Ich sehe besser, was andere betrifft

und verstehe leichter, was mich nicht in Frage stellt.

 

Ich stelle fest:

In Bereichen die mich persönlich betreffen bin

ich teilweise blind und das soll wahrscheinlich auch

so sein, denn das ist ja bei jedem so.

Vielleicht sind uns diese Bereiche zu vertraut und zu

selbstverständlich, um sie zu hinterfragen.

Vielleicht sind sie die Geheimnisse unserer komplexen

Persönlichkeit.

Vielleicht sind sie unser unbekanntes Wachstumspotential,

vielleicht unsere Schwachstelle, an der wir andere

brauchen und auf sie angewiesen sind.

 

Ich kann mir vorstellen, dass ich ziemlich gehemmt

und blockiert wäre,

wenn ich alles an mir und in mir ständig zu erkennen

suche und reflektieren würde.

Da ist es besser, blind zu sein und im Vertrauen auf das

Gute in uns zu Leben.

 

Wichtig ist zu wissen,

dass wir nicht vollkommen sind,

dass wir bei anderen und bei uns – etwas übersehen

dürfen und dass wir uns gegenseitig brauchen.

 

Zu wissen, dass ich (mindestens) eine mir unbekannte

Schwäche habe, macht mich stark.

Die Ansprüche an mich selbst und an andere sind nicht

so hoch und ich bin mir meiner Unvollständigkeit und

Hilfsbedürftigkeit gewiss.

 

Was Gott mir zeigen will, wird er mir zeigen;

in Situationen und durch meine Nächsten;

wenn die Zeit dafür gekommen ist.

 

Nun kann es sein, dass ich mit meinem Unbekannten

andere unbewusst verletze. Das ist schlimm, aber

leider nicht zu ändern. Weil ich es nicht merke,

kann ich nicht einmal um Entschuldigung bitten.

 

Da wir alle einen blinden Fleck haben, verletzen wir

alle unbewusst andere. Deshalb brauchen wir Humor

und gegenseitige Großzügigkeit und Vergebung.

Wir wachsen dadurch enger zusammen.

 

Zum Abschluss noch die wichtige Frage:

Sind wir verpflichtet, andere auf die Inhalte ihres 

blinden Flecks zu zeigen?

Ich denke ja,

aus Liebe und zur persönlichen Weiterentwicklung.

Wenn er allzu menschlich ist, dürfen wir wohlwollend

schmunzeln.

Wenn er das unbekannte Gute betrifft, dürfen wir

es durch Freude und Anerkennung stärken.

Wenn es etwas Verletzendes betrifft, sollten wir unsere

Betroffenheit offenlegen.

Vielleicht sind ja wir es, deren blinder Fleck die

persönliche Betroffenheit und Verletztheit hervorruft.

 

Der Herr antwortete:

Wer hat den Menschen die Sprache gegeben?

Wer macht die Menschen stumm oder taub?

Wer macht sie sehend oder blind?

Ich bin es, der Herr!  (2.Mo 4,11)

 

Wenn doch auch du heute erkannt hättest, was dir

Frieden bringt! Aber Gott hat dich  blind dafür gemacht. 

(Lk 19,42)

 

Und dann nehme ich mein blindes Volk, das keinen

Weg mehr sieht, an die Hand und führe es. Das

Dunkel, das vor mir liegt, mache ich hell und räume

alle Hindernisse beiseite. Das werde ich ganz sicher

tun und mich nicht davon abbringen lassen.  (Jes 42,16)

 

Einige Pharisäer, die in der Nähe standen, hörten das

und sagten: Soll das etwa heißen, dass wir auch blind

sind?«  (Joh 9,40)

 

Weh euch! Ihr wollt andere führen und seid selbst blind. 

(Mt 23,16)

 

Er ist blind, damit Gottes Macht an ihm sichtbar wird.  

(Joh 9,3)

 

Jesus sagte: Ich bin in diese Welt gekommen, damit die

Blinden sehend und die Sehenden blind werden. Darin

vollzieht sich das Gericht. (Joh 9,39)

 

Schreibe einen Kommentar