Das Gesetz des Herrn studieren

 

Hallo Du,

mit eigener Leistung habe ich es zwar weit gebracht,

doch dieses ‚weit‘ ist erstens relativ und zweitens

hat es mich weder glücklich gemacht, noch erfüllt.

 

Nach meiner Neuorientierung und Umkehr weiß ich,

dass nicht meine eigene Leistung wichtig und entscheidend ist,

– die dient nur dem Stolz und der Eitelkeit –

sondern meine persönliche Entscheidung, für Gott zu leben!

 

Am Anfang meiner Umkehr stand das persönliche, verzehrende

Chaos und damit verbunden, der unbedingte Wunsch,

schnellstmöglich da raus zu kommen.

Krankheit, Unruhe, Schlaflosigkeit und Unerfülltheit zeigten mir,

dass etwas nicht in Ordnung ist, eigentlich, dass alles

nicht mehr in Ordnung ist.

Durch viele, vom Ego und von Ehrgeiz geleitete Fehlentscheidungen

bin ich in einen Sumpf von üblen Ereignissen und lieblosen Menschen

geraten und das hat mich total überfordert.

Haltlos bin ich immer weiter in diesem Sumpf versunken.

 

Doch dann, am tiefsten Punkt, unter größten Schmerzen,

suchte ich Gott und hoffte auf seine Hilfe.

In meiner Verzweiflung betete ich und bat ihn um Beistand

und Führung. Und wider Erwarten haben sich sehr schnell

unangenehme Dinge gewendet, auf die ich selbst keinen

Einfluss hatte.

Für mich war das auch damals schon kein Zufall, sondern eine

unbegreifliche, unglaubliche und unverdiente Erhörung von

flehenden und aufrechten Gebeten eines Versinkenden.

 

Wenn mir Fehlgeleitetem, dieser barmherzige, mir damals noch

weitgehend unbekannte Gott in meiner Not beisteht,

dann möchte ich gerne mehr von ihm und seiner Größe erfahren.

 

Magisch hatten mich als erstes die 10 Gebote angezogen

und sehr schnell stellte ich fest,

dass ich gleich mehrere nicht beachtet und eingehalten hatte.

Ja, da fängt es an.

Wenn ich mir meine eigenen Gebote mache, darf ich mich nicht

wundern, dass ich ständig um etwas oder gegen jemanden kämpfe

und dabei unerfüllt, unzufrieden und verbittert werde und bin.

 

Nach und nach wurde mir die große Weisheit dieser 10 Gebote

am eigenen Leib deutlich. Und gleichzeitig wuchs auch mein

Interesse an diesem weisen, liebevollen Gott.

 

Nach anfänglichen Leseschwierigkeiten in einer sehr alten und

für mich unverständlichen Bibel, fand ich schließlich zu einer

verständlicheren Fassung.

Deren Inhalt vergrößerte meine Hoffnung und brachte mich

Gottes Wort und Absicht näher.

Ich hatte einen Heißhunger auf diese neuen Erkenntnisse

und seine Offenbarungen.

Ich lernte viel über mein altes Leben und gleichzeitig erfuhr

ich immer mehr  über Jesus, und von ihm über Gott.

 

Ich studierte das Wort des Herrn.

Ich kaute daran. Ich suchte und fand.

Ich setzte mich damit intensiv auseinander.

Im langsamen und aufmerksamen lesen zog ich

mein Netz durch die biblischen Bücher und Verse,

solange, bis mich etwas ansprach,

bis ein Fisch in meinem Netz zappelte.

 

Dann hatte ich wieder etwas zu kauen:

Was bedeutet das Gefundene für mich?

Gibt es andere, erklärende Bibelstellen dazu?

Was sagt der Bibelkommentar?

 

Nach und nach fing ich immer mehr köstliche

und erkenntnisreiche Fische.

Sie entpuppten sich als hilfreiche Puzzleteile,

die sich allmählich zu größeren Bildteilen zusammenfügten.

Und je mehr ich von Jesus, von Gott und über die Bedeutung

von ihren Aussagen kennenlernte, desto besser verstand

ich die feinsinnige, biblische Bild- und Gleichnis-Sprache.

Durch die Verbindung mit meinen schlechten und guten

Erlebnissen, wurden die Bilder für mich lebendig und plastisch.

Durch meine Betroffenheit und dem starken Wunsch nach

Veränderung, wurden Gottes Gesetze und Gebote immer

mehr zu eigenen Leitlinien.

 

Doch, bei allem Studium habe ich bemerkt,

dass ich mir all die Gesetze und Gebote nicht merken kann.

Da ist es doch hilfreich, dass die 10 Gebote, die Gesetze

Gottes zusammenfassen. Sie sind sozusagen Gottes Wille

im Taschenformat, zum schnellen Nachlesen, zum leichtern

erinnern.

 

Und trotzdem, wenn ich in eine brenzlige Situation kam,

machte ich doch wieder Fehler. Die 10 Gebote sind mir

erst hinterher wieder eingefallen.

Das hat mich anfangs sehr gegrämt, doch nun weiß ich,

dass sie dadurch tiefer ins Gedächtnis eingebrannt wurden.

 

Und schließlich fand ich in Mt 22,37-40 eine mir begreifliche

und einigermaßen erinnerbare Kurzform von Gottes Gesetz,

nämlich das doppelte Liebesgebot von Jesus:

 

‚Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen,

mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand!

Dies ist das größte und wichtigste Gebot. Ein zweites ist

ebenso wichtig: Liebe deine Mitmenschen wie dich selbst!‹

Mit diesen beiden Geboten ist alles gesagt, was das Gesetz

und die Propheten fordern.‘

 

Diesen barmherzigen und gnädigen Gott, der mich

aus dem Sumpf meiner Verstrickungen herausgeführt,

der mir ein neues Wertesystem gegeben und

der mir eine neue Lebenschance geschenkt hatte,

diesen Gott konnte ich nur noch mit allem lieben.

 

Auch die Aufforderung, meinen Nächsten zu lieben, den,

der gerade in meiner Nähe ist, wurde mir dann verständlich,

auch wenn es da noch viel zu lernen und zu üben gab

und immer noch gibt.

Aber mich selbst zu lieben, das blieb mir unverständlich.

Hatte denn nicht gerade mein Ego mich in all die

Schwierigkeiten geführt?

 

Was verstehe ich darunter, ‚mich‘ zu lieben?

Heißt das:

Sich Wünsche erfüllen, sich belohnen,  es sich gut

gehen lassen und seinen eigenen Zielen nachgehen

oder sind die Gefühlswallungen Liebesgeflüster

und Schmetterlinge im Bauch oder bedeutet das,

Spaß, Lust und Lustbefriedigung?

 

Ungläubig habe ich 1.Kor 13 immer wieder gelesen,

was da über die wahre Liebe geschrieben wird.

 

Nicht neidisch, überheblich, stolz oder anstößig zu sein,

zu sich und anderen geduldig und freundlich zu sein,

zu sich und anderen ehrlich zu sein

und sich nicht reizen zu lassen,

anderen und sich selbst nichts nachzutragen,

immer treu, besonnen und beherrscht zu bleiben,

Alles zu ertragen, zu glauben, zu hoffen und zu dulden

und bei allem selbstlos zu sein.

 

Das ist Liebe?

Ich hatte darunter etwas ganz anderes verstanden!

Wie kann man so sein?  – Wie, so werden?

Das ist doch unmöglich.

 

Man kann es nur mit Gottes Hilfe, man kann es lernen.

Man muss es nach und nach einüben.

 

Mit der richtigen Grundeinstellung,

auf der Basis der Gebote Gottes

und mit dem Verinnerlichen von Gottes Wort,

wird man es,

besonders wenn man weiß,

dass man nichts zu verliert hat,

und alles gewinnen kann.

 

Man ist es,

wenn man seine Sinnerfüllung allein in Gott gefunden hat,

wenn man Gott und Jesus kennengelernt hat,

wenn man davon überzeugt wurde, dass sie durch

und durch Liebe sind.

 

Gott ist Liebe. Er liebt immer und in allem.

Er kann nicht anders, als zu lieben.

Und seine Liebe hat er in uns gelegt,

damit sie in uns wachse und gedeihe.

Trotz aller Rückschläge,

er zeigt und gibt sie uns immer wieder.

 

Das bisher Gesagte könnte man als theoretische

und abstrakte Worte und Hinweise bewerten,

als Kopfgymnastik ohne konkrete Auswirkungen,

aber nur dann, wenn man diese Liebe nie selbst erfahren hat.

 

Ja, das Einhalten von Gottes Geboten beginnt im Kopf.

Man muss deren Sinn erkennen und für richtig halten

und dann im Leben, in der Praxis einhalten.

Und das ist l schwerer und gelingt nur nach und nach.

Es gelingt besser,

wenn man selbst unter Sünden gelitten hat,

wenn man selbst erfahren hat,

was Sünde oder Gehorsam bewirken,

und wie sich Unruhe und Unfrieden in uns auswirken

und wie sehr Ehrlichkeit, Dankbarkeit

und ein reines Gewissen erleichtern.

 

 

Liebe wird für mich konkret, wenn ich sie bekomme,

annehme und genieße, aber auch, wenn ich sie anderen gebe.

Beides ermutigt und stärkt, beides bestätigt und baut auf,

beides findet immer wieder neue Möglichkeiten und hilft

erfolgreich weiter.

 

Und dann, wenn ich an mir selbst erlebt habe,

was mir gefällt und guttut

bzw., was mich belastet oder verletzt,

erst dann wird Liebe verständlich

und erst dann werde ich bereit,

sie zum eigenen Maßstab zu machen.

 

‚Was du nicht willst, das man dir tut,

das füge auch keinem anderen zu!‘

 

Damit fängt es an.

 

Glücklich zu preisen ist, wer Verlangen hat

nach dem Gesetz des HERRN und darüber

nachdenkt Tag und Nacht. (Ps 1,2)

 

Esra widmete sich von ganzem Herzen

der Aufgabe, das Gesetz des HERRN zu

erforschen, es zu befolgen. (Esr 7,10)

 

‚Das Gesetz des Herrn erforschen‘, bedeutet,

es kennenzulernen, mich damit auseinander

zu setzen, es für gut zu heißen,

es zu erproben, einzuüben und anzuwenden.

 

Das führt dazu, dass Gottes Geist und seine Liebe

in uns übergehen.

Dann wird der Geist Gottes in uns Frucht bringen.

 

Die Frucht hingegen, die der Geist Gottes hervorbringt,

besteht in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit,

Güte, Treue, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung.

(Gal 5,22)

 

Meine Erfahrung ist:

Das Gesetz des Herrn intensiv zu studieren

und zu verinnerlichen, bringt Heil, Heilung, und Segen.

Es richtet uns neu aus und gibt uns Sinn und Erfüllung.

Es macht uns erst lebens- und liebesfähig.

 

Ehrlich gesagt:

Im Bemühen, Gott zu erkennen und zu verstehen,

ringen wir um Weiterentwicklung, doch allein Gott

lässt sie geschehen.

 

Wozu?

Die Gesetze und Gebote Gottes sind liebevolle Wegweiser,

die uns den Weg zu Gott und zu unserer Erfüllung zeigen.

 

Lassen wir uns von ihnen leiten!

 

„Hört, eine Stimme ruft in der Wüste:

›Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet seine Pfade!‹

Jedes Tal soll aufgefüllt und jeder Berg und jeder Hügel

abgetragen werden. Krumme Wege müssen begradigt

und holprige eben gemacht werden. Und die ganze Welt

soll das Heil sehen, das von Gott kommt.“

(Jesaja 40,4-6)

 

 

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