Ansprüche führen ins Verderben

 

Hütet euch vor den Eingebildeten! Sie gehen mit Vorliebe

in vornehmen Gewändern einher und haben es gern,

wenn man sie auf der Straße ehrfurchtsvoll grüßt.

In Versammlungen nehmen sie die vordersten Sitze für

sich in Anspruch und bei Festessen die Ehrenplätze.

(Lk 20,46; moderne Übersetzung)

 

 

Hallo Du,

 

um deine kostbare Zeit nicht unnötig in Anspruch zu

nehmen, will ich möglichst rasch zur Sache kommen und bitte

dich, mir für einen kurzen Augenblick deine wohlwollende

Aufmerksamkeit zu schenken.

 

Es geht heute um Ansprüche, darum, etwas zu wollen,

etwas oder jemanden für sich in Anspruch zu nehmen,

damit es dem Wollenden dient.

 

In 1.Mo 3,2-6 heißt es:

Da sprach die Frau zu der Schlange: Wir essen von den

Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten

des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt:

Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht

sterbet! Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet

keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß:

an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen

aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen,

was gut und böse ist. Und die Frau sah, dass von dem

Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die

Augen wäre und verlockend, weil er klug machte.

 

Eva hatte den Anspruch, zu sein wie Gott.

Dafür verstieß sie gegen ein ausdrückliches Verbot Gottes,

was ihr und dazu auch noch dem mitmachenden Adam die

Vertreibung aus der Nähe Gottes einbrachte.

 

Ansprüche sind Anforderungen bzw. Forderungen, etwas

zu haben, zu sein oder zu werden.

Wer Anspruch auf etwas erhebt, beansprucht es, verlangt es,

fordert es, will es haben und darüber verfügen.

Anspruchsvolle Menschen sind stark selbstbezogen,

hochtrabend und überheblich, oft auch dreist und

unverschämt. Wer hohe Ansprüche an sich und andere

hat, überfordert.

 

Ein anspruchsloser Mensch, einfach, bescheiden und

genügsam, wird oft als karg, schlicht, niveaulos oder

deppert angesehen. Er passt nicht in die heutige Zeit.

 

Nun glauben viele, jegliche Ansprüche und Erwartungen

seien normal und berechtigt, ja sie stünden ihnen gar zu.

Sie meinen, wer nichts beanspruche und einfordere, der

gehe leer aus. Ihnen sei gesagt: Ansprüche zeigen das Maß

und die Einstellung, mit denen man sich und seine

Wünsche vorrangig sieht und an dem man alles andere

misst. Sie sind Ausdruck von Selbstbezug und Egozentrik.

 

Die, die so denken, fordern für sich das Recht auf lückenlose

Versorgung, das Recht auf umfassendes Glück, das Recht

auf grenzenlose Selbstverwirklichung, Vorrechte auf

Ansehen, Gewinn und Besitz, auf bessere Kleidung und

Nahrung, für ihre persönlichen Interessen.

Wohin führt das? Wenn jeder das bekäme, was er will,

müssten in diesem Kampf viele nachgeben, verzichten

oder sterben.

 

Gehen wir vielleicht gerade so mit Menschen, Tieren und

Pflanzen, mit der Schöpfung um?

Betrachten wir alles aus unserer egozentrisch getrübten Sicht?

Kennen wir keine Achtung mehr vor den Geschöpfen und

der Schöpfung, keinen Dank mehr für die Geschenke des

Schöpfers an alle?

 

Richtig ist, dass wir lebensnotwendige Bedürfnisse haben,

die gestillt werden müssen, damit wir gesund und bei

Kräften bleiben. Wir brauchen Liebe und Freude, Nahrung

und Getränk, Schlaf und Bewegung, Arbeit und Träume,

Gemeinschaft mit Reden, Singen, Spielen und Schutz.

Der Unterschied zu Ansprüchen ist, das Bedürfnisse gestillt

werden können (wer gegessen hat, ist satt), Ansprüche

jedoch nicht.

Ansprüche werden grenzenlos. Sie wachsen bei Kindern

und Erwachsenen in dem Maß, wie sie erfüllt werden.

Sie werden gezüchtet. Und werden sie nicht mehr erfüllt,

dann entstehen Unzufriedenheit, Verbitterung,

Aggression und Hass oder auch Rückzug, besonders,

wenn die Ansprüche zur Steigerung des Selbstwertes

benötigt werden.

 

Ansprüche haben auch die fatalen Eigenschaften, dass sie

nicht warten können und nicht verzichten wollen.

Sie sind wie der Schrei eines unmündigen Kleinkindes,

das gefüttert werden will.

Sie sind ein Beweis für Abhängigkeit und Bequemlichkeit.

Sie sind ein Schrei nach Halt und Geborgenheit, nach

Führung und Sicherheit, ein Schrei nach Gott.

Der widersprüchliche, anspruchsvolle, selbstbezogene

und überhebliche Mensch schreit gequält nach Gott und

weiß es nicht.

 

Wie kann er seiner Sucht entfliehen? Aus eigener Kraft

gar nicht! Das gelingt nur mit Unterstützung Gottes, der

Selbstbeschränkung und Verzicht ermöglicht und sei es

erst auf dem selbst zu verantwortenden Weg ins Verderben.

 

Wenn ihr euer Leben von eurer eigenen Natur bestimmen

lasst, müsst ihr sterben. Wenn ihr euch jedoch von Gottes

Geist bestimmen lasst und dadurch die alten Verhaltens-

weisen tötet, werdet ihr leben. (Röm 8,13)

 

Die Frucht hingegen, die der Geist Gottes hervorbringt,

besteht in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit,

Güte, Treue, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung.

Gegen solches ´Verhalten` hat kein Gesetz etwas einzu-

wenden. Nun, wer zu Jesus Christus gehört, hat seine

eigene Natur mit ihren Leidenschaften und Begierden

gekreuzigt. Da wir also durch ´Gottes` Geist ein

´neues` Leben haben, wollen wir uns jetzt auch auf

Schritt und Tritt von diesem Geist bestimmen lassen.

Wir wollen nicht überheblich auftreten, einander nicht

provozieren und nicht neidisch aufeinander sein!

(Gal 5,22-26)

 

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