Wer oder was ist ein Feind der Demokratie?
Hallo Du,
wer oder was ist der schlimmste Feind der Demokratie?
Ist es die Gleichgültigkeit gegenüber dem Gemeinwesen?
Ist es die enttäuschte und unzufriedene Abwendung von Nichtwählern?
Ist es das hohe Anspruchsdenken gegenüber dem Staat?
Ist es die überstarke Ich-Bezogenheit in der Bevölkerung?
Ist es das der zu große Einfluss von Interessengruppen und Lobbyisten,
die nur ihren eigenen Vorteil und Gewinn sehen?
Oder, ist es vielleicht die Unzufriedenheit mit Politikern, ihrem Gezerre und ihr Machtstreben, ihr schlechtes Vorbild, ihr abfälliger Umgangston und ihre prahlerische Rechthaberei, ihr Freund-Feinddenken? Sind es ihre gegenseitigen Abwertungen und Schuldzuweisungen, ihr Streben nach Geltung, Einfluss, Macht und persönlichem Gewinn oder ihr Drängen nach Profilierung, Anerkennung und Bekanntheit, um wiedergewählt zu werden?
Sind Politiker denn nicht die Stellvertreter für alle Staatsbürger und damit Handlungsbeauftragte für das Gemeinwohl aller?
Bei aller Unterschiedlichkeit von Parteiprogrammen: Sollten nicht alle das Gleiche wollen und Zusammenarbeiten zum Wohle des gesamten Volkes?
Bei aller Unterschiedlichkeit von Werten, Weltanschauungen und Parteiprogrammen geht es doch letztlich um Zusammenarbeit, Kompromissbereitschaft und um kluge Entscheidungen und Gesetze, die das Volk, die Menschen in eine sichere und gute Zukunft führen.
Es sind nicht Parteiprogramme oder Weltanschauungen, die Menschen weiterbringen, sondern gute und faire Kompromisse!
Kürzlich wurden in Bayern und in Hessen die Landtage gewählt. Es war peinlich, wie manche Politiker sich respektlos und persönlich abwertend gegenüber Kollegen und Mitkonkurrenten äußerten und versuchten, sie trickreich Abzuwerten. Sie scheuten auch nicht davor zurück, etwas zu erfinden oder hochzuspielen, was im Grunde aber Lappalien waren. Das war und ist weit unter der Gürtellinie. Leider gibt es Menschen, denen so etwas hinter der schwarz-weiß Parteibrille gefällt.
Ist den Politikern denn jeglicher Anstand abhandengekommen?
Geht es in einer Demokratie um die Politiker oder um das Volk?
Was ist eigentlich eine echte Demokratie?
Sie ist definiert als eine Volksherrschaft; als ein politisches Prinzip, nach dem das Volk durch freie Wahlen an der Machtausübung und der Gesetzbildung im Staat teilhat. Dazu gehören auch die freie und gleichberechtigte Willensbildung und eine Mitbestimmung in unter- oder überstaatlichen Gruppen oder Organisationen durch deren Angehörige.
Haben wir eine echte Volks-Demokratie?
Oder haben wir vielleicht eine Interessen-Demokratie oder eine Wirtschafts-Demokratie oder eine untergehöhlte Demokratie von Politiker- oder Parteiabsichten, die das Volk, ihre Auftraggeber, gerne vergessen?
Inwieweit vertreten politische Abgeordnete ihre eigenen Interessen? Inwieweit vertreten Abgeordnete und die Parteien die Interessen von Industrie und Wirtschaft, von denen, die die Parteikassen mit erheblichen Spenden und Politiker mit guten Nebeneinkünften bedienen.
Es gibt einen Unterschied zwischen ‚Dienen‘ und ‚Sich andienen‘! Wer dient, der tut das selbstlos, von Herzen, verantwortlich und aus Liebe zum Nächsten, nicht aber, um sich dabei in irgendeiner Form zu bereichern. Wer sich aber andient, der möchte an anderen verdienen, der sucht seinen eigenen Vorteil.
Wer oder was ist der Feind der Demokratie?
Es könnte der individuelle Egoismus sein, die übergroße Selbstbezogenheit, das Streben nach dem eigenen Vorteil und individueller Handlungsfreiheit der Menschen.
Der Volksmund sagt: ‚Viele Köche verderben den Brei!‘ und meint damit, dass in einer Küche die Köche arbeitsteilig und abgestimmt zusammenarbeiten sollten, um das beste Koch- und Serviceergebnis zu erreichen. Ein Gegeneinander verdirbt nicht nur das Arbeitsklima, sondern auch das Geschmackserlebnis.
Individueller Egoismus, gepaart mit Engstirnigkeit und Uneinigkeit fördert auch den Verfall der Kultur, also der gemeinschaftlich erreichten geistigen, künstlerischen und moralischen Werte und der liebevollen Mitmenschlichkeit. Wenn jeder und jede nur an sich selbst denken, an ihr eigenes Wohl, an den eigenen Vorteil und die eigene Freiheit und Selbstverwirklichung, dann gibt es kein Miteinander und auch keinen gegenseitigen Respekt und keine gegenseitige Unterstützung mehr.
Gier, Neid, Eifersucht und Hochmut bestimmen dann das Denken, Wollen und Handeln. Jede/r denkt dann nur noch an sich, will im Mittelpunkt stehen, will Bestimmer/in sein und erwartet, dass die Anderen ihren Interessen dienen.
Unsere Kinder werden dann von Individualisten als Individualisten erzogen, damit sie sich später im Leben behaupten. Ihnen wird eingeimpft, dass nur eigenes Wissen und Können und Behaupten zum Erfolg führen.
Schon in den Schulen werden nur die individuellen Fachleistungen benotet und sorgt das System der Leistungsgesellschaft für ‚Gewinner‘ und ‚Verlierer‘. Dabei wird jedoch verkannt, dass individuelle Spitzenleistungen immer auch auf Vorleistungen von anderen aufbauen und damit immer eine Gruppenleistung ist.
Schon lange ist bekannt, dass der Intelligenzquotient (IQ), keine verlässliche Aussage zu einem späteren Berufserfolg macht, sondern dass es die soziale Intelligenz ist, die über den späteren Lebenserfolg entscheidet und damit das Berufsleben einschließt. Nicht Gerangel, Wettbewerb und Streiten führen zu Erfolg, sondern das respektvolle miteinander Ringen um ein optimales Ergebnis, das allen dient und von sehr Vielen mitgetragen wird.
O tempora, o mores! (lateinisch für „O [was für] Zeiten, o [was für] Sitten!“) ist eine lateinische Redensart, die auch heute noch den Wandel der Zeiten und Verfall der Sitten beklagen soll.
Jesus wusste, was sie dachten, und sagte zu ihnen: »Jedes Reich, das mit sich selbst im Streit liegt, geht zugrunde, und keine Stadt oder Familie], in der man miteinander im Streit liegt, wird bestehen bleiben. Wenn nun der Satan den Satan austreibt, liegt er mit sich selbst im Streit. Wie kann sein Reich da bestehen? (Mt 12, 25-26; NGÜ)
