Nicht, ohne mich zu fragen!

 

Hallo Du,

alle Menschen sollten sich dadurch

auszeichnen, dass sie sich verantwortlich

und unabhängig verhalten.

Verantwortlich für ihr eigenes

Fühlen, Denken, Sagen und Handeln

und genauso dafür, was sie mit

ihrem Verhalten bei anderen auslösen.

Das gibt ihnen Charakter und Würde

und dadurch werden sie ihrem

eigenen Wesen und Sein gerecht.

Unser Bestreben sollte es also sein,

dies zu ermöglichen und zu beachten.

 

Kinder sollten es bei ihren Eltern sehen,

Jugendliche von ihren Lehrern lernen

und bei ihren Freunden anwenden,

Erwachsene sollten es gegenseitig

berücksichtigen, besonders dem

Partner oder der Partnerin gegenüber,

besonders auch gegenüber Jüngeren,

und Alte

sollten es immer noch sein dürfen –

verantwortlich für sich selbst.

 

Wie leichtfertig oder unüberlegt gehen wir

mit dem Selbstbestimmungsrecht von

anderen um, ganz besonders von denen,

die uns nahe stehen oder vertraut sind?

 

Gerade weil wir deren Schwächen kennen,

sind wir geneigt,

diese ungefragt auszugleichen,

wir mischen uns ein und drängen uns auf,

wir überheben uns über sie,

veranlassen und tun für sie etwas,

ohne vorher zu fragen, ob das auch

erwünscht ist.

 

Wir gehen davon aus,

dass unsere Sicht richtig und vernünftig ist

und dass endlich etwas

getan werden muss.

Und da der andere das offensichtlich

nicht kann, übernehmen wir es liebend

gerne für ihn,

ungefragt, in bester Absicht,

doch damit wird der andere bevormundet,

entmündigt und entwürdigt.

 

Was Du nicht willst, das man Dir tut

das füg’ auch keinem anderen zu,

auch dann nicht,

wenn Du nur sein Bestes willst,

denn was für jemanden das Beste ist,

kann nur jeder für sich selbst bestimmen!

 

Wer immer nur gesagt bekommt,

was er tun und lassen soll

und wie er etwas tun muss,

der wird bevormundet,

abgewertet und klein gehalten,

der wird übergangen,

über den wird bestimmt;

der kann nicht selbständig werden,

der kann nicht verantwortlich werden,

der will nicht dafür verantwortlich sein,

wozu andere ihn drängen und nötigen.

 

Jeder Mensch möchte sich selbst frei

für oder gegen etwas entscheiden

und mit dieser Entscheidung steht er

dann auch dazu, damit verpflichtet er

sich und wird verantwortlich dafür.

Nur seine eigene Entscheidung bestimmt

ihn, bindet ihn und richtet sein Verhalten

dauerhaft aus.

 

Magst Du …?

Möchtest Du …?

Hast Du Lust zu …?

 

Drei einfache Fragenformen,

die entscheidend sind,

die darüber entscheiden,

ob ich den anderen

ernst nehme und respektiere,

ob ich ihn wirklich

beachte, achte und liebe.

 

Wie habe ich einst in einem

Gedicht geschrieben?

 

Die Mutter tut’s,

Der Vater sagt’s,

Der Onkel und die Tante;

 

Schau hier, schau da,

Mach dies, mach das,

Umsorgen mich Verwandte!

 

Sie hegen mich,

Sie pflegen mich,

Und alles ohne fragen;

Selbst den Verstand,

Den brauch ich nicht,

Darf nicht einmal was sagen.

 

Doch irgendwann erwache ich,

und denke an mein Leben,

Werd’ unbequem und wehre mich,

Ich hab’ ein eig’nes Streben.

 

Sag Du mir nicht,

Mach dies, mach das, –

Nicht ohne mich zu fragen.

 

Ich weiß es nun,

Ich kann es jetzt,

Ich will es Dir laut sagen:

 

Ich will!

 

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