Warum habt ihr Angst?
Hallo Du,
es ist erstaunlich und doch normal,
dass wir Angst vor der Wahrheit haben.
Weshalb?
Weil wir in einem selbst gemalten Bild
von Wirklichkeit leben,
in einer Scheinwirklichkeit, in der wir
im Mittelpunkt stehen und andere
uns umgeben,
in der andere nur für uns da sind
und uns zu dienen haben.
Der intensive, oft unbewusste Wunsch
nach Geltung, Anerkennung und Vorteil
treibt uns dazu an.
Wir gestalten unser Leben selbst,
machen, was wir für gewinnbringend,
gut und richtig halten,
bestimmen unsere Lebensinhalte
und Lebensausrichtung,
legen uns ein uns genehmes Outfit
und ein beeindruckendes Image zu
und bestärken es immerfort darin.
Wir betonen den Individualisten in uns
und wundern uns,
dass wir im Kontakt mit anderen
Meinungsverschiedenheiten haben,
dass es leicht zu
Missverständnissen kommt,
dass sie uns nicht verstehen
oder verstehen wollen,
dass sie nicht annehmen,
was wir für gut und richtig halten,
was wir wollen.
Wir meiden die Auseinandersetzung
mit uns selbst, denn wir könnten dabei
eine Persönlichkeit in uns entdecken,
die uns erschreckt und nicht gefällt.
Wir könnten in uns abstoßende
Wesenszüge erkennen,
die wir bisher nur bei anderen
gesehen und verurteilt haben.
Wir könnten erkennen,
dass wir selbstbezogen, stolz, eitel,
eingebildet und hochmütig sind
oder dass wir uns selbstbezogen ablehnen,
übertrieben selbstkritisch sind
und eine schlechte, lieblose Einstellung
zu uns selbst haben.
Wir könnten erkennen,
dass wir uns selbst etwas
vorgemacht haben,
dass wir schönenden und beschönigenden
Selbstlügen aufgesessen sind,
dass wir blind und wirklichkeitsfremd sind,
dass wir im Grunde arm, ohnmächtig
und unbedeutend sind.
Die Angst schützt uns vor Enttäuschung,
vor der Aufdeckung der Selbsttäuschung,
vor der objektiven Realität und Wahrheit,
vor unserer Lebenswahrheit.
Die Angst verhindert Erkenntnis über uns
und hält uns in verblendeter Einbildung.
Aber,
der Realitätsverlust wird immer größer,
die Schwierigkeiten mit anderen wachsen
und die eigenen Ängste
werden immer größer.
Das Leben gerät langsam aus den Fugen,
die Gesundheit lässt nach,
Schlafstörungen stellen sich ein
und die Scheinwirklichkeit zerbricht.
Hilflos rennen wir zum Arzt
oder zum Psychologen,
in der Hoffnung, unsere eigene,
enge Welt retten zu können.
Doch der Zerbruch schreitet fort.
Alle Bemühungen helfen nicht.
Nur indem wir die Angst
vor der Wahrheit verlieren,
sie durchbrechen
und gegen uns und andere
aufrichtig werden,
nur indem uns unsere traurige Wahrheit
bewusst wird und wir erkennen,
dass wir alleine
und ziemlich eingebildet sind,
dass wir nicht der Mittelpunkt
der Welt sind,
beginnen wir uns zu verändern
und zu genesen.
Angst lebt von Unaufrichtigkeit,
vom Verheimlichen und Verstecken.
Sie weicht, wenn wir uns öffnen,
wenn wir unsere Ohnmacht und
Selbstbezogenheit erkennen,
andere nicht abtun, sondern sie
als gleichwertig achten,
Gott anerkennen und vertrauen
und ganz auf seine Liebe und
wohlwollende Führung
für uns persönlich bauen.
Angst weicht mit
zunehmender Lebensfreude.
Angst vergeht,
wo wir nicht mehr selber machen
oder glauben, selbst machen zu müssen,
wo wir die weitsichtige und gerechte
Weisheit Gottes für uns erkennen
und seinen Plan für uns akzeptieren,
aufbauend auf dem,
was wir wirklich sind
und was wir in uns haben,
nämlich:
gottgegebene Fähigkeiten und Talente,
ein gutes Wesen
sowie einen von Gott
vorbestimmten Lebenssinn.
Angst löst sich auf,
wo wir uns nicht mehr von
Äußerlichkeiten beunruhigen lassen,
wo wir uns von materiellen Dingen
trennen können,
wo wir reinen Herzens sind und
nicht mehr im inneren Zwiespalt leben
und deshalb Kraft haben, alle unsere
Aufgaben gut zu bewältigen,
wo wir das Wirken Gottes an uns,
durch Jesus Christus, annehmen.
Jesus kennt die Antwort:
Warum habt ihr Angst?
Habt doch mehr Vertrauen zu mir!
(Mt 8,26)
Gebt nur Gott und seiner Sache den
ersten Platz in eurem Leben, so wird er
euch auch alles geben, was ihr nötig habt.
Deshalb habt keine Angst vor der Zukunft!
Es ist doch genug, wenn jeder Tag seine
eigenen Lasten hat. Gott wird auch
morgen für euch sorgen. (Mt 6,33 f)
