Ich bin ein Wanderer
Ich bin ein Wanderer.
Ich wandere durchs Leben.
Ich bewege mich, um vorwärts zu kommen.
Ich werde durch das Leben bewegt.
Es bewegt mich, wenn ich Freude sehe
und ich freue mich gerne mit.
Es bewegt mich, wenn ich Leid erkenne,
dann fühle ich mit und bin ergriffen.
Es bewegt mich, wenn Menschen trauern.
Ihr Verlust und ihr Trennungsschmerz
berühren mich.
Beim Wandern spüre ich.
Ich spüre mich.
Ich spüre meinen Atem,
meinen Puls,
meine Kraft,
meine Muskeln,
meinen Hunger,
meine Müdigkeit,
mein Erleben.
Ich erlebe Höhen und Tiefen,
freuen und leiden, lachen und weinen.
Mein Lebensweg geht auf und ab.
Meine Seele wird hin und her gerissen.
Mein Herz hofft und bangt.
Beim Wandern schaue ich.
Ich sehe blühende Blumen,
wogende Weizenfelder,
sprudelnde Bäche,
schattige Wälder,
ziehende Wolken,
einen wunderschönen Regenbogen und,
ich sehe Menschen bei ihrem Tun.
Beim Wandern höre ich.
Ich höre meine Schritte,
das Zwitschern der Vögel,
das Plätschern des Regens,
das Säuseln des Windes,
das Rauschen der Blätter,
den Rhythmus meines Herzens.
Beim Wandern empfinde ich.
Was ich aufnehme berührt mich.
Ich empfinde
Freude über diese wunderschöne Schöpfung,
Freude über diese Lebenskraft,
Freude mit den anderen,
Freude über meine innere Ruhe
und Ausgeglichenheit.
Ich empfinde Lust,
Lust zu leben,
Lust zu wagen,
Lust zu sein.
Ich empfinde auch Schmerz,
Schmerz über Aggression und Zerstörung,
Schmerz über Unachtsamkeit und Gleichgültigkeit.
Ich empfinde auch Trauer,
Trauer über die Schmerzen der Schöpfung,
Trauer über die Lieblosigkeit
Trauer über die Vergänglichkeit.
Im Empfinden finde ich.
Ich empfinde mich.
Ich finde meinen Weg,
Ich finde zu mir.
Ich empfinde mit anderen.
Dabei finde ich das Gute in ihnen.
Dabei finde ich Gott in ihnen.
Dabei finde ich Gott.
Dabei finde ich auch mich.
Vor allem empfinde ich Dankbarkeit.
Dankbarkeit dafür,
zu leben,
zu erleben,
beschützt zu sein,
geführt zu sein,
geliebt zu sein,
gesegnet zu sein.
Fähig zu sein,
zu gehen und zu sehen,
zu empfinden und zu überwinden;
mich zu überwinden
Fähig zu sein,
teilzunehmen, zu erkennen, zu verstehen;
Fähig zu sein
zu lieben, Liebe weiterzugeben.
Großer Gott, wie schön ist deine Schöpfung.
Beim Wandern bin ich offen und weit.
Beim Wandern bist du mir Nahe.
Beim Wandern bin ich in dir geborgen.
Du weidest mich auf grünen Wiesen
und führst mich zu frischem Wasser.
Du erquickst meine Seele
und hältst mich auf dem rechten Weg
um deines Namens willen.
Amen.

