Und die Moral ist – traue der eigenen Moral nicht !

 

Hallo Du,

ich kannte mal einen Pfarrer, der hat sich immer wieder aufgeregt, wenn jemand von Moral sprach. Leider hat er nie erklärt, weshalb er sich aufregte. Er muss aber gute Gründe dafür haben!

 

Heute Morgen, in meiner stillen Zeit, habe ich von ethischen biblischen Grundsätzen gelesen. Das hat mich wieder an diesen Pfarrer erinnert und auch an meine eigene ‚Wissenslücke‘, die Ethik und Moral als identisch sahen. Deswegen möchte ich dem heute nachspüren, auch um die Aufregung des Pfarrers für mich zu klären.

 

Zunächst befrage ich das DWDS-Wortlexikon und erhalte für den Begriff ‚Moral‘ folgende drei Wortbedeutungen:

 

1. Gesamtheit der sich auf das menschliche Zusammenleben beziehenden ethischen und sittlichen Normen, Werte, Einstellungen und Verhaltensweisen, die innerhalb einer Gesellschaft für den jeweiligen Zeitraum als allgemein verbindlich angenommen werden bzw. die eine einzelne Person oder Gruppe in ihrem Handeln und Urteilen leitenden ethischen, sittlichen Wertvorstellungen.

 

2. Nützliche Lehre oder Maxime für das eigene Handeln bzw. Verhalten, die sich aus einer fiktiven Erzählung oder einer realen Begebenheit ableiten lässt. (Und die Moral von der Geschichte ist: …)

 

3. Bestimmte Tugenden wie Zuversicht, Motivation, Hingabe, Disziplin o. Ä., die eine Person oder Gruppe dazu befähigen, für etwas zu kämpfen bzw. schweren Belastungen und negativen Einflüssen zu widerstehen.

 

Den 1. Punkt empfinde ich als zu umfassend und als wenig hilfreich. Hier sind (wie in meinem Kopf) Moral, Ethik und Sitte unklar miteinander verbunden. Ich muss also weiterforschen!

 

Also befrage ich Nikodemus*, den theologischen Chatbot auf www.bibleserver.com:

 

Was ist der Unterschied zwischen ethischen und moralischen Grundsätzen und sind beide in der Bibel zu finden?

 

 

Nikodemus* antwortet: 

 

Das ist eine interessante Frage! Ethik und Moral sind eng miteinander verbunden, aber es gibt feine Unterschiede zwischen ihnen.

 

Ethik bezieht sich auf das Studium und die Reflexion über moralische Prinzipien. Sie fragt nach den Grundsätzen, die unser Handeln leiten sollen, und versucht, allgemeine Regeln für richtiges und falsches Verhalten zu formulieren. Ethik ist also eher theoretisch und systematisch.

 

Moral hingegen bezieht sich auf die konkreten Regeln und Normen, die in einer Gesellschaft oder Gemeinschaft gelten. Sie beschreibt, was als richtig oder falsch angesehen wird und ist oft kulturell geprägt.

 

In der Bibel finden wir sowohl ethische als auch moralische Grundsätze. Die Zehn Gebote (2. Mose 20,1-17) sind ein gutes Beispiel für moralische Regeln, die das Verhalten der Menschen leiten sollen. Sie geben klare Anweisungen, was als richtig und falsch angesehen wird.

 

Ethische Prinzipien finden wir in der Bibel oft in Form von Lehren und Gleichnissen, die uns zum Nachdenken anregen sollen. Ein Beispiel ist das Doppelgebot der Liebe, das Jesus in Matthäus 22,37-40 formuliert: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Verstand. Dies ist das größte und erste Gebot. Das zweite aber ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

 

Bei der Begriffsdefinierung von ‚Moral‘ heißt es: ‚Regeln und Normen, die in einer Gesellschaft oder Gemeinschaft gelten‘. Das heißt in Verbindung mit dem Punkt 1 bei DWDS so viel wie: Die Moral kann in unterschiedlichen Gesellschafen, Gemeinschaften, Gruppen oder sogar bei einzelnen Personen unterschiedlich sein! Das ist fatal. Damit ist ‚Moral‘ keine verlässliche und allgemeingültige Grundlage!

 

Deswegen befrage ich Nikodemus* weiter:

 

Bedeutet das, dass jeder Mensch letztlich eine eigene Moral hat?

 

 

Nikodemus* antwortet:

 

Das ist eine spannende Frage! In gewisser Weise kann man sagen, dass jeder Mensch seine eigene Moral entwickelt, da persönliche Erfahrungen, Erziehung und kulturelle Einflüsse eine Rolle spielen. Menschen interpretieren moralische Prinzipien oft unterschiedlich, basierend auf ihrem individuellen Kontext.

 

Allerdings bietet die Bibel eine feste Grundlage für moralische und ethische Prinzipien, die Christen als verbindlich ansehen. Diese Prinzipien sind nicht nur individuell, sondern sollen für alle Gläubigen gelten. Die Zehn Gebote oder das Doppelgebot der Liebe sind Beispiele für solche universellen moralischen Anweisungen.

 

In Römer 2,14-15 spricht Paulus davon, dass auch Menschen, die das Gesetz nicht kennen, durch ihr Gewissen eine Art moralisches Gesetz in sich tragen. Das zeigt, dass es eine grundlegende moralische Orientierung gibt, die über individuelle Vorlieben hinausgeht.

 

Die Herausforderung besteht darin, persönliche Moralvorstellungen mit den biblischen Prinzipien in Einklang zu bringen. Die Bibel ermutigt uns, unser Leben und unsere Entscheidungen an Gottes Wort auszurichten.

 

Ich stutze: Menschen tragen durch ihr Gewissen eine Art moralisches Gesetz in sich? Diese Formulierung von Paulus wirft eine neue Frage auf.

 

Ich frage ich Nikodemus*:

 

Was versteht die Bibel unter Gewissen?

 

Nikodemus* antwortet:

Das Gewissen wird in der Bibel als eine innere Stimme oder ein inneres Wissen beschrieben, das uns hilft, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. Es ist eine Art moralischer Kompass, den Gott in uns gelegt hat. In Römer 2,14-15 wird das Gewissen als etwas beschrieben, das auch Menschen, die das Gesetz Gottes nicht kennen, leitet: „Denn wenn Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch von Natur tun, was das Gesetz fordert, so sind sie, die das Gesetz nicht haben, sich selbst ein Gesetz. Sie beweisen damit, dass des Gesetzes Werk in ihre Herzen geschrieben ist, da ihr Gewissen ihnen mitzeugt.“

 

Das Gewissen kann uns also dabei helfen, Gottes Willen zu erkennen, selbst wenn wir seine Gebote nicht direkt kennen. Es ist ein Werkzeug, das Gott nutzt, um uns zu leiten und uns zu zeigen, was gut und richtig ist. Allerdings ist das Gewissen nicht unfehlbar. Es kann durch Sünde oder falsche Einflüsse getrübt werden. Deshalb ist es wichtig, unser Gewissen durch das Studium der Bibel und das Gebet zu schärfen und zu formen.

 

Paulus spricht auch davon, dass ein gutes Gewissen wichtig für den Glauben ist. In 1. Timotheus 1,19 ermahnt er: „Habe den Glauben und ein gutes Gewissen. Einige haben es von sich gestoßen und am Glauben Schiffbruch erlitten.“

 

Das heißt für mich:

 

Es soll etwas in uns geben, eine Art natürlicher Kompass, der uns anleitet und führt. Woher kommt der? Ich habe doch früher gelernt, dass unser Gewissen durch die Erziehung bzw. durch zwingende Gruppennormen gebildet wird.

 

Deswegen frage ich:

 

Welchen Einfluss hat die Erziehung auf das Gewissen?

 

 Nikodemus* antwortet:

 

 Die Erziehung hat einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung des Gewissens. Von klein auf lernen wir durch unsere Eltern, Lehrer und die Gemeinschaft, in der wir leben, was als richtig und falsch angesehen wird. Diese Werte und Normen prägen unser Gewissen und beeinflussen, wie wir moralische Entscheidungen treffen.

 

In der Bibel wird die Bedeutung der Erziehung und Anleitung betont. In Sprüche 22,6 heißt es: „Gewöhne einen Knaben an seinen Weg, so lässt er auch nicht davon, wenn er alt wird.“ Diese Erziehung legt den Grundstein für das, was wir als moralisch richtig oder falsch empfinden.

 

Allerdings ist das Gewissen nicht nur durch äußere Einflüsse geprägt. Es gibt auch eine innere Dimension, die von Gott gegeben ist. Wie in Römer 2,14-15 beschrieben, haben auch Menschen, die das Gesetz Gottes nicht kennen, ein Gewissen, das ihnen hilft, moralische Entscheidungen zu treffen.

 

Es ist wichtig, dass die Erziehung nicht nur auf menschlichen Traditionen basiert, sondern auch auf biblischen Prinzipien. Eltern und Erzieher sind aufgerufen, Kinder in der Erkenntnis Gottes und seiner Gebote zu unterweisen, damit das Gewissen im Einklang mit Gottes Willen geformt wird.

 

Das bedeutet doch,

 

dass ein Teil unseres Gewissens bereits in den Genen verankert ist und es bedeutet auch: Der Kern des Menschen ist gut. Er ist so veranlagt. Negatives entsteht erst durch falsche Erziehung, im Umgang mit anderen, durch schlechte Erfahrungen. Und auch, dass die christliche Lehre, die christliche Ethik, eine gute Ergänzung zur Erziehung und zu den eigenen Erfahrungen sind!

 

Deswegen bitte ich Nikodemus*:

 

Definiere den Begriff ‚Ethik‘.

 

 

Nikodemus* antwortet:

 

Ethik ist ein Zweig der Philosophie, der sich mit den Prinzipien des richtigen und falschen Handelns beschäftigt. Sie untersucht, was moralisch gut oder schlecht, gerecht oder ungerecht ist, und versucht, allgemeine Regeln oder Leitlinien für menschliches Verhalten zu formulieren. Ethik befasst sich mit Fragen wie: Was soll ich tun? Was ist das richtige Handeln in einer bestimmten Situation? Welche Werte und Tugenden sollte ich in meinem Leben verfolgen?

 

In der christlichen Ethik sind diese Fragen eng mit den Lehren der Bibel und dem Beispiel Jesu Christi verbunden. Sie bietet eine moralische Orientierung, die auf den Geboten Gottes und der Liebe zu Gott und dem Nächsten basiert. Die christliche Ethik strebt danach, das Leben im Einklang mit Gottes Willen zu gestalten und die Werte des Reiches Gottes in der Welt zu leben.

 

Ethik ist also nicht nur eine theoretische Disziplin, sondern hat praktische Auswirkungen auf unser tägliches Leben und unsere Entscheidungen. Sie fordert uns heraus, unsere Handlungen und Motive zu reflektieren und danach zu streben, ein Leben zu führen, das von Integrität, Gerechtigkeit und Mitgefühl geprägt ist.

 

Das ist mir zu abstrakt.

 

Deswegen bitte ich um 20 Beispiele für ethische Grundsätze.

 

Nikodemus* antwortet:

 

Hier sind 20 ethische Grundsätze, die auf biblischen Lehren basieren und die christliche Ethik prägen:

 

Liebe zu Gott: Setze Gott an die erste Stelle in deinem Leben (Matthäus 22,37).


Liebe zum Nächsten: Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest (Matthäus 22,39).

 

Demut: Achte andere höher als dich selbst (Philipper 2,3).

 

Vergebung: Vergib anderen, so wie Gott dir vergeben hat (Kolosser 3,13).

 

Gerechtigkeit: Setze dich für das Recht und die Wahrheit ein (Micha 6,8).

 

Barmherzigkeit: Zeige Mitgefühl und Hilfsbereitschaft (Lukas 6,36).

 

Ehrlichkeit: Sprich die Wahrheit in Liebe (Epheser 4,15).

 

Frieden: Strebe nach Frieden mit allen Menschen (Römer 12,18).

 

Geduld: Sei geduldig und langmütig (Galater 5,22).

 

Treue: Sei treu in deinen Beziehungen und Verpflichtungen (Sprüche 3,3).

 

Dankbarkeit: Sei dankbar in allen Dingen (1. Thessalonicher 5,18).

 

Bescheidenheit: Lebe einfach und bescheiden (1. Timotheus 6,6-8).

 

Selbstbeherrschung: Übe Kontrolle über deine Wünsche und Handlungen (Galater 5,23).

 

Güte: Sei freundlich und hilfsbereit (Epheser 4,32).

 

Opferbereitschaft: Sei bereit, für andere zu opfern (Johannes 15,13).

 

Gehorsam: Folge Gottes Geboten (Johannes 14,15).

 

Respekt: Ehre und respektiere andere (1. Petrus 2,17).

 

Verantwortung: Übernimm Verantwortung für dein Handeln (Galater 6,5).

 

Hoffnung: Bewahre die Hoffnung auf Gottes Verheißungen (Römer 15,13).

 

Glaube: Vertraue auf Gott in allen Lebenslagen (Hebräer 11,1).

 

 

 

Diese biblischen Grundsätze können uns helfen, ein Leben zu führen, das Gott ehrt und anderen dient.

 

 

Dazu folgendes Gedicht

 

Fragwürdige Moral

Manche Moral wird dazu gepflegt,

aufgepäppelt und eisern gehegt,

damit man selbst als ‚sehr gut‘ dasteht,

damit der eigne Glanz nicht vergeht.

 

Das ist die Moral von dieser Geschicht:

Traue deinen Überzeugungen nicht.

Ein Jeder macht sich gerne die seinen,

die Menschen mehr spalten als vereinen,

die vorwiegend enthalten – eigenes Wollen

und weniger, Gottes liebevolles Sollen.

 

 

Er unterweist die Demütigen in dem, was gut und richtig ist, ja, gerade ihnen zeigt er seinen Weg. (Ps 25, 9; NGÜ)

 

 

Schreibe einen Kommentar