Menschliche und göttliche Gerechtigkeit

 

Hallo Du,

ich bin die Gerechtigkeit und hoffe, dass du mich bereits kennst und dich von mir beraten und leiten lässt. Ich kann für jeden Mensch ein Gewinn und eine Bereicherung sein.

Kinder denken bei dem Wort ‚gerecht‘ zuerst ans Teilen, Erwachsene ans Verdienen. Spontane Assoziationen zu dem Begriff „Gerechtigkeit“ sind: Recht und Gesetz, Strafe und Vergeltung oder auch, soziale Gerechtigkeit und Chancengerechtigkeit, Fairness, Gleichbehandlung und die Einstellung, dass ‚Jeder bekommt, was ihm moralisch zusteht‘.

Das ist mir zu pauschal und zu einseitig. Ich bin viel mehr, bspw.:

  – die Verteilungsgerechtigkeit: Wie sollen Güter, Chancen und Lasten verteilt werden?

  – die Verfahrensgerechtigkeit: Wie fair sind die Regeln und Prozesse?

  – die Ausgleichsgerechtigkeit: Wie wird Unrecht oder Ungleichgewicht ausgeglichen?

  – die soziale Gerechtigkeit: Wie gerecht ist die Gesellschaft als Ganzes?

  – die spirituelle Gerechtigkeit: Was ist Gerechtigkeit aus der Sicht Gottes und im Licht

     von Glauben, Barmherzigkeit, Gnade, Mitgefühl und Demut?

  – dann die Rechtsgerechtigkeit: Wie gerecht sind Gesetze und ihre Anwendung?

 

Schuld und Strafe

Zunächst möchte ich auf die die Rechtsgerechtigkeit und den Zusammenhang verdeutlichen:

 

Schuld entsteht, wenn jemand gegen das Ideal von Gerechtigkeit verstößt, gegen ein inneres Bild von Vollkommenheit, gegen deren Maßstab, gegen das eigene Sehnsuchtsziel jenseits des Greifbaren. Dieses Ideal ist nicht unbedingt erreichbar, aber es gibt Orientierung. Schuld entsteht also, wenn jemand gegen dieses Rechtsverständnis verstößt – sei es durch Lüge, Gewalt oder Unterlassung. Schuld ist wie eine Störung im moralischen Gleichgewicht. Sie ruft nach Antwort und nach Wiederherstellung.

Doch Schuld, ist nicht nur juristisch. Sie kann auch innerlich sein. Beispielsweise:

  – als Gewissen, das sich meldet,

  – als nagendes Gefühl, dass etwas „nicht richtig“ war,

  – als Scham über das, was man getan hat und wer man im Moment des

     Unrechts war,

  – als Reue, mit dem Wunsch, etwas rückgängig oder wiedergutzumachen,

  – als innere Frage: „Hätte ich anders handeln sollen?“,

  – als Gedankenschleifen, die man durchspielt, um sie zu verstehen oder sich

     zu rechtfertigen, oder

  – als flaues Gefühl im Magen, – als Druck auf der Brust, – als Schlaflosigkeit.

 

Strafe ist eine Reaktion auf Schuld — ein Mittel, um juristisch, ethisch oder moralisch empfundenes Unrecht wiederherzustellen. Sie kann verschiedene Intensionen haben:

–  Vergeltung, im Sinne von „Auge um Auge“ 

–   Abschreckung, damit andere nicht dasselbe tun.

–   Rückkehr ins menschliche Miteinander durch Veränderung.

–  Wiedergutmachung, bei der die Geschädigten etwas zurückbekommen.

 

Doch Strafe hat zwei widersprüchliche Seiten. Sie ist wie ein inneres Pendel, das zwischen Gegensätzen schwingt, bspw. zwischen Liebe und Ärger, Nähe und Distanz oder Hoffnung und Zweifel. Strafe kann heilen oder verhärten, kann gerecht sein oder bloße Rache. Deshalb frage ich als Gerechtigkeit immer wieder: ‚Ist eine Strafe angemessen?‘ bzw. ‚Führt sie zur Versöhnung oder nur zur Trennung?‘

Sehe den Zusammenhang so: ‚Gerechtigkeit, ist die Waage; Schuld, das Gewicht; Strafe, der Versuch, das Gleichgewicht wiederzufinden – doch: Nur die Liebe kennt das Maß‘.

 

Wer oder was bin ich?

Ich, die Gerechtigkeit, das Ideal, sagt, was „recht“, was angemessen ist. Mein Ziel ist auch Fairness. Meine Kernfragen sind: ‚Was schuldet ein Mensch dem anderen?‘ und: ‚Was ist ein angemessener Ausgleich für ein begangenes Unrecht?‘

Ich werde als Tugend gesehen und bin vielleicht auch deine ethische Grundhaltung, dein innerer Kompass für eine angemessene Gerechtigkeit. Ich bin auch wie ein innerer Seismograph, der auf seelische Erschütterungen reagiert, auf die feinen Vibrationen zwischenmenschlicher Beziehung und Unstimmigkeit.

Als Ideal bin ich kein starrer, alleingültiger und zuverlässiger Maßstab, nur ein lebendiges Streben nach Gleichgewicht und Mitmenschlichkeit, nach Ausgleich, Würde und Anerkennung. Ich möchte dein Herz mit deinem Verstand verbinden und faire Verhältnisse zwischen Menschen schaffen und erhalten. Durch mich soll jedem das zukommen, was ihm – im Sinn von Ausgleich, Anerkennung und Würde – zusteht. Dabei gewichte ich oft nicht gleich (wie viele es erwarten), sondern angemessen.

  – Ich verteile Ressourcen, Chancen und Lasten nachvollziehbar.

   – Ich achte darauf, dass Ungleichheiten oder Schäden durch faire

     Kompensation oder Wiedergutmachung ausgeglichen werden.

   – Ich sorge dafür, dass Entscheidungen nach transparenten und gleichen

     Regeln getroffen werden.

  – Ich bin dafür, dass Gesetze gerecht sind und gerecht angewendet werden,

    unabhängig von Status, Herkunft oder Macht.

 

Rudimentär bin ich als Gerechtigkeitsgefühl in deinen Genen verankert und zeige bereits in früher Kindheit Anzeichen von mir.

Aber, dein gewachsenes Gerechtigkeitsgefühl wurde beeinflusst und geformt durch:

 –  deine sozialen Erfahrungen,

 –   die Regeln in deiner Familie,

–   die Normen anderen Zugehörigkeitsgruppen,

–   die dich umgebenden kulturellen Werten und staatlichen Gesetze 

–   sowie deine ganz eigene subjektive Perspektive, deine vielleicht dunkle oder rosarote Brille.

Immer bin ich ein Ergebnis aus dem bisherigen dynamischen Zusammenspiel von inneren und äußeren Einflüssen.

 

Wenn du mich bereits kennst weißt du, dass ich spontan, emotional und engagiert bin und unmittelbar auf Ungleichheit reagiere. Manchmal neige ich auch zu emotionaler Überreaktion. Bei extrem unterschiedlichen Gerechtigkeitsvorstellungen bin ich sogar auch konfliktbereit. Ich lodere dann im Herzen, wenn jemand übergangen wird und bin der Schmerz, der sich regt, wenn Würde verletzt wird.

Deine Empathie, deine Fähigkeit, dich in die Gedanken, Gefühle und Perspektiven anderer Menschen hineinzuversetzen und sie innerlich mitzuerleben, verstärken meine Reaktion.

 

 

Recht und Gesetz

Ich komme noch einmal zurück auf Recht und Gesetz. Manche Menschen meinen, ich orientiere mich nur an weltlichen Gesetzen und Rechtsvorschriften. Das ist schlimm und stimmt nicht! So denken vielleicht unsichere, verstandesgeprägte und immer bewertende Menschen.

Rechthaberei, Gerechtigkeitsfanatismus oder Prinzipienreiterei sind mir völlig fremd. Die wären für mich stur und herzlos, nur aufs ‚Recht haben‘ und auf Strafe ausgerichtet – manchmal auch darauf bedacht, das ‚Recht‘ zum persönlichen Vorteil auszulegen oder umzubiegen.

Nein, ich bin kein Rechtsmaßstab. Ich bin nur ein innerer Ruf, ein leiser Protest, ein erstaunter aufrechter Blick. Ich bin das Nachdenken über Gleichheit und Freiheit, über Leistung und Bedürftigkeit. Ich bin die Waage, die nicht nur wiegt, sondern auch fragt, was wiegen sollte.

Ich sehe eigene Prinzipien nicht als Einengung, sondern als eine lebendige und übergeordnete Orientierung, etwa so, wie sich Melodien -je nach Situation und Stimmung- anders anhören und in dir entfalten. Und ich achte darauf, dass Prinzipien nicht zu beherrschenden Dogmen werden, sondern Richtungsanzeiger bleiben, die Raum für Mitgefühl, Zusammenhang und kreative Lösungen geben, auch für Barmherzigkeit, Gnade und Fürsorge. Für mich ist immer wichtig: Was dient dem Leben? Was heilt? Was trägt?

Ich verstehe, wenn Menschen sich klare und eindeutige Strukturen oder Regeln wünschen, doch die kann ich nicht geben. Kann ich nicht, weil in mir ein differenziertes und lebendiges Spannungsfeld zwischen Perspektiven, Werten und Zusammenhängen vorhanden ist. Kann ich auch nicht, weil Menschen immer eine ganz eigene Sichtweise haben. Beispielsweise sagt der Reiche, ich sei Leistung. Der Arme sagt, ich sei Ausgleich. Der Richter nennt mich Objektivität und das Kind bezeichnet mich als „unfair“!

Was mich besonders verletzt ist, wenn ich als Maske für Macht oder Eigeninteresse missbraucht werde. Wenn ich ignoriert werde, werde ich zu einer Wunde, die nicht heilt. Wenn ich absolut gesetzt werde, erscheine ich als Härte, die nicht hört und sieht. Aber das geschieht nur aus Verzweiflung und in der Hoffnung, dass das Richtige geschieht.

 

 

Göttliche Gerechtigkeit im Alten und Neuen Testament

 

Im Alten Testament geht es um den besonderen Bund zwischen Gott und Abraham. Gott versprach Abraham, dass er viele Nachkommen haben wird, dass seine Familie ein eigenes Land bekomme und dass durch ihn alle Völker der Erde gesegnet werden. Diese festen Zusagen kommen allein aus Gottes Initiative – Abraham hat sie sich nicht verdient, er bekommt sie einfach geschenkt.

Abraham antwortet auf diese zugesagten Geschenke mit Vertrauen: Er verlässt seine Heimat, obwohl er nicht weiß, wohin er geht. Er glaubt Gott und seinen Zusagen, obwohl sie zunächst unmöglich erscheinen. Als Zeichen dieses Bundes führte Gott die männliche Beschneidung ein – ein äußeres Merkmal, das zeigt: „Ich gehöre zu diesem Bund mit Gott.“

Dieser Bund ist also der Ausdruck einer tiefen Beziehung. Gott bindet sich an den Menschen und der Mensch wird eingeladen, in Gottvertrauen und Treue zu leben. Das ist ein heiliger Ruf, dem Abraham folgte. Es ist ein Zusammenspiel von göttlicher Verheißung und menschlichem Glauben.

Aber: Das Gesetz ist nicht der Ausgangspunkt des Bundes mit Abraham. Der Bund mit Abraham beruht auf Gottes Verheißung und Abrahams Glauben – lange bevor das Gesetz am Sinai gegeben wurde. Erst später, mit Mose, gibt Gott Gesetze als Ergänzung des Bundes mit dem Volk Israel.

Sein Gesetz ist wie ein Wegweiser innerhalb des Bundes, aber es ist nicht die Eintrittskarte. Der Bund beginnt mit Gottes Ruf und dem menschlichen Vertrauen in ihn. Das Gesetz hilft Menschen, Gottes Weg zu gehen – nicht aus Zwang, sondern aus Liebe, Zugehörigkeit und Dankbarkeit.

Die in den fünf Büchern Mose aufgeführten Gesetze, Gebote und Rechtsnormen für das Zusammenleben sollen als Wegweiser von Gottes Wollen verstanden werden. Aber die Tora enthält auch viele pädagogische Hinweise und Aufforderungen, die das Volk heilen und schützen wollen. Das von Gott gegebene ‚Recht‘ ist sein Ausdruck von väterlicher und liebevoller Gerechtigkeit, kein bloßes Abwägen von Schuld und Unschuld, kein kaltes Urteil nach dem Gesetzbuch. Gottes Beurteilung verbindet Wahrheit mit Liebe und auch mit Strenge, Barmherzigkeit und Ordnung. Was sie besonders macht, ist nicht nur, was sie richtet – sondern wie sie führt und rettet.

 

Im Neuen Testament verändert sich die Beziehung zwischen Gott und den Menschen grundlegend. Während im Alten Testament das Gesetz eine wichtige Rolle spielte, steht nun Gottes Liebe und Gnade in Vordergrund.

Er sagt: „Ihr habt gehört … Ich aber sage euch …“(Mt 5). Liebe wird jetzt zur höchsten Norm: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ (Röm 13,8–10).

Nun gilt: Vergebung statt Vergeltung. Strafe wird durch Gnade ersetzt. Gottes Güte steht im Vordergrund. Das Herz von Menschen zählt mehr als äußere Taten.

Durch Jesus beginnt ein neuer Bund. Dieser Bund ist nicht mehr an äußere Zeichen wie die Beschneidung oder an das Einhalten aller Gebote gebunden, sondern nur noch an den gottvertrauenden Glauben seiner Nachfolger. Wer Jesus vertraut, vertraut auch Gott und gehört damit zu diesem Bund – unabhängig von Herkunft oder eigener Leistung. Gott schenkt ihm seine Nähe und Vergebung – aus Gnade, nicht weil die alles richtig gemacht haben, sondern weil sie sich ihm anvertrauen.

Jesus lebt vor, was Gott wirklich möchte: Liebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Er sagt nicht, dass das Gesetz falsch ist – im Gegenteil, er erfüllt es, indem er dessen tiefsten Sinn offenbart. Es geht nicht nur darum, äußerlich alles richtig zu machen, sondern vor allem darum, mit einem liebevollen Herzen zu leben.

Jesus zeigt: Der wahre Sinn des Gesetzes ist die Liebe – zu Gott und zu den Mitmenschen. Wer liebt, lebt das Gesetz in seiner tiefsten Form. Dadurch wird der Glaube zu einer Brücke zwischen Menschen und Gott, und das Leben im neuen Bund wird zur Einladung, ebenfalls aus Liebe und Freiheit zu handeln, nicht aber aus Angst oder Pflicht.

 

Abschließend kann man sagen: Im Alten Testament ist das Recht ein steinerner Weg durch die Wüste, im Neuen Testament ein offenes Tor in den Garten der Gnade.

 

Du siehst: Christlich gesehen bin ich, die Gerechtigkeit, sogar göttlich: heilig, liebevoll, gütig, treu und voller Erbarmen. Ich bin das ‚gerechte Urteil‘, die vergebende und heilende Befreiung sowie die berechtigte Hoffnung auf Gottes Hilfe und Unterstützung – jenseits aller menschlicher Vorstellungen und Maßstäbe.

 

 

Eigene Verantwortung

Trotz göttlicher Liebe, Gnade, Güte, Nachsicht, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Vergebung, trägt jeder die Verantwortung für sich sowie für seine Einstellung, sein Denken, Fühlen, Verhalten und Tun. Deswegen braucht mich jeder als inneren Berater.

Ich trage dazu bei, dass sündhaftes Abweichen vom ‚rechten‘ Weg erkannt, benannt und bereut werden, und dann auch im Glauben vergeben sind.

 

Gott erschafft, sieht, erkennt und beschenkt

Gott hat die Menschen als seine Geschöpfe erschaffen, als geliebte Wesen, die zur Umkehr fähig ist. Gott und Jesus sind allmächtig, allwissend, vollkommen, treu und unbestechlich. Sie durchschauen Masken, erkennen die jeweilige Herzenseinstellung und richten mit vollkommener Liebe und Weisheit. Sie sind immer verbindend, nie zerstörerisch. Sie stellen ihr ‚Recht‘ wieder her und verändern und erneuern Menschen dabei. Deswegen sind sie und machen sie ‚gerecht‘.

Sie machen gerecht, nicht weil die Menschen es verdient hätten, sondern allein deswegen, weil sie sie lieben. Gottes barmherzige, treue, vergebende, gütige und heilend Gerechtigkeit zeigt sich in Jesus. Sie wird immer geschenkt und umfasst Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie ist wie ein Licht, das nicht nur aufdeckt, sondern auch wärmt, führt und erhellt. Seine Liebe sagt eine bessere Welt zu, in der Tränen des Leidens abgewischt werden und jegliches Unrecht überwunden ist.

 

Herausforderung

Du siehst: Ich fordere dich heraus, ebenfalls gerecht zu handeln – in Bezug auf Gott, in den Beziehungen zu anderen und im Umgang mit dir selbst.

Ich möchte ein Spiegel deiner Unzulänglichkeit sein, damit du auf mich hörst, Gottes Liebe und Hinweise annimmst, nicht stolz oder hochmütig wirst und zu einer Persönlichkeit voller Gottvertrauen, Demut, Hoffnung, Dankbarkeit und Zuversicht wirst. Vertraue nicht mehr nur der eigenen Leistung, sondern vor allem auf Gottes Güte, seine Hinweise und Zusagen, seine Liebe, Treue und Gnade.

 

Nicht wegen meiner guten Taten werde ich von meiner Schuld freigesprochen, sondern allein deshalb, weil ich mein Vertrauen auf Jesus Christus setze. (Röm 3,28; HfA)

 

 

 

(Dieser Beitrag wurde im Zusammenwirken mit dem Chatbot von Microsoft erstellt)

 

 

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