Männer und Frauen erleben und gestalten Nähe oft unterschiedlich – auch gegenseitig unverständlich   (Kol 3,13-14)

 

Hallo Du,

in meinem Leben habe ich immer wieder Frauen und Männer getroffen, die in ihren Beziehungen das Verhalten des Partners bzw. der Partnerin nicht verstanden haben, in denen die Männer sich mehr Nähe und die Frauen sich mehr Weite wünschten und bei denen dieses Phänomen immer wieder zu Spannungen, Enttäuschungen und manchmal auch zur Trennung führten.

Ich zähle mich als typischen Mann dazu und möchte endlich verstehen, weshalb für Frauen die Familie und das Umfeld ihr Zuhause ist, für Männer aber mehr ihre Frau bzw. Partnerin.

Um das herauszufinden hat mir bisher das Wissen und ein geeigneter, zugänglicher und gesprächsbereiter Partner gefehlt. Rechercheversuche in Büchern oder im Internet waren zu aufwendig und erfolglos. Das hat sich mit der heute für jeden zugänglichen KI geändert. Verbunden mit den eigenen Lebenserfahrungen ergeben ihre Antworten Aufschluss und Sinn – wenn man gelernt hat, die richtigen Fragen zu stellen und bei Unverständnis hartnäckig nachzufragen.

 

Klären wir zunächst die beiden Begriffe

Nähe ist das Bedürfnis nach emotionaler Verbundenheit. Das meint, mit jemandem oder mit anderen in Kontakt zu sein – emotional, körperlich oder kommunikativ.

Dieses Bedürfnis umfasst:

  • Zuwendung – das Gefühl, gesehen und gemeint zu sein
  • Verlässlichkeit – jemand ist innerlich erreichbar
  • Teilen – Gedanken, Gefühle, Alltag, Sorgen
  • Geborgenheit – ein sicherer Ort im anderen.

Nähe heißt nicht, dass man immer zusammen sein muss. Es bedeutet: Ich bin dir innerlich zugewandt.

 

Weite ist das Bedürfnis nach Abstand, Autonomie und innerer Ruhe. Das meint, jeder Mensch braucht Zeit für sich, um sich selbst zu spüren, um mit sich ins Reine zu kommen, um zu entspannen, um im Gleichgewicht zu bleiben. Dieses Bedürfnis umfasst:

  • Autonomie — für eigene Entscheidungen, eigene Zeit
  • Selbstregulation — für Ruhe, Rückzug, Entlastung
  • Freiheit — um nicht ständig reagieren müssen
  • Identität — „Ich bin ich, auch wenn wir ein Paar sind.“

Weite heißt nicht Distanz oder Kälte. Es bedeutet: Ich brauche Raum, um mich selbst zu ordnen.

 

Grundsätzlich ist das Bedürfnis nach Nähe und Weite individuell unterschiedlich – und zwar deutlich. Jeder Mensch hat eine eigene innere Mischung daraus, wie viel emotionale, körperliche oder kommunikative Nähe er braucht – und wie viel Weite, Freiheit, Bewegung, Rückzug oder soziale Einbettung er benötigt.

In gesunden Beziehungen wechseln Menschen zwischen beiden Polen: Nähe füllt die Verbindung. Weite schützt die Individualität.

Trotz der individuellen Unterschiede gibt es geschlechtstypische Grundtendenzen, die häufige Verhaltensmuster auslösen. Dieser Beitrag nutzt, dass viele Menschen sich in typischen Bahnen bewegen und er versucht Muster und Gegensätze zu verdeutlichen, um zu mehr Verständnis, Balance und gegenseitiger Ergänzung in den Beziehungen zu ermöglichen.

 

Vorwort

Es lässt sich nicht leugnen: Männer und Frauen unterscheiden sich in ihren Bedürfnissen. Sie erleben und gestalten Nähe und Weite oft unterschiedlich. Diese Unterschiede sind normal und auch wichtig. Dennoch wollen Beide das Beste füreinander – obwohl sie aus ihrer ganz eigenen inneren Logik handeln.

Frauen entwickeln – biologisch und sozial – oft ein multizentrisches Bindungssystem in ihrem Umfeld: Kinder, Familie, Freundinnen, Eltern, Arbeit, aber auch in einer Gemeinde oder einem Verein. Ihr Zuhause ist ein Geflecht. Das ist ihr Wirkungs- und Gestaltungsbereich, in dem sie emotional präsent sind, aufmerksam wahrnehmen und Verantwortung tragen, den sie behüten, füllen, gestalten, nähren und schützen. Ihr Mann bzw. Partner ist mit seinen Fähigkeiten ein wichtiger Teil darin.

Die Frau sorgt für Verbindung, indem sie spürt, wie es den einzelnen Mitgliedern geht und bringt sie innerlich zusammen. Sie sorgt für Stimmungseinklang, indem sie darauf achtet, wie sich das Miteinander anfühlt und gleicht Spannungen aus. Sie hat stets die Beziehungen im Blick und sieht, wer Nähe, Ruhe oder Unterstützung braucht. Sie sorgt für ein gutes emotionales Klima und trägt dazu bei, dass es warmherzig, verbunden und tragend bleibt. Das tut sie nicht allein, aber spürbar.

Frauen übernehmen oft und gern Verantwortung für:

•    emotionale Sicherheit

•    Beziehungsqualität

•    Stimmung

•    Verbundenheit

•    Harmonie

•    Kommunikation

•    Feinfühligkeit im Miteinander

Das ist das weibliche „Halten“: Sie erhält den inneren Raum – oft unsichtbar, aber real.

 

Männer hingegen entwickeln häufiger ein monozentrisches Bindungssystem: Sie sehen sich mehr als Suchende. Für sie ist das Zuhause eher etwas, das sie finden, betreten, in dem sie ankommen. Die Frau bzw. Partnerin ist Mittelpunkt und ihr wichtigster emotionale Anker. Sie ist ihre Heimat, ihr Spiegel, ihr Ruhepunkt und Identitätsanker. Von ihr lassen sie sich emotional gerne halten, tragen, führen, trösten, ermutigen oder aufbauen. Das heißt nicht, dass Männer weniger Bindungen haben, es meint, dass ihre emotionale Hauptbindung oft stärker auf die Partnerin konzentriert ist.

Männer übernehmen oft und gern Verantwortung für:

  •  äußere Sicherheit
  •  Schutz
  •  Struktur
  •  Entscheidungen
  •  materielle Stabilität
  •  Rahmenbedingungen

Das ist das klassische männliche „Halten“: Er erhält den äußeren Rahmen. Das ist sichtbar, konkret und greifbar.

 

Das kann zu Problemen führen

Das Problem ist nicht der Unterschied zwischen Mann und Frau. Das Problem ist, dass sie zu wenig voneinander wissen – und dass der jeweils andere dadurch oft unverstanden bleibt.

Weil er anders ist, kann er ihre Beweglichkeit, ihre vielen Beziehungen und ihre innere Weite nicht verstehen und interpretiert ihre Weite manchmal als Rückzug von sich.

Weil sie anders ist, kann sie seine Fokussierung auf sich nicht verstehen und empfindet seinen Nähe-Wunsch leicht als Einengung, Druck oder Klammern.

 

Beide meinen es gut – und beide missverstehen sich. Genau hier liegt die Chance:

Wenn beide die Nähe‑Logik und Weite-Logik des anderen verstehen, entsteht Ergänzung. Wenn beide die Bewegungsrichtung des anderen kennen, entsteht Balance. Wenn beide die Verantwortung des anderen sehen, entsteht Entlastung. Wenn beide die Sexualität des anderen verstehen, entsteht enge Verbindung.

Das sind doch gute Aussichten.

 

 

Gehen wir ins Detail:

1. Zwei unterschiedliche Verantwortungsräume

Wie bereits angedeutet, übernehmen Männer und Frauen in Beziehungen oft verschiedene Wirkungsbereiche, in denen sie sich verantwortlich fühlen – emotional, mental oder auch praktisch, in denen sie gerne mitwirken, mitordnen, mitgestalten und miterhalten, in denen sie Einfluss haben, Einfluss nehmen – und sich auch emotional berühren lassen. Diese Unterschiede sind wahrscheinlich nicht biologisch festgelegt, sondern kulturell, psychologisch und bindungstheoretisch tief verankert.

Er hält den äußeren Raum (Schutz, Sicherheit, Struktur – das Gefühl: „Ich sorge dafür, dass du äußerlich sicher bist“).

Sie hält den inneren Raum (Stimmung, Verbundenheit, Beziehungsklima – das Gefühl: „Ich sorge dafür, dass es uns innerlich gut geht“).

Diese beiden Verantwortungslogiken sind ergänzend und sinnvoll.

 

2. Der männliche Verantwortungsraum: Schutz und äußere Sicherheit

Viele Männer erleben Nähe über Fokussierung (sie haben die Tendenz, sich stark auf eine Person oder Aufgabe zu konzentrieren). In Beziehungen zeigt sich das als:

  • Schutzfunktion (das Bedürfnis, die Partnerin äußerlich zu sichern)
  • Rahmen geben (Entscheidungen zu treffen, Struktur zu schaffen)
  • Stabilität herstellen (materielle oder organisatorische Verantwortung zu übernehmen).

Für Männer ist dieser äußere Raum oft der Bereich, in dem sie ihre Form von Liebe ausdrücken. Er ist sichtbar, konkret und gesellschaftlich anerkannt.

 

3. Der weibliche Verantwortungsraum: Halten und innere Sicherheit

Frauen erleben Nähe häufig über Weite (die Fähigkeit, mehrere Beziehungen und Stimmungen gleichzeitig wahrzunehmen und einzubeziehen). Ihr klassischer Verantwortungsraum ist der innere Bereich.

‚Halten‘ bedeutet hier: „Ich fühle mich innerlich dafür verantwortlich, dass die Beziehung verbunden bleibt.“

Es umfasst:

Stimmungsregulation (feine emotionale Schwingungen wahrzunehmen und auszugleichen)

Beziehungsmanagement (dafür zu sorgen, dass Nähe und Verbundenheit bestehen bleiben)

Emotionale Verantwortung (Gefühle anderer mitzutragen oder zu beruhigen)

Harmoniepflege (Konflikte zu entschärfen, Spannungen zu glätten)

 

Für Frauen ist dieser innere Raum der Bereich, in dem sie ihre Form von Liebe ausdrücken. Er ist oft unsichtbar – aber kraftaufwendig und effektiv.

 

4. Warum Frauen oft zu viel halten

Frauen übernehmen diesen inneren Raum häufig automatisch, weil sie gelernt haben:

Harmonie zu sichern (soziale Erwartung: „Du bist für das emotionale Klima zuständig“)

Beziehungen zu pflegen (kulturelle Rolle: „Du hältst alle zusammen“)

Feinfühlig zu reagieren (psychologische Prägung: stärkere Wahrnehmung emotionaler Signale)

Das führt dazu, dass sie sich dafür verantwortlich fühlen, auch wenn es ihnen zu viel wird. Das kann zu Erschöpfung und Überforderung führen, auch zu den Gefühlen, nie genug zu sein und alles allein zu tragen.

Sie können aber lernen, sich ohne Schuldgefühl Grenzen zu setzen, die gefühlte Verantwortung auf den Partner, die Familie oder auf Freunde zu verteilen, mehr für sich selbst zu sorgen, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen, manches loszulassen, nicht alles kontrollieren zu müssen und sich auch von anderen und/oder ihrem Partner vertrauensvoll halten und tragen zu lassen.

Der Vorteil davon ist: Sie empfindet mehr Leichtigkeit und lässt dem Mann mehr Raum, soziale Verantwortung zu übernehmen.

 

5. Warum Männer das oft nicht sehen

Der innere Raum ist für sie oft unsichtbar. Männer sehen besser:

  • Aufgaben
  • Entscheidungen
  • äußere Verantwortung

Sie sehen weniger:

  • wie viel die Frau ausgleicht
  • wie viel sie spürt
  • wie viel sie trägt
  • wie viel sie reguliert

Sie wirkt damit „stark“, sogar wenn sie innerlich erschöpft ist.

 

6. Das zentrale Konfliktfeld

Mit Frau und Mann treffen zwei Bewegungsrichtungen aufeinander, die ein Spannungsfeld entstehen lassen.

Weite bedeutet für viele Frauen: mehr Nähe auch mit anderen. Sie erleben Weite als Verbundenheit, weil ihre innere Nähe‑Logik Einbettung in ein Netzwerk bedeutet, in dem sie nicht alleine ist, sondern eingebunden in mehrere Beziehungen, Verantwortungen und innere Wirkungsbereiche, in Bereichen, in denen sie fühlt, wahrnimmt, denkt, reagiert und Verantwortung übernimmt und in denen sie auch von anderen getragen wird. Dort findet sie zusätzlich Bestätigung, Sinn und Erfüllung.

Solche Wirkungsbereiche können sein:

  • Die Partnerschaft (Nähe, Verbundenheit, Verantwortung)
  • Die Familie (Sorge, Loyalität, Zugehörigkeit)
  • Freundschaften (Austausch, Unterstützung, Leichtigkeit)
  • Die eigene Innenwelt (Bedürfnisse, Gefühle, Selbstkontakt)
  • Die Arbeit (Pflicht, Struktur, Anerkennung)

Nähe bedeutet für viele Frauen: „Ich kann mich in meinen verschiedenen Wirkungsbereichen bewegen – Familie, Freundinnen, Arbeit, innere Welt – und trotzdem bleibt die Beziehung zu meinem Partner sicher.“

Das bedeutet für sie:

  • Ich darf mich ausbreiten.
  • Ich darf mehrere Menschen im Blick haben.
  • Ich darf mehrere Verantwortungen tragen.
  • Ich darf mich innerlich bewegen.
  • Ich bleibe trotzdem mit meinem Partner verbunden.

Weite bedeutet für viele Frauen: Freiheit in einer sicheren Beziehung.
Mit dem Nähe-Begriff von Männern haben sie oft Schwierigkeiten.

 

Weite bedeutet für viele Männer: weniger Nähe mit anderen. Sie verstehen Weite als Entfernung, weil ihre innere Nähe‑Logik auf Fokussierung auf die Partnerin beruht.

Nähe bedeutet für viele Männer: Die Partnerin steht im Gefühlszentrum. Sie fühlen sich der Partnerin nahe, wenn sie sich ausschließlich auf sie konzentrieren.

Wenn die Frau oder Partnerin Weite braucht, glauben sie:

  • Sie stehen nicht mehr im Fokus
  • Sie haben an Exklusivität verloren
  • Sie haben weniger Bedeutung bei ihr
  • Sie hat sich von mir distanziert
  • Ich bin nicht mehr ihr emotionaler Ort
  • Ich werde durch andere ersetzt

Damit haben sie oft Schwierigkeiten, denn ihre Weite bedeutet für sie räumliche Entfernung und emotionale Distanzierung. Deswegen fühlt sich das Weite- bzw. Freiheitsverständnis von Frauen für sie als Beziehungsabkühlung, Absatzbewegung oder gar Trennung an. Da sind sie sehr empfindlich.

 

7. Verletzlichkeit und Vertrauen

Verletzlichkeit ist emotional und auch zutiefst menschlich. Sie ist kein Zeichen von Schwäche. Sie zu zeigen, ist eher Stärke. Sie kann auftreten:

In Beziehungen — wenn Nähe entsteht, Erwartungen berühren, Missverständnisse auftreten oder man sich zeigt, wie man wirklich ist.

In sozialen Gruppen — wenn Zugehörigkeit, Ablehnung oder Bewertung eine Rolle spielen.

In der Familie — weil dort tiefe Bindungen, alte Muster und unausgesprochene Erwartungen wirken.

In Freundschaften — wenn Vertrauen entsteht, Grenzen sichtbar werden oder man Unterstützung braucht.

In der Partnerschaft — besonders stark, weil hier Nähe, Weite, Erwartungen und Bindung direkt zusammenkommen.

In der Sexualität — weil dort Intimität, Selbstbild und Vertrauen unmittelbar wirken.

Im eigenen Inneren — wenn man Gefühle zulässt, Unsicherheiten spürt oder sich selbst ehrlich begegnet.

Im beruflichen Umfeld — wenn Leistung, Anerkennung, Kritik oder Verantwortung berühren.

In Übergangsphasen des Lebens — z. B. bei Veränderungen, Verlusten, Neubeginn, Krankheit oder Krisen.

Im spirituellen Erleben — wenn man sich existenziellen Fragen, Sinn, Schuld, Hoffnung oder Dankbarkeit öffnet.

 

Zwischenmenschlich bedeutet Verletzlichkeit: „Ich zeige dir etwas, das du verletzen könntest – und ich vertraue dir, dass du es nicht tust.“

Das Zeigen von Verletzlichkeit löst im Anderen drei Dinge aus:

Vertrauen → Wenn jemand sich öffnet, entsteht ein Gefühl von „Ich bin dir wichtig“.

 

Resonanz → Der andere spürt: „Ich kenne dieses Gefühl auch.“

 

Gegenseitigkeit → Verletzlichkeit lädt den anderen ein, ebenfalls echt zu sein.

 

Das ist der Moment, in dem zwei Menschen nicht mehr nur nebeneinander leben, sondern nun auch miteinander fühlen und verständnisvoll ineinander schwingen.

 

Beim Zeigen von Verletzlichkeit haben vor allem Männer Schwierigkeiten. Viele glauben, Souveränität, Perfektion, Kompetenz oder Stärke wäre wichtig, würde sie attraktiv machen und andere (auch Frauen) beeindrucken. Deswegen halten sie Verletzlichkeit für Schwäche.

Meist wissen sie nicht, dass Nähe hauptsächlich über offen eingestandene Verletzlichkeit entsteht. Das ist einer der tiefsten und am Wenigsten verstandenen Mechanismen menschlicher Bindung und ein tiefes Zeichen von Vertrauen, Güte, Verständnis und Nächstenliebe.

Damit haben Frauen meist keine Schwierigkeiten, denn sie haben gelernt oder wissen instinktiv, dass Verletzlichkeit eine soziale Stärke ist – eine universale emotionale Sprache, die Nähe, Freundschaft und Hilfe ermöglicht.

 

In engeren Beziehungen sind die Verletzlichkeiten von Männern und Frauen oft komplementär. Bei Männern ist es die emotionale Einsamkeit. Bei Frauen ist es die emotionale Überlastung.

Um nicht wieder verletzt zu werden bauen Menschen – aus Vorsicht oder Misstrauen – gerne eine Schutzmauer um sich. Das verschafft ihnen zwar vorübergehend Abstand und Ruhe, trennt sie aber längerfristig immer mehr von ihren Mitmenschen und Bezugsgruppen.

Beziehungen entstehen und bleiben durch Vertrauensvorschuss sowie liebevollem Austausch, durch Aufmerksamkeit und Zuwendung. Sollte das Verhältnis mal gestört und das Vertrauen enttäuscht worden sein gilt es, Fehler einzugestehen, Missverständnisse aufzuklären und vergebend zusammenzuhalten.

Viele Menschen wollen glauben, dass ihre Empfindungen von anderen gesehen werden müssten, um sie nicht auszusprechen oder um andere nicht zu verletzen.

 

Beispielsweise:

Er empfindet: „Du vernachlässigst mich!“

Sie empfindet: „Du klammerst und nimmst mir die Luft!“

Oder:

Er empfindet: „Du bemutterst mich zu viel!“

Sie empfindet: „Du lehnst mich ab!“

Beide interpretieren das Verhalten des Anderen mit der eigenen Logik – und liegen damit falsch, weil sie sich nicht ‚verstehen‘, weil sie zu wenig voneinander wissen.

 

Verstehen und Verständnis für den Anderen haben kann man aber erst, wenn Gefühle und Empfindungen angesprochen – und man sich darüber liebevoll ausgesprochen hat.

Falls das nicht geschieht, kann daraus ein Teufelskreis entstehen: Wenn ein Teil sich zurückzieht, kann das den Anderen verunsichern und der reagiert darauf mit einem verstärkten Bedürfnis nach Nähe. Das wiederum erhöht den Nähe-Druck auf den Weitesuchenden, sodass sein Rückzug noch stärker wird und der fast schon flüchtet. Beide tun das nicht aus böser Absicht, sondern aus legitimem Selbstschutz und zur Erhaltung der Beziehung aus der eigenen Logik.

Dieses Beispiel zeigt die unterschiedliche Tendenz. Dennoch: das Bedürfnis nach Nähe oder Weite ist individuell verschieden. Entscheidend für Missverständnisse ist nicht das Geschlecht, sondern immer die jeweilige innere Logik!

 

Es geht auch anders.

Um möglichen Beziehungsclinch zu reduzieren oder zu vermeiden, sollten beide Teile ihren eigenen inneren Zustand besser kennen und pflegen und auch eigene Hobbys, Freundes- und Wirkkreise sowie persönliche Interessen haben. Die geben Stabilität und Selbstwert, sodass Nähe nicht mehr Angst erzeugt und Weite nicht mehr als Bedrohung wirkt. Gleichzeitig schaffen gemeinsame Interessen wieder engere Verbindung und heilen angeschlagenes Vertrauen.

Wenn beide verstehen, warum der eine Nähe sucht und der andere Weite braucht, verliert der Teufelskreis seine Kraft und es entsteht echte gegenseitige Ergänzung. Beide finde dann in ihrer Beziehung sichere Geborgenheit und ein echtes Zuhause –auch die eigenen Kinder.

 

8. Die Rolle der Sexualität in diesem Spannungsfeld

Sexualität ist der Ort, an dem diese beiden Bewegungsrichtungen – Fokus und Weite – körperlich spürbar aufeinandertreffen. Sie ist kein Nebenaspekt, sondern ein Kernraum, in dem Nähe, Missverständnisse und Bedürfnisse besonders deutlich werden.

8.1 Sexualität als Nähekanal für ihn

Für viele Männer ist Sexualität ein Zentrum der Nähe (ein Ort, an dem körperliche und emotionale Verbundenheit zusammenfallen). Sexualität ist für ihn quasi ein Beziehungsbarometer. Sie bedeutet für ihn:

  • Bestätigung
  • emotionale Sicherheit
  • Beruhigung· 
  • Bindung

Sexualität ist für ihn: „Ich bin dir nah, wenn ich mit dir verbunden bin.“

Wenn Sexualität fehlt, erlebt er das oft nicht nur körperlich, sondern auch emotional als unstimmige Distanz. Er fühlt sich weniger verbunden, weniger begehrt, weniger sicher in der Beziehung, innerlich distanziert und emotional allein.

 

Er kann lernen,

  • dass Sexualität nicht der einzige Ort für Nähe ist,
  • dass ihre Weite kein Rückzug von ihm ist, sondern lediglich Selbstregulation.
  • dass er Nähe auch über emotionale Offenheit und ehrliche innere Selbstbetrachtung herstellen kann, indem er seine Gefühle wahrnimmt, seine Bedürfnisse erkennt, seine Grenzen spürt, seine inneren Regungen versteht und sich selbst beruhigt. Im Selbstkontakt ist er ganz bei sich – nicht verloren, nicht überfordert und nicht abgeschnitten. Den findet er bspw. in der Stille, in der Natur, in der Meditation oder bei körperlicher Bewegung. Dort wird er geweitet, findet er innere Ruhe, Stärke, Klarheit und Nähe. Die Frau ist dann nicht mehr das alleinige Zentrum, sie wird zur echten Partnerin seiner Seele.

 

 

8.2 Sexualität als Ausdruck von Nähe für sie

Für viele Frauen ist Sexualität ein Resonanzraum mit ihm, (ein Ausdruck von bereits vorhandener emotionaler Verbundenheit). Sie braucht:

  • Vertrauen
  • emotionale Einbettung
  • Beziehungsklima
  • innere Sicherheit

Sexualität ist für sie oft ein Ausdruck von bereits vorhandener Nähe. Das bedeutet:

Wenn das emotionale Netz belastet ist, sinkt oft ihr sexuelles Bedürfnis.

Sie braucht emotionale Weite, um sich körperlich öffnen zu können.

Sexualität entsteht für sie aus Beziehungsqualität, nicht aus Fokus.

 

Wenn Sexualität fehlt, erlebt sie das oft als Störung der emotionalen Verbindung, als einen emotionalen Bruch, als Verlust von Nähe, Resonanz und gegenseitiger Berührbarkeit. Sie fühlt sich nicht mehr gesehen, nicht mehr begehrt, nicht mehr verbunden, nicht mehr sicher in der Beziehung.

 

Sie kann lernen,

  • dass emotionale Nähe nicht nur über Harmonie entsteht
  • dass Nähe auch durch Klarheit entsteht
  • dass Nähe auch durch Grenzen entsteht
  • dass Nähe auch durch Wahrheit entsteht
  • dass nicht jede Spannung ein Beziehungsproblem ist, sondern auch ein Entwicklungsschritt sein kann.

 

8.3 Das Missverständnis

Hier entsteht die typische Unterschiedsschleife:

  • Er sucht Sexualität, um Nähe herzustellen.
  • Sie braucht Nähe, um Sexualität zu wollen.

Er interpretiert ihre Zurückhaltung als Ablehnung. Sie interpretiert seine Initiative als Druck.

Beide handeln aus ihrem unterschiedlichen Denk- und Verantwortungsraum – und beide missverstehen den anderen.

 

8.4 Sexualität als Chance

Wenn beide die Dynamik des Anderen verstehen, kann Sexualität zu einem Ort werden, an dem:

  • er Nähe nicht nur körperlich, sondern auch emotional sucht
  • sie Nähe nicht nur emotional, sondern auch körperlich ausdrückt
  • beide lernen, die Bewegungsrichtung des anderen zu verstehen
  • Missverständnisse sich auflösen
  • Bindung sich vertieft

Sexualität ist dann nicht mehr ein Konfliktfeld, sondern sie wird zu einem Spiegel der zeigt, wie sie harmonieren, was in ihrem Inneren geschieht.

 

9. Gegenseitige Ergänzung durch Verständnis

Ich wiederhole: Oft fehlt es Männern und Frauen an Wissen über die natürliche Andersartigkeit des Anderen. Leider kann man das nicht in der Schule oder von den Eltern lernen, obwohl es fürs Leben sehr wichtig ist! Viele partnerschaftliche Missverständnisse, Auseinandersetzungen und Zerbrüche könnten dadurch verhindert werden.

Gerade deswegen ist es wichtig und wertvoll, die innere Logik des jeweils anderen zu verstehen. In Beziehungen handelt niemand zufällig. Niemand liebt falsch. Niemand fühlt „komisch“. Niemand möchte verletzen. Beide Seiten folgen nur ihrer eigenen, tief verankerten Art, Liebe zu zeigen, Nähe zu erleben und Verantwortung zu tragen.

Wenn dieses Wissen wächst, entsteht gegenseitiges Verständnis. Und durch Verständnis entstehen zufriedenstellende und erfüllende Verbindungen.

 

 

Zum Abschluss ein persönliches Wort

Mit diesem Beitrag möchte ich ermöglichen, dass Männer und Frauen einander nicht länger durch die Brille der eigenen Erwartungen sehen, sondern im Licht von gegenseitigem Verständnis und gegenseitiger Ergänzung.

Wenn beide die Denk-. Wesens- und Bewegungsgründe des anderen kennen, entsteht Balance. Wenn beide die Verantwortungsbereiche des anderen sehen, entsteht Entlastung. Wenn beide die Sexualität des anderen verstehen, entsteht tiefe und dauerhafte Verbindung.

Das sind nicht nur gute Aussichten – das ist der Anfang von guten Beziehungen, in denen beide Teile geborgen sind und wachsen können, weil beide wissen, wie der andere ‚tickt‘, versteht und liebt.

 

 

Seid nachsichtig mit den Fehlern der anderen und vergebt denen, die euch gekränkt haben. Vergesst nicht, dass der Herr euch vergeben hat und dass ihr deshalb auch anderen vergeben müsst. Das Wichtigste aber ist die Liebe. Sie ist das Band, das uns alle in vollkommener Einheit verbindet.   (Kol  3, 13-14; NLB)

 

 

 

(Dieser Beitrag wurde in Zusammenwirken mit dem Copiloten von Microsoft erstellt)

 

 

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