Erziehung durch Höhen und Tiefen im Leben (Hebräer 12,6-7)
Hallo Du,
meine ersten Hauskreise als Leiter hatten das Thema: ‚Höhen und Tiefen im Leben‘. Das Thema bezog sich auch auf die Berge und Täler, die ich damals körperlich und seelisch durchwanderte. Wir mussten unsere Themen vorab schriftlich dem Organisationsteam mitteilen, damit sie der Gemeinde bekannt gemacht werden konnten. Einige Zeit später hatten wir dann nach dem Gottesdienst Gelegenheit, für unser Thema zu werben. Danach wurden die Wahlwünsche eingesammelt.
Ich war völlig überrascht, dass ‚mein Thema‘ regelmäßig überstark gewählt wurde. Offensichtlich war ich nicht der Einzige, der mit den Tiefen im Leben Schwierigkeiten hatte und der sich nach verlorengegangenen Höhen sehnte. Damals wusste ich noch nicht, dass auch die Tiefen zum Leben gehören und ein wichtiger Quell für Erneuerung und Veränderung sind und eine stabile Grundlage für folgende Höhen bilden.
Aus vielem Gejammer entwickelten sich bald folgende Fragen:
Warum lässt Gott das zu?
Was beabsichtigt er damit?
Weshalb müssen wir leiden?
Was habe ich falsch gemacht?
Wie komme ich aus meiner Not heraus?
Wer hilft uns dabei?
Weshalb der Rückblick?
Heute Morgen, in meiner Stillen Zeit nach dem Aufwachen und im Gespräch mit Gott ging es um die zitierte Aussage Gottes im Hebräerbrief 12,6-7:
‚Denn wen der Herr lieb hat, den züchtigt er, und er schlägt jeden Sohn, den er annimmt.« Es dient zu eurer Erziehung, wenn ihr dulden müsst. Wie mit Kindern geht Gott mit euch um. Denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt?‘
Die Lutherübersetzung formuliert die Erziehung ziemlich hart als Züchtigung, aber das entspricht nicht den Absichten Gottes.
Deswegen hier die Übersetzung in der Version ‚Hoffnung für alle‘:
Ihr habt wohl vergessen, was Gott euch als seinen Kindern sagt: »Mein Sohn, wenn der Herr dich zurechtweist, dann sei nicht entrüstet, sondern nimm es an, denn darin zeigt sich seine Liebe. Wie ein Vater seinen Sohn erzieht, den er liebt, so erzieht der Herr jeden mit Strenge, den er als sein Kind annimmt.« Wenn ihr also leiden müsst, dann will Gott euch erziehen. Er behandelt euch als seine Kinder. Welcher Sohn wird von seinem Vater nicht erzogen und dabei auch einmal streng bestraft?
Wie habe ich meine Kinder erzogen?
Im Gegensatz zu meinem Macho-Stiefvater, der Züchtigung liebte, standen bei mir Liebe und Zuwendung im Vordergrund. Ein strenger Blick, ein ermahnendes Wort oder eine ernsthafte Erklärung waren die einzigen aber konsequenten Lenkungsmaßnahmen. Gezwungen, gemobbt oder geschlagen habe ich meine Kinder nie. Das ist bei Souveränität verbunden mit Verständnis für kindliches Verhalten auch nicht nötig. Ich war ja auch einmal jung. Erziehung ist für mich liebvolle Begleitung und Wegweisung. Trotzdem habe auch ich Fehler gemacht, weil ich zeitlich zu sehr im Beruf eingespannt und oft genug auch überfordert war.
Wie erzieht Gott seine Kinder?
Nach dem Lesen des strengen Hebräertextes habe ich mir die Frage gestellt, wie Gott in seiner Erziehung die Inhalte Liebe und Strafe unter einen Hut bringt.
Gott erzieht uns, weil er uns liebt und uns in eine tiefere Beziehung zu sich führen möchte. Seine Erziehung ist nicht willkürlich oder strafend, sondern immer darauf ausgerichtet, uns liebend zu formen, zu reinigen und uns zum Guten, letztlich in das Bild seines Sohnes Jesus Christus zu verwandeln.
Die Bibel nennt vier zentrale Prinzipien, wie Gott erzieht:
1. Durch sein Wort: Die Bibel ist ein wichtiges Werkzeug in Gottes Erziehung. In 2. Timotheus 3,16-17 heißt es: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit.“ Gottes Wort zeigt uns, was richtig und falsch ist, und hilft uns, nach seinem Willen zu leben.
2. Durch den Heiligen Geist: Der Heilige Geist wirkt in uns, um uns zu leiten, zu überführen und zu trösten. In Johannes 16,13 steht: „Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in alle Wahrheit leiten.“
3. Durch Prüfungen und Herausforderungen: Gott benutzt schwierige Situationen, um unseren Glauben zu stärken und uns zu lehren, ihm zu vertrauen. In Hebräer 12,6-7 lesen wir: „Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt aber jeden Sohn, den er aufnimmt. Was ihr erduldet, ist zur Züchtigung; Gott behandelt euch wie Söhne.“
4. Durch andere Menschen: Gott kann auch durch andere Christen, durch Predigten oder durch Gemeinschaft in der Gemeinde zu uns sprechen und uns erziehen (vgl. Sprüche 27,17: „Eisen wird durch Eisen geschärft, und ein Mann schärft das Angesicht des anderen“).
Gottes Erziehung ist immer von Liebe geprägt. Er möchte uns nicht bestrafen, sondern uns näher zu sich ziehen und uns helfen, ein Leben zu führen, das ihm gefällt. Das Leben ist hart genug und kann auch die Hölle sein.
Vorteile der Tiefen, Herausforderungen und Prüfungen
Tiefen im Leben sind also not-wendige Prüfungen und Herausforderungen, die uns vorbereiten, uns und unsere falschen Lebenseinstellungen zu ändern. Leiden und Nöte geben uns Stärke und Motivation das gleichgültige ‚Weiter so!’ zu überwinden, grundlegende Neuerungen vorzunehmen, den Stolz zu überwinden und uns helfen zu lassen.
Prüfungen sind also keine Strafe, sondern ein Ausdruck von Gottes Liebe. Er weiß, welche Folgen falsche Haltungen, Einstellungen, Erwartungen und Ziele haben. Davor will er uns schützen. Mehr noch: Er will uns ein gutes und sinnerfülltes Leben ermöglichen.
Prüfungen stärken unseren Glauben, weil wir darin auch Gottes Führung und Hilfe erkennen können. In Jakobus 1,2-4 lesen wir: „Meine Brüder, achtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen geratet, da ihr ja wisst, dass die Bewährung eures Glaubens Geduld wirkt.“ Prüfungen im Leben sind Training für unseren Glauben. Sie helfen uns, Geduld, Vertrauen und Hoffnung zu entwickeln, auch wenn wir Gottes Plan noch nicht verstehen.
Prüfungen bringen uns näher zu Gott, weil er der Einzige ist, der unsere Möglichkeiten und Zukunft kennt und der aus verirrten Lebenssituationen nachhaltig befreien kann. In Psalm 34,19 steht: „Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind.“ In schweren Zeiten erkennen wir leichter, wie sehr wir Gott brauchen, und suchen seine Nähe.
Prüfungen tragen Frucht, weil wir darin dazulernen, wachsen und reifen. In Römer 5,3-4 heißt es: „Wir rühmen uns auch in den Bedrängnissen, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung.“
Schlussgedanke
Prüfungen sind für niemanden nicht leicht, aber manchmal ist es gut, aufgerüttelt zu werden, zum eigenen Vorteil und für die Verträglichkeit mit anderen. Wir dürfen sie als ein Werkzeug Gottes sehen, um uns zu formen, zu stärken und uns näher zu ihm zu bringen. Lasst uns in schwierigen Zeiten nicht verzweifeln, sondern Gott suchen, ihm vertrauen, ihn um Beistand bitten, seine Hinweise, Angebote und Lehren annehmen und uns von ihm und seinem heiligen Geist der Liebe durch jede weitere Prüfung tragen.
