Die Stille, die uns heimruft   (Ps 107,29)

 

Hallo Du,

die Nacht war fürchterlich. Viel zu heiß. Ich schlief schlecht ein, wälzte mich hin und her, wachte gegen drei Uhr wieder auf – schweißgebadet – und konnte nicht mehr einschlafen. Selbst die Nachtluft war noch zu warm. Ich hoffte auf Regen, auf Abkühlung, auf ein Ende dieser Hitzewelle. Und auch, dass der Protest im Kopf gegen den menschengemachten Klimawandel, der Sturm gegen die widrigen Umstände, der Kampf ums Wiedereinschlafen und die nagende Müdigkeit endlich Ruhe finden.

Ich sehnte mich nach gefühlter Kühle, nach emotionaler Stille, nach beruhigendem Frieden und nach tatkräftiger Ausgeschlafenheit.

Wie so oft begann ich zu beten: „Gott, hab Erbarmen mit den Pflanzen, mit den Tieren, mit den Menschen.“ Und während ich suchte, wie ich dieser Situation innerlich entfliehen könnte, flog mir ein Wort zu: Stille.

Dieses Wort wirkte. Es ging langsam in mich über. Es setzte sich fest. Ich machte mir schnell noch ein paar Notizen und ließ mich einfach hineinfallen. Stille und Schlaf verbanden sich. Danke.

 

„Er verwandelte den Sturm in Stille und beruhigte die Wellen.“   (Ps 107,29: NLB)

 

Am Morgen – beim Spaziergang, beim Frühstück und im tiefen Mittagsschlaf – hallte dieses Wort nach. Es blieb nicht einfach in mir, es begann sich zu entfalten. Es wollte sich ausdrücken, ausformen, ausbreiten. Es suchte einen Weg nach außen, eine Gestalt im Wort, die Botschaft an euch.

So begann ich zu schreiben, zu beschreiben, Gefundenes aus mir herausfließen zu lassen:

 

Wenn Stille beginnt, tritt die Welt einen Schritt zurück. Nicht weil sie verschwindet, sondern weil sie uns nicht mehr beansprucht. Die Reize werden weich, die Konturen verlieren ihre Schärfe. Ein erster Raum öffnet sich – ein Raum, der nicht außen liegt, sondern in uns.

In der Stille gleitet die Wahrnehmung nach innen, wie ein Senken des Bewusstseins in tiefere Schichten. Kein Denken, kein Ordnen, sondern ein stilles Hinabgleiten. Die Empfindung wird dichter, feiner, körpernäher. Ein Innenraum entsteht, der nicht erklärt werden muss. Er zeigt sich einfach.

Die Stille nimmt der Seele die Geschwindigkeit. Gedanken verlieren ihre Dringlichkeit, Emotionen ihre Lautstärke. Das Nervensystem schaltet vom Reagieren um ins Sein. Es ist, als würde etwas in uns endlich wieder zu sich kommen.

Wenn die Geschwindigkeit sinkt, wird die Wahrnehmung präzise. Ich spüre den Atem, die Haut, das Herz – nicht laut, sondern nehme sie nur wahr. Das ist wie Erkennen ohne Verstand. Es ist wohl ein stilles Wissen im Körper.

 

Stille weitet uns nach innen. Sie räumt auf, ordnet, macht Raum. In diesem Raum beginnt Heilung. Nicht durch Wollen, sondern durch Entlastung. Das, was eng war, wird weit. Das, was schwer war, wird leicht. Ich bemerke: Heilung ist bleibende Weitung.

Aus der Weitung entsteht Sammlung. Nicht als Anstrengung, sondern als Rückkehr zum Wesentlichen. Die Stille bündelt das Zerstreute, ordnet das Verlorene, und richtet uns wieder aus. Eine klare Linie entsteht – nicht selbst gezogen, sondern gefunden. Tiefe beginnt.

Tiefe ist der Raum unter dem Raum. Die Tiefe öffnet sich, wenn die Stille uns durchdringt. Das Wesentliche tritt hervor: nicht als Gedanke, sondern als Empfindung von Wahrheit. Wie eine Weisheit, die nicht formuliert werden muss, weil sie schon da ist.

 

Klarheit ist das Licht der Stille. Nicht scharf, sondern durchsichtig. Sie zeigt, was uns wirklich trägt und hält. Und nun bemerke ich: aus dieser Klarheit wächst Frieden – nicht als Gefühl, sondern als Zustand. Der Körper wird stimmig. Atmung, Herz, Nerven und Muskeln arbeiten wieder miteinander. Sie koordinieren sich, finden zum gemeinsamen Rhythmus, zu einer erleichternden inneren Harmonie. Das befreit.

Ich erkenne: diese Freiheit ist vollendete Stille. Nicht Entscheidung, sondern Entlastung. Ein Zustand, in dem wir nicht mehr an das gebunden sind, was uns gerade noch bestimmt hat. Das ist wohltuend. Die Stille entlässt uns in unser ureigenes Wesen und Sein, ins wahre Zuhause.

 

In der Stille hat auch das Belastende seinen Weg. Es taucht auf – ehrlich und ungeschminkt. Es beruhigt sich – verliert Schärfe und Dringlichkeit. Es verwandelt sich – schmilzt, wird weich, wird verstehbar. Und dann sinkt es – friedlich, langsam und ohne Widerstand – in die Tiefe der Erinnerung. Nicht verdrängt, sondern befriedet. Es gehört nun zu meiner Geschichte und ist nicht mehr Last.

 

Ich spüre nun, dass der Alltag ruft. Gerne würde ich verweilen, doch auch die Stille hat ihre Zeit. Sie braucht den Kontrast, damit wir sie wieder suchen, damit sie wieder etwas in uns verändert. Ich wurde beruhigt, verwandelt, bereitet für Neues. Die Welt. erscheint mir jetzt irgendwie anders – besser, schöner.

Langsam steige ich auf aus der Tiefe: mit einer weicheren Wahrnehmung, mit einer ruhigeren Empfindung, mit einer klareren Linie.

Bewusst erlebe ich den Tag als Befreiter. Gut, dass die Stille im Hintergrund dableibt – als innere Weite, als unaufdringliche Klarheit, als tragender Frieden.

Danke.

 

Auch du bist in der Stille herzlich willkommen.

 

 

 

(Dieser Beitrag wurde in Zusammenwirken mit dem Copiloten von Microsoft erstellt)

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