Aus der Mücke einen Elefanten machen
Hallo Du,
wie stehst du zu Mücken, zu diesen kleinen, leichten, stechenden und
fast unsichtbaren Quälgeistern, die sich an deinem Blut erlaben wollen?
Ich jedenfalls, kann Stechmücken nicht ausstehen, obwohl sie mich zum
Fressen lieben. Ihr sirrendes Summen ist für mich wir eine schrille Alarm
sirene. Ihre Stiche jucken mich tagelang, manchmal sogar wochenlang.
Leider kann ich ihre Stiche nicht ignorieren, schon gar nicht,
wenn sie sich entzünden.
Um den Juckreiz zu dämpfen, habe ich bereits etliche Möglichkeiten
Ausprobiert, doch alle ohne großen Erfolg. Meine letzte Erkenntnis heißt
Prophylaxe, also die vorsorgliche Anwendung von Antimückenspray.
Ich versetze mich in so ein kleines Biest hinein und überlege, wo bei mir
ihre verlockenden Lieblingsmückenfutterstellen sein könnten. Die sprühe
ich überreichlich mit diesem schutzverheißenden Hoffnungsspray ein.
Und wenn ich schon mal beim Sprayen bin, auch noch jeden Millimeter
meiner Kleidung, weil diese Biester ja auch durch den Stoff stechen.
Und doch erwischen sie mich immer wieder.
Haben diese Monster denn keine Nase, die sie zumindest von dem Spray
abhält? Haben die keinen Anstand? Es gibt doch so viele andere, deren
Blut auch gut schmeckt.
Entschuldigung, damit meine ich natürlich nicht dich, sondern halt die
Anderen, die, die es lieben, gestochen zu werden.
Es ist schon erstaunlich, dass so eine kleine Mücke große Lebewesen aus
dem Gleichgewicht bringen können. Für mich, sind sie nicht mehr kleine,
filigrane Wesen, sondern schreckliche Ungeheuer und riesige Quälgeister.
Vor Kurzem hatte ich einen Stich, der muss von einer Monstermücke
gewesen sein. In Meinem Kopf war sie mindestens so groß wie eine Schmeiß
fliege oder vielleicht sogar so riesig wie eine dicke Hummel oder wie eine
nimmersatte Heuschrecke.
Je länger ich darüber nachdenke: Sie muss sogar noch viel größer gewesen
sein. Eigentlich so groß wie ein Elefant!
Lache mich bitte nicht aus. Ich kenne den Unterschied zwischen Mücke
und Elefant, aber meine Angst nicht. Die sagt: Diese Raubtiere gehören
eingesperrt oder vernichtet!!!
Doch kaum denke ich an deren Ausrottung, legt sich eine mäßigende Kraft
auf meinen Geist und ich höre eine leise Stimme, die mir sagt: ‚Auch diese
Tiere sind Geschöpfe Gottes. Sie füllen eine Lücke in der Schöpfung und
auch sie haben Hunger und wollen leben und Nachwuchs zeugen‘.
Das bringt mich in ein echtes Dilemma. Wem gebe ich recht?
Der Angst oder dem Verständnis für diese kleinen, zarten Wesen?
Je mehr ich darüber nachdenke, desto deutlicher wird mir, dass mit meiner
Einstellung zu diesen Wesen Gottes etwas nicht stimmt. Ja mehr noch:
Diese Geschöpfe sind nicht die einzigen, vor denen ich mich fürchte.
Ich fürchte mich auch vor Löwen, Tigern, Bären oder Haien, aber die gibt es
zum Glück hier nicht. Aber Bakterien und Viren schon. Die sind noch kleiner
und sogar unsichtbar und unhörbar.
(Warum fürchte ich mich überhaupt vor diesen Geschöpfen?
Wahrscheinlich theoretisch und vorbereitend, falls ich ihnen mal irgendwo
begegnen sollte.)
Manchmal fürchte ich mich auch vor Menschen und vor dem, was sie tun
und wie sie sind. Vor bösen Menschen, die andere oder mich verletzen
wollen und können, weil sie vielleicht selbst verletzt sind, weil sie voller
Enttäuschung, Wut, Hass, Zorn oder Rache sind. Weil sie sich gegen etwas
wehren, was sich in ihrem Kopf übergroß eingenistet hat.
Leider kann man denen nicht in den Kopf sehen und ihre bösen Absichten
rechtzeitig erkennen.
Huch? Das kann man zum Glück mir auch nicht.
Was ist mit meiner inneren und wilden Elefantenherde?
Wie werde ich innere Unruhe und Unfrieden los?
Bin auch ich aggressiv? Wie reagiere ich mich ab?
Bin auch ich für andere anstrengend?
Wie empfinden mich meine Mitmenschen?
Mein Kopf sagt mir: ‚Das ist vorbei. So warst du mal. Du wurdest verändert.
Es ist schon viel besser geworden. Du hast deine Untiefen erkannt und warst
bereit, dich verändern zu lassen. Diese Erkenntnis war der erste Schritt zu
deiner Besserung‘.
Und mein Herz sagt mir: ‚Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling.
Ich bin froh, dass dein Kopf mich nicht mehr unterdrückt und dass er jetzt
sogar auf mich hört. Noch nicht immer, aber immer öfter, dir zum Wohl.
Ich freue mich, dass ich jetzt wieder fühlen, mitfühlen und lieben darf,
dass ich mich für dich entfalten darf, dass ich nicht mehr so isoliert bin‘.
Mir wird bewusst:
Ich freue mich über diese Fortschritte.
Ich fühle mich in meinem Körper richtig wohl.
Ich bin sehr dankbar für diese Veränderung zum Guten,
die durch Glauben an Gott und an Jesus in mir bewirkt wurde,
in der ständigen Verbindung mit ihnen und mit ihrem Wort,
dadurch, dass ich sie, ihr Wesen, ihre Liebe, Güte und Treue
kennengelernt und erlebt habe.
Jetzt bin diesen Mücken richtig dankbar, dass sie mich zum Nachdenken
und zu neuer Erkenntnis gebracht haben. Ich glaube mittlerweile Folgendes:
Je mehr ich sie meide und je größer meine Angst vor ihnen ist, desto
leichter finden Sie mich, desto größer wird ihr Hunger auf mein Blut,
desto blutrünstiger empfinde ich sie. Angst schwächt meine Abwehr,
mein Denken, mein Fühlen und auch meine Liebe.
Vielleicht sind auch wir von Gott als Mückenernährer gedacht.
Doch das glaube ich nicht. Er will immer das Beste für uns.
Wahrscheinlicher ist, dass die Mücken für uns gemacht sind, um
zurückzufinden zu Demut und Toleranz, zu Mitgefühl und Nächstenliebe,
zu Selbsterkenntnis und Einsicht.
Nein, als Mückenfutter eigne ich mich gar nicht, ganz und gar nicht!
Aber: Der nächste Sommer kommt bestimmt.
Vorsorglich prüfe ich meine Moskitonetze und kaufe noch ein paar Flaschen
Antimückenspray. Vielleicht besser eine ganze Kiste voll. Man(n) weiß ja nie.
Oder vielleicht kaufe ich im Internet eine Ritterrüstung gegen Stiche
Oder, nicht so auffällig, einen dicken Winterpulli für den Sommer. Dann
denken die Mücken, (falls sie überhaupt denken können), dass es kalt ist
und sie dann vor Kälte erstarren.
Übrigens, Elefanten habe gern, nur nicht, wenn sie stechen.
Du aber, Mensch, fürchte dich nicht vor ihnen, hab keine Angst vor ihrem
Spott! Ihre Worte verletzen dich wie Disteln und Dornen – ja, du lebst
mitten unter Skorpionen. Trotzdem brauchst du dich nicht von ihnen und
ihrem Gerede einschüchtern zu lassen! (Hes 2,6; HfA)

