Männliche Schubladen
Den Männern zur Unterstützung
und den Frauen zum Verständnis
und zum Schmunzeln.
Ich bin ein Mann und das ist gut so!
Und weil ich es nicht anders kenne,
habe ich mich damit abgefunden.
Ich denke praktisch und
lösungsorientiert in übergeordneten
Strukturen.
Am liebsten groß: räumlich und zeitlich
und überhaupt.
Alles was ich bisher durchlebt
und durchdacht habe,
wurde sorgfältig und übersichtlich
in die Schubladen meines alten,
wackeligen, kostbaren und
praktischen Schubladenschrankes
einsortiert.
Leider ist dieser Schrank
im Laufe der Zeit zu klein geworden.
Leider haben sich die Zeiten geändert.
Leider haben sich viele Aufgaben
des Mannes in schwierige soziale
Unterstrukturen hinein entwickelt.
Dieses Problem konnte ich als Mann
natürlich (mit größerem Aufwand) lösen!
Man(n), muss ja schließlich
konkurrenzfähig bleiben.
Man(n), muss ja mitwachsen,
um seinen Status zu halten.
Wer rastet, der rostet.
Die Welt braucht gestandene Männer.
Klares, strukturiertes und konsequentes
Denken und Handeln, Entschlusskraft
und Entscheidungsfreude, klare und
deutliche Leitlinien, ein erfülltes
(schubladengefülltes) Leben.
Da kommt mir doch das völlig neue,
supergut durchdachte
und praktisch-normierte,
halbautomatisierte Baukastensystem
gerade recht, das der Logistik des
Frachtcontainersystems nachempfunden
ist. Das ist die Zukunft.
Das ist weltbewegend.
Das ist der er beste Mercedes aller
bisherigen Ordnungs- und
Orientierungssysteme.
Das entspricht dem differenzierten,
abstrakten, technischen, manchmal
auch weltfremden Denken unserer
Mann-Spezies.
Die kleinste Einheit in diesem neuen
System sind Schachteln, die jetzt Boxen
genannt werden.
Sie haben unterschiedliche, aber nicht
beliebige Längen, Breiten und Höhen.
Zehn Boxen passen haargenau in eine
Norm-Kiste, die etwa so groß ist wie ein
Umzug-Karton.
Auf jeder Normkiste ist ein elektronisch
erfassbares Label, das
1. deren Inhalt mit den durchlebten
Ereignissen ausweist,
2. deren Erkenntniswerte aufgrund
der Lernergebnisse angibt,
3. den gegenwärtigen Lagerplatz benennt.
Diese Daten werden umgehend per
Denk-Bluetooth in eine Speicherliste
übertragen, die sich nach Belieben
umsortieren lässt.
Dreißig, (30), solcher Kisten, also 300
einsortierte Boxen passen genau in das
dafür konstruierte, anmutig aussehende
Wandregal für das Wohnzimmer. Super!!!
Und falls das zu klein werden sollte:
Es gibt in der ersten Ausbaustufe noch
zwei weitere, praktische und preisgünstige
Kellerregale gleicher Größe, aber
einfacherer Bauart.
Damit kann man(n) 90 Kisten mit 900
Boxen lagern. Super!!!
Und, sollte selbst das nicht ausreichen,
gibt es als zweite Ausbaustufe einen
lindgrünen ISO-Großcontainer für den
Garten, mit fast 68 Kubikmeter
Rauminhalt und Platz für 1025 Normkisten.
Den könnte man – bis zu seiner
eigentlichen Zwecknutzung – auch als
geräumiges und robustes und
kindergeeignetes Gartenhäuschen
benutzen. Super!!!
Doch bevor ein falscher Eindruck entsteht:
Wir Männer haben alles im Kopf!
(Naja, fast alles).
Und was wir nicht so genau wissen,
das behaupten wir einfach.
(Natürlich auf der Basis aller verlässlich
gemachter, subjektiver Erfahrungen,
zu denen wir meistens auch stehen).
Und so wurde, was werden musste.
Nach vollbrachter Umsortierung in neue
Schubladen/Boxen und Normkisten-
rüstung kann ich jetzt stolz sagen:
1. Die Anschaffungsauseinandersetzungen
sind dank männlicher Durchsetzungskraft
überwunden.
2. An den lindgrünen Gartencontainer
habe ich mich gewöhnt. Er ist zwar
zweckentfremdet mit Familienkrempel
gefüllt, doch der Garten sieht jetzt
ordentlicher aus, wenn die Frau ab und zu
herumliegende Kleinteile darin verstaut hat.
Allerdings sind dann Einzelgegenstände
kaum noch zu finden, geschweige denn,
zu erreichen.
Zur Wahrung des Familienfriedens habe
ich (vorläufig) von einer Eigennutzung
abgesehen.
3. Das anmutig uns sportlich aussehende,
neue Wandregal aus dem Wohnzimmer
kam aus Kompromissgründen zu den
beiden anderen neuen in den Keller.
Das Schöne, wird für Sommer- und
Winterbekleidung in 30 ordentlich
beschrifteten Normkisten benutzt.
Eines ‚meiner‘ beiden, praktischen Norm-
Kellerregale wird als schnödes Regal für
unverderbliche Lebensmittelvorräte
genutzt, allerdings kistenlos und unge-
ordnet (wegen der angeblich schnelleren
Auffindbarkeit).
Das letzte Regal aber habe ich mir mit
großem Kraftaufwand zur Eigennutzung
gesichert
(und muss immer noch dafür kämpfen).
Statt der vorgesehenen 30 Kisten enthält
es zurzeit nur 3 Kisten, aber es könnten ja
vielleicht mehr werden. Den noch freien
Platz nutze ich für meine Fitnessgeräte
und für Urkunden, Pokale und Medaillen.
(P.S.: 27 leere Norm-Kisten mitsamt
jeweils 10 Boxen sind ganz hinten,
raumsparend und ordentlich, im
Gartencontainer einstapelt).
In diesen drei Kisten ist mein Erleben
und mein Lebenswert konzentriert.
Die Suche nach dem Aufbewahrungsort
ist bei drei Kisten überflüssig geworden,
denn die erlebten Ereignisse verblassen
nach und nach.
Doch deren Erkenntnisgewinn, meine
Lösungswege und Lösungsresultate,
meine schlichten, männlichen Denk- und
Handlungsvorteile,
(die manchmal auch Nachteile
sein können),
verwahre ich gut.
(Ich könnte sie ja in Ausnahmesituationen
vielleicht irgendwann mal als Beweise
brauchen, wenn mir dann das Heraus-
suchen nicht zu umständlich ist).
Ich bin eben, wie ich bin.
Kann ich denn anders?
Will ich das?
Lieber schnell entscheiden und damit
jede Sache abhaken, als vorsichtige,
eiernde Unentschiedenheit.
Lieber frühzeitiges Vordenken,
als zu spätes Nachdenken.
Besser schnelle 80 % – Lösungen,
als gar keine.
Übrigens:
Habe ich das schon gesagt?
Ich habe eine wirklich gute und dauerhafte
Beziehung zu meinem, in Kisten verwahrten
Schubladendenken.
Es hat große Vorteile:
1. Es ist einfach.
2. Es gibt mir Halt und Sicherheit.
3. Es verschafft mir Vorsprung.
4. Es hilft mir, mich zu behaupten.
5. Es hilft mir, mein Leben zu gestalten,
ohne mühsam in verwirrende Details
eintauchen zu müssen.
Selbstzufrieden stelle ich fest:
Meine Beziehungskisten sind (meist)
nüchtern und klar strukturiert,
ordentlich erfasst, katalogisiert
und (fast) alle abschließend entschieden.
Sie passen in nur drei Normkisten
mit 27 Unterboxen darin.
(3 hat mein kleiner Sohn
für sich abgezweigt.
Früh übt sich, … !
Den großen Rest im Gartencontainer
werde ich ihm dann vererben).
Wenn da nur nicht die
unberechenbaren Gefühle wären!?
Hätte ich gewusst oder auch nur geahnt,
wie alles kommt, wäre ich ein freierer
Mann und wäre noch glücklich und
zufrieden mit meinem alten
Schubladenschrank, der leider in den
Sperrmüll gewandert ist –
bis auf eine Schublade
als schönes Andenken,
in der ich heute meine Bibel
und mein Gottesbild verwahre. ( ; – ).
Und wenn es gut gelungen und
geschickt geordnet ist, so war
das meine Absicht.
Ist’s aber zu schlicht und einfach
geraten, so habe ich doch getan,
soviel ich vermochte. (2.Mak 15,38)
