Die Kraft der Stille

 

Hallo Du,

viele Menschen fürchten sich vor der Stille und deswegen flüchten sie in Aktivitäten, in Ablenkung oder in irgendwelche Betäubung.

Ich kann das gut verstehen, weil es mir selbst so ging – und manchmal auch noch geht. Dann spürt man das Leben hautnah, weil man mittendrin ist im Gewohnten und scheinbar Sicheren. Das glaubt man jedenfalls, weil man es nicht anders kennt.

Das Leben ist dann wie ein Schiff auf dem Ozean. Bei wenig Wind und Wellengang ist es bequem zu reisen, zu leben, zu empfinden und zu fühlen. Doch je stärker der Wind und je höher die Wellen werden, desto ungemütlicher und unsicherer wird die Reise. Die Sinne und das Denken werden höchst aktiv und geraten in Alarmzustand. Der Kopf versucht die jeweilige Situation zu analysieren und zu kontrollieren, um Auswege oder Lösungen zu finden.

Das geht eine Weile gut, aber nur solange bis man erkennt, dass viele Widrigkeiten des Lebens nicht zu kontrollieren und aus eigener Kraft nicht zu meistern sind. Schließlich resigniert man, ergibt sich in sein Schicksal und hofft nur noch, dass man es gut übersteht.

Solche Situationen gibt es immer wieder im Leben und immer wieder sind wir dabei den beiden Ur-Reflexen ausgeliefert – weglaufen oder kämpfen.

 

Auf dem Weg zum Christwerden habe ich eine weitere Möglichkeit kennengelernt, nämlich die, zunächst in die Stille zu gehen. Die Stille ist unser Freund. Sie bildet einem geschützten Raum ohne ängstigende, irritierende oder überfordernde Einflüsse von außen.

Das Alarm- und Reaktionszentrum wird abgeschaltet und die Nerven und Gedanken beruhigen sich. In der schützenden Stille kommen wir zu Ruhe und haben Gelegenheit, zu regenerieren, zum Sammeln neuer Kräfte, zum Nachdenken und Besinnen, zum Klarwerden unserer Situation.

 

Wir fragen uns vielleicht:

Ist weglaufen oder kämpfen überhaupt möglich?
Wenn ja, was bringt es? Wenn nein, was dann?

Wer kann mir helfen, wer mich verlässlich beraten?

Wer hat einen neutralen und ungetrübtem Blick, Übersicht und Weitsicht, Weisheit, Kraft und Macht, mich zu unterstützen, uns aus diesen Situationen zu befreien?

Wem vertraue ich? Wer ist hilfsbereit? – Ich denke an einen Freund, an eine Freundin. Als Christ vor allem an Jesus und Gott, unseren himmlischen Vater, die mir in der Vergangenheit immer wieder in solchen Situationen beigestanden haben.

 

Hoffnung keimt auf. – Kraft kehrt zurück.

Ich werde offen zu beten und zu bitten und auch bereit, Rat und Hilfe anzunehmen. Ich lasse mich führen. Manchmal auch dazu, besser nichts zu tun, Gott zu vertrauen und ihnen machen zu lassen.

Wenn man sowieso nichts zur Lösung beitragen kann, ist das die beste Option. Es ist keine Feigheit, sondern kluge Einsicht und verantwortungsbewusstes Verhalten.

Dadurch ergeben sich neue Wege, aus Schwierigkeiten oder Sackgassen herauszukommen und die Möglichkeit, mehr Vertrauen in Gottes Hilfe zu bekommen.

 

Die Kraft der Stille liegt somit nicht nur im Auftanken, sondern auch in der Selbsterkennung und Selbstfindung, in Einsicht, neuem Mut und Zuversicht. 

 

 

Durch Umkehr und Ruhe könntet ihr gerettet werden. Durch Stillsein und Vertrauen könntet ihr stark sein. (Jes 30,15; NL)

 

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