Ich bin anders!
Hallo du,
irgendwann stellen Kinder fest, dass irgendetwas mit ihnen nicht stimmt. Vielleicht, weil sie in der Schule gehänselt oder gemobbt werden. Vielleicht auch, wenn sie zu Hause anders behandelt werden als die Mitgeschwister. Vielleicht auch, weil sie selbst nicht wissen, weshalb sie anders sind und dass alle Menschen das gleiche Problem haben, sogar die eigenen Eltern auch heute noch. Auch Erwachsene erleben Ablehnung und sie fragen sich weshalb das so ist. Ob das mit ihrem Aussehen, mit ihren Einstellungen, mit ihrer Vergangenheit oder mit ihrer Ausstrahlung zu tun hat. Letztlich zählt aber nur, dass wir sind, wie wir sind.
Was andere von uns denken oder halten, hängt weitgehend denen ab, von deren Einstellung, Toleranz und Respekt. Ich selbst erlebe immer wieder, dass Menschen zu mir auf innere Distanz gehen, sobald ich ihnen sage, dass ich ein überzeugter und bekennender Christ bin. Das ist ihnen aus mir unerfindlichen Gründen suspekt. Sie können sich nicht vorstellen, dass das ‚Christsein‘ eine gute Nachricht ist, dass man sich als Christ sehr wohl fühlt und dass christlich zu leben, viele Vorteile hat. U.A.: Es vereinfacht das Leben, gibt Halt, lässt zwischen ‚gut‘ und ‚schlecht‘ unterscheiden, bringt inneren Frieden und formt den Charakter.
Die Erkenntnis: ‚Ich bin anders’, ist zunächst erschreckend. Das muss sie aber gar nicht sein. Jeder ist anders! Wir alle haben einen einmaligen Gen Mix von Veranlagungen, Eigenarten, Vorlieben und Verhaltensweisen von Generationen unseren Vorfahren geerbt, die uns als Erstausstattung für die Lebensbewältigung mitgegeben wird’s und die uns überlebensfähig machen sollen, die auf deren erfolgreichen Erfahrungen und Lebensstrategien beruhen. Und auch wenn sie in einer anderen Zeit und unter Umständen gelebt haben. Das scheint ein Nachteil zu sein, aber schlimmer wäre es, ohne diese vorläufige genetische Programmierung zu sein.
Und noch etwas: Früher hat sich die Welt nicht so schnell verändert wie heute und früher gab es auch nicht so viele Anregungen, Informationen und Beeinflussungen von außen, wie beispielsweise durch Medien wie Presse, Funk, Fernsehen, Internet oder soziale Netzwerke. Auch die körperlichen, geistigen und seelischen Belastungen, die Ernährung und die Bindungen sind anders geworden. Sich darüber zu beschweren oder aufzuregen bringt nichts Man hemmt man sich damit nur selbst. Gibt es aus dieser Situation einen Ausweg? JA!
Allen Menschen wurde eine noch wichtigere Fähigkeit vererbt, nämlich die, dass wir uns immer wieder an neue Lebensumstände, an Klimaveränderungen oder sonstige Widrigkeiten anpassen und dazulernen können!
Nicht nur die Gene unserer Vorfahren richten uns aus, sondern viel mehr die eigenen Lebenserfahrungen im Umgang mit Mitmenschen, mit neuen Situationen und Gegebenheiten.
Wir haben einen freien Willen bekommen und bestimmen somit selbst, wie wir durchs Leben gehen. Wir entscheiden selbst, worauf wir hören – auf die genetische Konditionierung oder auf fremde bzw. eigene Erfahrung. Jeder Mensch hat die Fähigkeit, dazuzulernen, sich neu zu orientieren und vieles neu zu gestaltet.
Besonders intensive und einschneidende Erlebnisse und der Umgang damit ergänzen die Gene, die jeder seinen Kindern und Kindeskindern weitergibt. Ob das, was wir dazufügen gut und richtig ist, entscheidet sich erst in den nächsten Generationen.
Manche Menschen sind mutiger als andere. Die Mutigen wagen mehr und sammeln dadurch mehr und intensivere Erfahrungen. Das ist dann das normale lernen durch eigenes Tun und Erleben. Subjektiv positive Ergebnisse werden weiterverwendet.
Ängstliche, mehr auf Sicherheit bedachte Menschen ersetzen den manchmal fehlenden Mut durch erhöhte Aufmerksamkeit und Beobachtung. Sie betrachten sich erst, welche Erfahrungen die Mutigen machen und übernehmen deren Lernergebnisse nur dann, wenn sie selbst die für gut und vorteilhaft halten. Dieses indirekte Lernen ist klug, aber es ist gleichzeitig eine Selbstbeschränkung. Es geht nichts über die eigenen Erfahrungen.
Übrigens: Die in den Genen verankerten Eigenarten und Fähigkeiten sind wertneutral. Ob sie gut oder schlecht sind, entscheidet sich erst dabei, wie und wann sie angewendet werden und wie wir mit Situationen umgehen. Ererbte Erstimpulse sollten geprüft werden. Wir dürfen sie durch andere, eigene Wege und Möglichkeiten ersetzen.
Dazu ein Beispiel:
Ein ererbter eigenwilliger Dickkopf kann schlecht oder gut sein. Schlecht ist er, wenn er dazu führt, dass man sich auflehnt und nichts dazulernen will. Gut ist er, wenn er dazu verwendet wird, solange hartnäckig und ausdauernd an einer Sache zu bleiben, bis sie erfolgreich geklärt ist.
Ich bin anders! Ja, das stimmt. Aber: ‚Jeder ist anders‘, ‚Jedem geht es wie mir‘ und das stimmt auch! Wie gehen wir damit um? Sinnvoll ist nur, das Beste daraus zu machen.
Liebende Eltern gehen mit ihren Kindern nicht gleich um, denn das wäre aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit ungerecht. Sie behandeln und erziehen sie ‚angemessen‘, also individuell. Kinder verstehen das nicht. Es ist für sie ungerecht, besonders dann, wenn Geschwister etwas bekommen, was sie auch gerne hätten. Aber zu dieser Form der Gerechtigkeit gehört auch, dass die Strafen und das Strafmaß dann gleich sein müssten, sogar bei unterschiedlich alten Kindern. Das aber wäre wirklich ungerecht.
Es ist urmenschlich, dass jeder Mensch, egal ob klein oder groß, immer nur das Beste für sich haben will. Das ist deswegen aber noch nicht richtig. Wo Kinder elterliche Willkür vermuten, kann es aus der Sicht der Eltern auch eine liebevolle und verantwortungsvolle Weitsicht sein.
Liebende Eltern versuchen erst gar nicht, ihre Kinder so zu erziehen, dass sie ihnen gleich werden. Das wäre unangemessen. Es würde die Kinder verbiegen und blockieren sowie deren Persönlichkeitsentwicklung erschweren.
Wahre Liebe ermöglicht und unterstützt die Selbstfindung und lässt Freiraum und Zeit. Aber sie greift natürlich ein, wenn kindliches Erproben gefährlich oder sogar lebensbedrohend wird. Kinder und Jugendliche haben noch nicht die Erfahrung und den Weitblick, Gefahren und die Folgen des eigenen Verhaltens abzuschätzen.
Wer dennoch auf absolute Gerechtigkeit pocht, der weiß nicht, dass es die nicht gibt. Gesetze und Vorschriften sind in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich. Sie können sogar gegensätzlich sein. Was im Land A verboten ist, ist im Land B erlaubt.
Sogar im eigenen Land werden Gesetze von Gerichten unterschiedlich interpretiert. Die Richter haben einen Spielraum für das Strafmaß. Gleiche Vergehen werden unterschiedlich bestraft. Eine juristische Gleichbehandlung würde keine Spielräume kennen, keine Einzelentscheidungen und keine Gnade.
Außerdem: Gesetze werden von Menschen gemacht und angewendet. Jeder Mensch, die Gesetzesmacher wie auch die Richter oder Eltern, können sich irren.
Egal in welchem Land, in welcher Staatsform oder Kultur: Es ist erstaunlich, wie sich überall die Menschen mit den Vorgaben arrangieren.
Es scheint so:
„Das Herz allein kennt die eigene Bitterkeit, und auch an seiner Freude nimmt niemand anders direkt teil. Manchmal ist einer der Ansicht, sein Weg sei der richtige, und am Ende stellt sich heraus: es war ein Weg in den Tod.

