Wer Ohren hat zu hören   (Lk 8,8)

 

Ich höre im Schlaf,

wenn Gefahr die Stille durchbricht.

Ich höre im Traum,

wenn das Unterbewusstsein zu mir spricht.

Ich höre auch dann,

wenn die Augen nicht mehr sehen

und der Verstand nicht richtig kann verstehen.

 

Ich höre auf die Stimme meines Herzens,

die Stimmung meiner Gefühle

und die Stimme meiner Gedanken.

 

Ich höre bei Anderen

gedachte Hoffnungen und Erwartungen,

offene Fragen, zaghaftes Bitten, vermutete Antworten,

unausgesprochene Absichten und Vorstellungen,

auch Distanz und Misstrauen

oder wärmendes Wohlwollen.

Auch, versteckte Unter- und Zwischentöne

oder den liebevollen Wohlklang des Vertrauens.

 

Ich höre zu, ich höre hin

und ich nehme das Gehörte auf.

Ich antworte darauf mit meinen Worten,

mit meinen Gedanken, mit meinen Gefühlen

und mit meinem Verhalten.

 

Ich verhalte mich zu dem Gehörten

und hinterfrage es,

um es besser zu verstehen,

um besser damit umzugehen.

Ich prüfe es,

spreche mit mir selbst darüber

und mit anderen.

 

Ich bleibe so lange im Gespräch,

bis ich Klarheit gewonnen habe

über die vermittelten Inhalte

und über den jeweils Sprechenden.

 

Manches bleibt verborgen

und damit verwirrend und unverstanden.

Manches wird einfach übergangen und abgetan.

Manches wird auch schnell wieder vergessen.

An Manches erinnere ich mich erst später wieder,

manchmal sehr viel später.

 

Bin ich offen für dieses intensive Hören?

Bin ich bereit für das, was Mitmenschen sagen?

Bin ich zugänglich dafür,

was Gott mir sagen möchte,

was ich erkennen soll,

was ich dazulernen kann?

 

Wer Ohren hat zu hören, der höre!

 

Gott öffnet uns die Ohren und schenkt uns

hinhören, zuhören, erhören und gehorchen.

Mein Glaube und mein Gottvertrauen,

kommen aus dem Hören, aus dem Gehörten,

aus vertrauensvoll Angenommenem und Erprobtem.

Gott sei Dank!

 

Hören führt auch zum Sehen,

zum näheren Betrachten,

zum Einsehen und zu neuen Sichtweisen.

 

 

Und einiges fiel auf guten Boden, ging auf

und brachte hundertfache Frucht. Jesus

schloss mit dem Ausruf: „Wer Ohren hat

und hören kann, der höre!«   (Lk 8,8; NGÜ)

 

 

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