Lernen, um zu tun

 

Hallo Du,

Jesus sagt in Mt 23,2-3 (HfA):

Die Schriftgelehrten und Pharisäer sind dazu eingesetzt,

euch das Gesetz von Mose auszulegen. Richtet euch

nach ihren Worten und tut alles, was sie euch sagen!

Nehmt euch aber kein Beispiel an ihren Taten! Denn

sie halten selbst nicht ein, was sie von den anderen

verlangen.

 

Er beanstandet ihr

widersprüchliches und inkonsequentes Denken

und Tun und hält das für Heuchelei.

 

Assaf Zeevi schreibt in seinem lesenswerten Buch

‚Lass das Land erzählen‘ zu dieser Bibelstelle

zusammengefasst:

 

Damals gab es unter den Rabbinern eine kontroverse

Diskussion darüber, was größer ist, das Lernen oder

die Tat? Und mit ‚Tat‘ meinten sie alles, was zur

Nächstenliebe gehört.

Ein Rabbi sagte: Die Tat ist größer. Ein anderer Rabbi

sagte: Größer ist das Lernen. Alle antworteten und

sagten: ‚Größer ist das Lernen – denn das Lernen

bringt Taten hervor.‘

Manche Rabbiner waren anderer Meinung:

‚Wer lernt, um zu lehren, wird lernen und lehren.

Wer lernt, um zu tun,

wird lernen, lehren, halten und tun‘.

 

Weshalb ist diese Frage nach

unserem Lernen oder Tun so wichtig?

Weil viele Gott nicht kennenlernen wollen.

Weil viele ihn kennen, aber nicht nach seinen

Geboten handeln.

Weil einige die Liebe in ihren Herzen haben,

aber Gott und Jesus nicht kennen.

 

1. Allein zu wissen, was in den Geboten steht,

    ist unfruchtbar. Sich an den Geboten auszurichten

    und sie zu halten, das ist fruchtbar für sich und

    für andere. Wissen muss angewendet werden

    und sich im eigenen Verhalten zeigen.

 

2. Wer durch Glauben und Vertrauen ein ‚neuer‘

    Mensch geworden ist, muss das auch anderen

    zeigen, denn nur dann können die es auch sehen

    und daran orientieren.

 

3. Wenn wir für den uns geschenkten Glauben nicht

    mit Treue und Gottvertrauen einstehen, erhalten wir

    auch nicht die Gnade, dass Gottes große Zusagen

    uns zuteil werden und wir durch sie Gutes bewirken.

    Aus abstraktem Wissen heraus, geschehen noch

    keine Wunder. Durch das Vertrauen in Gott beim

    eigenen Tun, aber schon – und wenn es nur das

    Wunder der Selbstüberwindung ist.

    Jesus ist unser Vorbild. Er handelte immer in der

    Verbundenheit mit und im Vertrauen auf seinen

    himmlischen Vater. Jesus handelte im Geist Gottes

    und nach seinem Willen.

    Gott zeigte sich in ihm, auch in seinen großen

    Wundern und Taten und auch in seinem Wort und

    Geist.

    Jesus ist ganz bewusst unser Lehrer und Vorbild.

 

4. Wer in seinem Leben und Tun nicht immer wieder

    die Lenkung und Unterstützung Gottes erkennt und

    in ihnen wundersame Gebetserhörungen erlebt, der

    verharrt in dem zersetzenden Zweifel, ob es Gott

    wirklich gibt und ob Gott auch für ihn da ist.

    Der handelt dann nicht aus fester Überzeugung.

    Zauderer beten und handeln nicht öffentlich.

    Sie haben Angst, etwas falsch zu machen.

    Oder, sie haben Bedenken, dass nicht eintritt,

    worum sie Beten und sie sich dadurch blamieren

    könnten.

 

5. Kopfwissen bleibt hohl,

    wenn es nicht erprobt wird,

    wenn es nicht angewendet wird,

    wenn damit nicht der Mut verbunden ist,

    Gott zu bekennen und seinen Glauben

    und seine Liebe zu leben und zu zeigen.

 

Johann Wolfgang von Goethe schrieb 1797

im Zauberlehrling:

 

Was keiner wagt, das sollt ihr wagen,

was keiner sagt, das sagt heraus

was keiner denkt, das wagt zu denken

was keiner anfängt, das führt aus.

 

Aus jedem Lehrling

soll ein Geselle und Meister werden.

Und wie der Lehrling, so auch wir.

Nicht aus eigener Kraft, die das

alleine nicht vermag,

sondern aus der Kraft Gottes,

der in uns wohnt, der uns bewegt,

der an uns und durch uns wirkt.

 

Auch diese Wirkungskette

ist ein Gnadenwunder, gegeben,

um Gottes Reich zu vergrößern

und Menschen zu ihm zu bringen,

damit auch sie mutig und stark werden,

damit auch sie Frieden finden.

 

Amen.

 

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