K.O. gegangen

 

Während er mit mir redete, lag ich wie

ohnmächtig da, mit dem Gesicht am Boden.

Doch dann berührte mich Gott und stellte

mich wieder auf die Beine.

(nach Daniel 8,18)

 

Hallo Du,

gestern habe ich beim wöchentlichen Basketballspiel

den Ball mit voller Wucht an die Stirn bekommen.

Ich spürte noch wie die Nervenverbindungen zu den

Muskeln sich abschalteten und ich zusammensank.

Doch irgendwie war ich nicht ganz weg. Eher stark

benebelt.

Ich konnte nichts sehen und ich war unfähig, mich

zu bewegen oder zu sprechen. Und doch hörte ich,

was um mich herum vorging und spürte, was andere

mit mir machten.

 

Die fünf Sportkameraden standen eschrocken um

mich herum und redeten durcheinander, was  nun

zu tun sei.

 

Einer sagte: „Legt ihn in die Seitenlage“, was dann

auch geschah.

Jemand legte mir sogar seine Hand auf meinen

Oberarm.

Beides war sehr angenehm.

Es gab mir Ruhe und das Gefühl, nicht alleine zu sein

und dem Gehirn die Möglichkeit zur Selbstdiagnose

und langsamen Regeneration.

 

Ein anderer sagte:

„Legt ihm ein kaltes Tuch in den Nacken“.

Er holte eines und überrascht stellte ich fest,

dass ich die frische Kühle empfinden konnte.

Es funktionierte noch etwas.

 

Doch irgendwie war ihnen die Situation

und meine Bewegungslosigkeit unheimlich.


Ein Dritter zog mich aus der Seitenlage,

rüttelte und schüttelte mich,

klopfte mir auf die Wangen

und fragte ständig:

„Hörst du mich?

Hörst du mich?“

Das war sehr unangenehm,

zumal ich mich nicht wehren

und auch nichts sagen konnte.

 

Dann meinte ein Vierter:

„Setzt ihn doch auf.“

Und sie zogen mich hoch.

Auch das war schlimm.

 

Weshalb konnten sie mich

nicht einfach liegen lassen

und warten bis mein Körper

sich wieder einschaltete?

Dann würde ich doch

von selbst wieder aufstehen.

 

Schließlich lag ich dann doch wieder

auf dem Boden und fand die Kraft

mich auf die Knie zu drehen,

die Stirn auf den kühlen Boden zu legen

und ihnen den Rücken zuzuwenden

mit dem Signal:

„Lasst mich! Zerrt nicht an mir rum.“

Doch einige meinten wieder, diese Lage

sei nicht gut für mich und sie wollten

mich hochheben und aufstellen.

 

Nach einer Weile führten mich zwei

in die Umkleide, wo ich dann,

mit dem kühlen Tuch auf der Stirn

eine Weile auf einer Bank lag,

bis ich langsam wieder klarer

und koordinierter wurde.

 

Das freundliche Angebot,

mich nach Hause zu fahren,

brauchte ich zum Glück nicht anzunehmen.

Dennoch fuhr einer von ihnen hinter mir her,

um sicher zu sein, dass alles gut ging.

 

Die Jungs waren sehr besorgt um mich,

jeder auf seine Art.

In der Not ist es gut, jemanden zu haben,

der versucht beizustehen.

 

Ich weiß:

Nichts geschieht ohne Grund

und ohne Auswirkung.

Der Grund, weshalb ich den Ball

an den Kopf bekam, ist nicht wichtig.

Es geschah mit Sicherheit ohne Absicht

und sagt dennoch dem Werfer etwas.

Jedoch,

wie ich und die anderen mit dem Vorfall

und dessen Auswirkung umgehen,

das ist wichtig.


Mein Fazit:

Ich schreibe das Geschehen

und Empfinden auf,

um mir und anderen bewusst zu machen

wie wichtig es ist,

die Erste-Hilfe -Regeln zu kennen,

sie immer wieder aufzufrischen

und einfühlsam anzuwenden;

bei der praktischen Hilfe

einen klaren Kopf zu behalten;

sich nicht von anderen irre machen zu lassen

und alles Mögliche auszuprobieren und,

nicht nur technisch alles richtig zu machen,

sondern auch

menschliche Nähe und Berührung zu wagen.


Ich danke den Jungs,

die fast alle Lehrer sind oder waren,

für ihren Beistand

und nehme den Vorfall zum Anlass

festzustellen, dass wir alle für den Notfall

nicht genügend vorbereitet sind

und uns dafür regelmäßig weiterbilden sollten.

Und auch, dass es gerade als Lehrer

und Sportlehrer zu unserer Pflicht gehört,

Kinder in Schulen,

Vereinen oder Kirchengemeinden

frühzeitig in die Erste-Hilfe-Regeln einzuweisen

und sie mit ihnen immer wieder zu üben.

 

Mir brummt der Schädel immer noch

(wohl eine schwere Gehirnerschütterung),

doch das wird vergehen.

 

Gott sei Dank,

dass nichts schlimmeres passiert ist und,

dass wir dadurch darauf vorbereitet wurden,

beim nächsten Notfall noch besser zu handeln.

 

 

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